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8. März 2020

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- Innovative Ideen gegen den Klimawandel: Stadt setzt Tummelplatz mit Sprühnebel unter Wasser - 83.500 Pflanzen bringen die Stadt zum Leuchten - Neue Hilfe für Menschen mit Behinderung gestartet - Schlossberg Restaurant: Neue Ausstattung, neues Konzept - Neue Eisperle in der Färbergasse eröffnet - Orientierungshilfen kaum noch zu erkennen - Senioren-Inseln in Parks mit Boccia und Schach - Wirbel um Wohnbau im Hochwasserschutzgebiet - 4 von 5 Grazern finden: Corona-Hysterie ist übertrieben - Beisl-Rallies und Ganoven-Rundgänge: Newcomerin erfindet Stadtführungen neu - Fasching 2020

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6 graz www.grazer.at 8. MÄRZ 2020 K O M M E N T A R von Vojo Radkovic ✏ vojo.radkovic@ grazer.at Öffis: Wenn die Kassen nicht mehr klingeln ... S icher wäre das toll. Man steigt in die Straßenbahn, nimmt einen Bus oder fährt mit der S-Bahn oder den ÖBB. Man braucht weder an Geld noch an Tickets denken. Alles ist gratis, öffentliche Verkehrsmittel zum Nulltarif. Was wurde da schon herumdiskutiert, gerechnet, geplant, wieder verworfen. Die Einführung der Altstadt-Bim, die 2013 probeweise für ein Jahr passierte und 2014 auf unbestimmte Zeit verlängert wurde, wird von Grazern und Touristen gerne angenommen. Zwischen den Haltestellen Südtiroler Platz, Schlossbergbahn und Kaiser-Josef-Platz oder Finanzamt kann man die Bim gratis benutzen. Das bringt aber keinen Autofahrer zum Umstieg auf Öffis. Wie Beispiele zeigen, lockt der totale Nulltarif wenig Autofahrer in Bim oder Bus, dafür aber viele Radfahrer und Fußgänger. Die würden fortan mit den Öffis fahren und weniger radeln oder zu Fuß gehen. Das Problem ist, die Graz-Linien brauchen die Ticketeinnahmen, 50 Millionen Einnahmenverlust wäre zu viel. Alle Untersuchungen zeigen: Autofahrer steigen nur dann auf Öffis um, wenn diese attraktiv genug sind und im dichten Takt zur Verfügung stehen. Beides geht derzeit in Graz nicht. In der Bim steckt man meist fest und kann sich kaum rühren und im Bus muss man aufpasssen und sich stets anhalten. Komfort schaut anders aus, und somit steigen die meisten lieber weiter in ihr Auto. „Beruf und Familie INTERVIEW. Zum heutigen Weltfrauentag haben wir mit der Grazer Arbeits-, Jugend- und Familienministerin Christine Aschbacher gesprochen. Von Tobit Schweighofer tobit.schweighofer@grazer.at Frau Bundesministerin, was meinen Sie: Brauchen wir überhaupt einen Weltfrauentag? Christine Aschbacher: Der 8. März ist ein Tag, an dem wir uns über die vielen Meilensteine auf dem Weg zur Gleichberechtigung freuen dürfen. An einem Tag wie heute denken wir auch an die mutigen Vorreiterinnen, die entscheidende Errungenschaften wie das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt haben. Gleichzeitig erinnert uns dieser Tag daran, dass es auch in Österreich noch einiges zu tun gibt. Als Arbeitsministerin ist mir gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ein großes Anliegen. Zwar konnten geschlechtsspezifische Lohnunterschiede verringert werden, doch noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Ein wichtiger Baustein, um die Lohnunterschiede zu verringern, ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ein Thema, das mir als Familienministerin besonders am Herzen liegt. Familienstadt Graz Würden Sie sich als Feministin bezeichnen? Aschbacher: Ich bin eine Frau und Mutter mitten aus dem Leben. Sie arbeiten ja auch in Graz. Welche Herausforderungen sind speziell hier am größten? Aschbacher: Derzeit arbeite ich vor allem in Wien oder bin bei den Menschen in den Bundesländern unterwegs. Besonders Ministerin Christine Aschbacher freut sich über die Errungenschaften im Sinn der Gleichberechtigung, meint aber auch: „Es gibt noch viel zu tun!“ MELICHAREK für Familien ist Graz sehr attraktiv – eine innovative Stadt mit einer sehr guten Infrastruktur und einer hohen Lebensqualität. Wie stehen Sie denn zu Frauenquoten oder besonderen Fördermodellen für Frauen am Arbeitsmarkt? Aschbacher: Es gibt ein arbeitsmarktpolitisches Frauenprogramm mit verschiedenen Maßnahmen – etwa Förderungen für Wiedereinsteigerinnen, Programme für Mädchen in nicht traditionellen Lehrberufen und Frauenberufszentren mit einem österreichweiten frauenspezifischen Beratungs- und Berufsorientierungsangebot. Erfreulicherweise ist die Arbeitslosenquote bei Frauen im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent zurückgegangen. derGrazer IMPRESSUM: „der Grazer“ – Unabhängige Wochenzeitung für Graz und Umgebung | Erscheinungsort: Graz | HERAUSGEBER UND MEDIENINHABER: Media 21 GmbH, Gadollaplatz 1, 8010 Graz; Tel. 0 316/23 21 10 | GESCHÄFTSFÜHRUNG: Gerhard Goldbrich | ASSISTENZ: Jasmin Strobl (664/80 666 6695) | CHEFREDAKTION/PROKURA: Tobit Schweighofer (DW 2618) | REDAKTION: Verena Leitold (0664/80 666 6691), Vojo Radkovic (0664/80 666 6694), Valentina Gartner (0664/80 666 6890), Philipp Braunegger (0664/80 666 6600), Svjetlana Wisiak, CvD (0664/80 666 6491), Fabian Kleindienst (0664/80 666 6538), Birgit Schweiger (Lektorat, 0650/254 09 76), Redaktion Fax-DW 2641, redaktion@grazer.at | ANZEIGENANNAHME: Fax 0 316/23 21 10 DW 2627, verkauf@grazer.at | VERKAUF: Michael Midzan (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6891), Selina Gartner (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6848), Robert Heschl (0664/80 666 6897), Mag. 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8. MÄRZ 2020 www.grazer.at graz 7 muss möglich sein“ Wie gelingt Ihnen als „politisch oberste Grazerin“ und dreifache Mutter eigentlich der Spagat von Kind und Karriere? Aschbacher: Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen wie jede andere Familie in Österreich. So wie wir müssen sich alle Eltern überlegen: Wie kommen wir in der Früh alle pünktlich aus dem Haus? Wer holt die Kinder wieder ab? Wer betreut die Kinder, wenn es nicht genug Betreuungsangebot gibt? Zurzeit sind meine Kinder gut betreut von meiner Familie und auch im Kindergarten und in der Schule. Mein Mann unterstützt mich sehr, auch meine Eltern unterstützen uns. Rollenbilder ändern sich In vielen Familien ist das aber anders: Nur drei Prozent der Väter in Partnerschaft gehen länger als drei Monate in Karenz. Viele würden aber gerne länger gehen. Sind hier nur die Unternehmen gefordert, oder kann man auch politisch eingreifen? Aschbacher: Wir werden uns anschauen, wie man das Kinderbetreuungsgeld noch weiter verbessern kann, um eine möglichst große Wahlfreiheit für Familien zu gewährleisten. Als Familien- und Arbeitsministerin ist es mir wichtig, dass auch Männer eine Chance zur aktiven Beteiligung haben. Die Rollenbilder haben sich verändert, beide Elternteile tragen Verantwortung für die Kinderbetreuung. Väterbeteiligung kann auch für Unternehmen eine Chance sein: Studien zeigen, dass von familienfreundlichen Maßnahmen sowohl die Mitarbeiter als auch die Unternehmen profitieren. Im ländlichen Bereich und auch in Graz-Umgebung haben viele Gemeinden große Probleme damit, das Kinderkrippenangebot aufzustellen. In Gössendorf etwa zahlt die Gemeinde Eltern dafür, dass sie ihre Kinder zu Hause behalten. Ist das ein vorstellbares Modell? Bzw. was kann man da tun? Aschbacher: Mir ist es ein Anliegen, dass Familien echte Wahlfreiheit haben. Dafür müssen Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Wir werden uns daher anschauen, wo ein Ausbau der Kinderbetreuung notwendig ist. Eine gute Ergänzung können auch Tageseltern sein. Einige Gemeinden in Österreich zahlen einen Zuschuss zum Kinderbetreuungsgeld, wenn keine öffentliche Kinderbetreuung in Anspruch genommen wird. Auch das ist eine Möglichkeit. Eltern sollen auf jeden Fall das Gefühl haben, dass ihre Kinder gut betreut sind. Und jede Familie soll das für sich passende Modell wählen können.

2021