7 TAGE SONNTAG

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8. März 2020

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- Innovative Ideen gegen den Klimawandel: Stadt setzt Tummelplatz mit Sprühnebel unter Wasser - 83.500 Pflanzen bringen die Stadt zum Leuchten - Neue Hilfe für Menschen mit Behinderung gestartet - Schlossberg Restaurant: Neue Ausstattung, neues Konzept - Neue Eisperle in der Färbergasse eröffnet - Orientierungshilfen kaum noch zu erkennen - Senioren-Inseln in Parks mit Boccia und Schach - Wirbel um Wohnbau im Hochwasserschutzgebiet - 4 von 5 Grazern finden: Corona-Hysterie ist übertrieben - Beisl-Rallies und Ganoven-Rundgänge: Newcomerin erfindet Stadtführungen neu - Fasching 2020

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2 die seite zwei www.grazer.at 8. MÄRZ 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Ein Tag, sie zu feiern und ewig zu ehren Z um heutigen Weltfrauentag haben auch wir unsere Ausgabe schwerpunktmäßig den Frauen gewidmet. Nur sind wir uns ehrlich: Brauchen wir im 21. Jahrhundert tatsächlich noch einen Weltfrauentag? Es gibt ja inzwischen ein Gleichbehandlungsgesetz, seit 1989 (!) ist in Österreich Vergewaltigung in der Ehe strafbar und eine Frauenministerin haben wir auch. Das sind – man mag es kaum glauben – tatsächlich die großen Errungenschaften, die erst in den letzten 30 Jahren erreicht wurden. Die klare Antwort auf die Frage muss also sein: Ja, den Tag brauchen wir. Und leider ganz besonders wir. Der Satz, der sich durch alle unsere Geschichten zum Thema zieht, ist: „Es gibt noch viel zu tun!“ Und tatsächlich verdienen Frauen laut einer aktuellen Meldung von Statistik Austria um 36,7 % brutto pro Jahr weniger als Männer. Beschränkt man den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die mittleren Bruttojahreseinkommen der Frauen 2018 um 15,2 % unter jenen der Männer. Besonders peinlich: Im EU-Vergleich zählt Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den höchsten Gender Pay Gaps und liegt unter den 29 EU-Staaten an 25. Stelle. Es gibt also wohl tatsächlich noch viel zu tun, also gehen wir’s bitte alle gemeinsam an. Gleich. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... Doris Kirschner Frauenreferatsleiterin Doris Kirschner hat mit uns im eleven gefrühstückt. Ein Kaffee durfte da natürlich nicht fehlen – oder zwei oder drei. GUBISCH Am heutigen Weltfrauentag spricht die Frauenreferatsleiterin der Stadt über Feminismus, Kaffee und Krimis sowie ihre Liebe zu Griechenland. Ist heute ein Feiertag oder ein Kampftag? Beides. Von der Tradition her ein Tag, an dem darauf hingewiesen wird, dass noch nicht alles so ist, wie es sein sollte, also ein Kampftag. Aber auch ein Feiertag, wo man zusammenkommt und feiert und es viele Veranstaltungen gibt. Wieso brauchen wir den Tag noch immer? Das frage ich mich auch! Gleiche Bezahlung ist noch immer ein offenes Thema, Frauen sind noch immer stark von Gewalt betroffen. Da geht es nicht um Konflikte in einer Beziehung, sondern um Macht und Dominanz. Und auch bei den Rollenbildern gibt es noch viel Aufholbedarf. Ebenso in Sachen Alltagssexismus. Es ist noch viel zu tun! Braucht’s eine Frauenquote? Ja, unbedingt! Darauf, dass die Dinge freiwillig und von selbst passieren, warten wir schon lange genug. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen? Ja, als Hardcore-Feministin! Das ist aber keine Verhaltensweise, sondern eine Art, die Welt zu sehen. Es geht darum, immer hinzuschauen, ob es für Frauen unterschiedliche Rahmenbedingungen gibt als für Männer. Welches Frauenklischee bedienen Sie voll, welches gar nicht? Schwierig ... Ich glaube, ich bin recht analytisch und in vielen Reaktionen und im Auftreten nicht klassisch weiblich. Aber wenn’s um mich selbst geht, kann ich sofort aufzählen, was ich nicht so gut kann. Wie steht’s mit Frühstücksklischees? Geht’s auch ohne Kaffee? Nein, Kaffee ist ganz wichtig! Am Sonntag auch ein zweiter und ein dritter. Da geh ich den Tag gemütlich an – struppig und unfrisiert. Sind Sie ein Sommer- oder Wintermensch? Absolut Sommer – obwohl ich im Winter Geburtstag habe. Ich sag immer: „Der Storch hat mich zirka tausend Kilometer zu weit im Norden fallen lassen!“ Schlägt sich das im Reiseverhalten nieder? Ich bin eine wirkliche Griechenlandliebhaberin! Dort muss ich zumindest alle drei, vier Jahre hin. Es gibt Strände, aber auch Gegenden, wo nicht 100.000 Menschen liegen. Nach Griechenland hab ich nach der Matura auch die erste Reise alleine gemacht. Nach Australien würd ich auch gern mal. Und was wir heuer tatsächlich machen, ist Südengland! Welche Bücher nehmen Sie da mit? Ein Klassiker von mir ist natürlich „Wie die Schalen einer Zwiebel“. Ansonsten les ich einfach gern Krimis: Veit Heinichen oder auch Thriller im Stil von Jeffery Deaver. Welche Persönlichkeit würden Sie gerne mal treffen? Michelle Obama! Aber auch Tina Turner. Das ist auch die Musik, die ich höre. In meiner Jugend hab ich auch selber welche gemacht. Ich hatte eine klassische Rockband und hab dort hauptsächlich Gitarre gespielt. VERENA LEITOLD Doris Kirschner wurde am 29. Dezember 1966 in Leoben geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Publizistik in Wien. Von 1998 bis 2002 war sie Frauenbeauftragte der Stadt Graz, danach Leiterin des Frauenreferats und zwischenzeitlich Büroleiterin von Ex-Vizebürgermeisterin Martina Schröck. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

2021