7 TAGE SONNTAG

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7. Februar 2021

- Graz ist Vorbild als Klimainnovationsstadt - Zehn Jahre Soko Altstadt - Computer-Arbeitsplätze in Stadtbibliotheken - Liebenauer kämpfen für Filiale: Grazer Postpartner sterben langsam aus - Es wird zu viel Salz gestreut: Bauliche Maßnahmen können Bäume retten

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 7. FEBRUAR 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Altes Spiel, neue Chance, neues Glück A uf, zu, auf, zu, auf, zu und ab morgen dürfen die Geschäfte eben wieder aufsperren und wir wieder einkaufen gehen. Und wieder sind die Infektionszahlen eigentlich zu hoch dafür und wieder haben nur wir es in der Hand, die Wirtschaft und uns alle vor einem weiteren Lockdown zu schützen. Denn gerade den Wirtschaftstreibenden ist kein Vorwurf zu machen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, Hygienestandards werden penibel eingehalten, sogar Rabattaktionen für den Kauf von Schutzmasken werden erarbeitet. Man darf den Glauben an das Gute ja nicht verlieren, nur wird es von Mal zu Mal, von Handelsöffnung zu Handelsöffnung, schwieriger, nicht an uns zu zweifeln. Denn die Möglichkeit, dass wir es wieder vergeigen, ist absolut realistisch. Vor allem nach Monaten der Beschränkung brennen uns sozialen Wesen wohl wieder die Sicherungen durch und wir werden die bestehenden Regeln bis auf das Äußerste ausreizen, nur um nach ein paar Wochen wieder zuhause zu sitzen und die Schuld allen anderen zu geben. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre, denn auch ich möchte so wie alle mein altes Leben wieder. Deshalb noch einmal die Bitte: Gehen wir einkaufen, treffen wir Freunde, aber dieses Mal, ohne das Hirn dabei auszuschalten! Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Viel zu feiern hat Boris Bukowski: 75. Geburtstag und 60-jähriges Bühnenjubiläum. Entspannt trinkt er seinen Espresso in seiner Wiener Wohnung. PRIVAT ... Boris Bukowski Als die Beatles 1969 „When I’m 64“ sangen, waren 64-Jährige für Boris Bukowski alte Säcke. Heute ist er 75 und steht 60 Jahre auf der Bühne. Alter Mann, was gibt’s zum Frühstück? (lacht) Ich werde dir gleich geben, „alter Mann“. Würde ich bei den Rolling Stones mitspielen, wäre ich der Jüngste, mein Lieber. So schaut’s aus! Stimmt, also, was gibt’s zum Frühstück? Espresso muss sein. So richtig frühstücken meine Frau Tereza und ich nur, wenn wir richtig Zeit haben, Die muss es ja im Lockdown jetzt geben? Genau. Dann machen wir uns Mozzarella mit Tomaten, Spiegeleier, manchmal auch eine Eierspeis, Schinkenbrot, Marmelade, Obst. Du hast jetzt zumindest medial ausgiebig den 75er zelebriert, wir gratulieren auch herzlich! Danke, wenn ich zurückdenke, an die Zeit, als ich in Fürstenfeld mit Schiffkowitz ins Gymnasium gegangen bin. Als wir von den Beatles „When I’m 64“ hörten, war dieses biblische Alter Lichtjahre entfernt. Oder die Textzeile der Who in „My Generation“: „I hope I’ll die when I get old“. Heute sind auch wir old. Ich weiß, was du meinst, ich habe diesen Song selbst zigmal gesungen ... ... ja, ich habe dich mit deiner Band Vojo and More noch in der Grünen Spinne gesehen. Kannst du dich an den allerersten Auftritt mit einer Band erinnern, Boris? Es war mit einer Tanzband. Ich spielte als 15-Jähriger Schlagzeug, und wir standen bei einem Ball von acht Uhr abends bis halb sechs Uhr früh auf der Bühne. Was machst du eigentlich im Lockdown, außer Interviews zum 75er geben? Ich habe mein Best-of-Anekdoten-Programm neu zusammengestellt. Ich singe da im Duo alte und neue Songs und erzähle Geschichten. Und ich koche. Meine Exfrau hat mir da ein brasilianisches Rezept hinterlassen. Ganz einfach: eine Lage Zwiebelscheiben, fingerdick Kartoffelscheiben, Tomatenscheiben, Fischfilet, alles in einen Topf voller Öl und am Herd 45 Minuten langsam werden lassen. Kann jeder. Du bist ja auch noch zweifacher Opa ... Meine Tochter Nina hat zwei wilde Jungs. Wenn ich mit dem jüngeren, der ist viereinhalb, sparringboxe, kann es sein, dass es ein blaues Auge oder blaue Flecken gibt. Der ältere, acht Jahre, ist ein wenig ruhiger. Nina wohnt bei Linz und ich muss nicht so oft Opa spielen. Tereza hat den Sohn Leo in die Beziehung mitgebracht. Und im Homeschooling bin ich kein guter Teacher. Wolltest du als Kind Musiker werden? Cowboy oder Zuckerbäcker oder beides. Wo sind die großen Zeiten von Magic hin? Magic war schon eine besondere Bandwelt. Ich habe sehr viel erlebt, blicke gern zurück, liebe aber auch die Gegenwart. Öfter denke ich an die Zeiten, wo wir als Band in München ohne Geld unterwegs waren, es nur ums Spielen ging, wir bei fremden Leuten auf dem Fußboden schliefen. Das war noch Rock ’n’ Roll pur. Deine Musikwelt dreht sich weiter, du hast ja einen Jus-Doktortitel, aber keinen Plan B? Ich denke, darauf werde ich nicht zurückgreifen. Es wird Zeit, wieder auf die Bühne zu gehen. Wenn es die Impfung gibt, bin ich sofort dabei. Nichts ist mir lieber, als endlich wieder auftreten zu können. Ich hoffe auf den Sommer, da sind schon einige Gigs vereinbart. Corona wird schon ziemlich zach. VOJO RADKOVIC Boris Bukowski (bürgerlich Fritz Bukowski), am 5. Februar 1946 in Fürstenfeld geboren, studierte in Graz Rechtswissenschaften und schloss mit Doktorat ab. Er spielte in Bands wie Music Machine, Magic 69, Magic, betrieb mit Andi Beit das Magic-Soundstudio. 14 Alben und Goldene Schallplatten pflastern seinen Karriereweg. Zuletzt die LP „Gibt es ein Leben vor dem Tod“ (2017). Die Film-Doku „Fritze mit der Spritze“ hatte 2017 bei der Diagonale Premiere.

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