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6. September 2020

- Stadt Graz pflanzt jedes Jahr 800 neue Bäume - Überraschender Wirtschaftsbericht: Mehr als 600 neue Unternehmen trotz Corona - Grazer wurde Goldwasch-Weltmeister: Goldrausch direkt an der Mur - Lend und Gries: Neue Wohnstraßen bei Grazer Schulen - Lückenschließung und neuer Radweg in Ries - Eröffnung am 12. September: Erster Blick ins Schlossberg Museum - Sterzbauer hat wieder aufgesperrt

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2 die seite zwei www.grazer.at 6. SEPTEMBER 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Ein Kampf gegen die gute Sache E rst vor einer Woche war ganz Österreich stolz darauf, wie wir Grazer uns nach den Vandalenakten auf die Synagoge und dem Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Elie Rosen verhalten haben. Eine Mahnwache wurde spontan organisiert und überraschend viele Menschen ließen es sich nicht nehmen, öffentlich gegen Antisemitismus aufzustehen. Genau jenem Mann allerdings, dem hier besonderes Lob gebührt, drohen jetzt rechtliche Konsequenzen. Tristan Ammerer, seines Zeichens Bezirksvorsteher von Gries, machte via soziale Medien auf die Mahnwache aufmerksam und wurde dafür vom Wachzimmer Karlauerstraße einerseits nach Paragraf 2 Absatz 1 des Versammlungsgesetzes angezeigt, weiters sei „der Gehsteig zu verkehrsfremden Zwecken verwendet und die Mahnwache nicht bei der zuständigen Behörde angezeigt worden“, weshalb auch noch eine Anzeige nach der Straßenverkehrsordnung hinzukam. Auch wenn die Beamten gegen kein Gesetz verstießen, bewiesen sie in diesem Fall alles andere als Fingerspitzengefühl. Und noch schlimmer: Künftig wird sich wohl jeder zweimal überlegen, ob er sich in einer guten Sache engagieren will, wenn man am Ende doch nur kriminalisiert wird. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Viktor Szilágyi frühstückt in Graz gern Schwarzbrot, auch der steirische Apfel ist dabei, der hier ja Kult ist. Wie Szilágyis Team: Rekordmeister TWH Kiel gilt als „FC Bayern“ des Handballs mit unzähligen Fans, nationalen und internationalen Erfolgen. LUEF ... Viktor Szilágyi Handball-Legende und Geschäftsführer von Kultklub THW Kiel spricht über seine Liebe zu Graz und seinen österreichisch-ungarisch-deutschen Charakter. Sie leben in einer Stadt mit viel Fischerei- Kultur, startet der Tag morgens schon mit einem „frischen Fang“? Eher nicht. Wenn wir mit dem Team unterwegs sind, gibt es meist ein schnelles Frühstück im Hotel, wie Müsli. Daheim ist das Frühstück mit der Familie dafür umso wichtiger und ausgedehnter. Da bin ich schon früh unterwegs, auch weil unser Jüngster dafür sorgt, dass wir bloß nicht verschlafen, und hole frische Brötchen – sorry, Weckerl – vom Bäcker. Mit meiner Frau und den Kindern werden dann weiches Ei, Käse und Marmelade genossen. Und bei den Kleinen lässt sich auch ein gewisser schokoladiger Brotaufstrich nicht vermeiden ... (lacht) Mit dem THW Kiel sind sie wochenends viel unterwegs, welchen Stellenwert bekommt da die Familie? Einen umso höheren! Da gilt der neumodische Begriff der „Quality Time“ besonders. Die gemeinsame Zeit nützen wir dann intensiv. In Kiel geht das sehr einfach, die Lebensqualität ist hoch in der Stadt. Wir machen Radtouren am Meer entlang, die Infrastruktur ist großartig ausgebaut in Norddeutschland. Aber auch in der Stadt selbst sind wir gern unterwegs. Ihre Wurzeln sind ungarisch, Sie sind in Wien aufgewachsen und leben in Kiel: Sind Sie eher der „feurig“ ungarische Typ, der schmähführende Wiener oder der kühle norddeutsche Typ? Ich glaube, ich bin eine Mischung aus allem und trage Teile all dieser Kulturen in mir. Lassen Sie es mich so beschreiben: Meine Kindheit ist ungarisch geprägt, die kulinarischen Vorlieben sind ganz klar österreichisch, und was das Landschaftliche angeht, ist es die ebene Weite Norddeutschlands, die mir ein Wohlgefühl vermittelt. Grundsätzlich prägen ja alle Orte, an denen man im Leben war und ist, einen Menschen. Das macht das Leben spannend und lässt einen charakterlich reifen. Mit Kiel kamen Sie kürzlich zum zweiten Mal auf Trainingslager nach Graz. Die Verbindung zum Team der HSG Graz ist längst eine enge, freundschaftliche, und den THW-Spielern taugt die Stadt. Wie ist Ihre Verbindung zu Graz? Zum einen ist die Bindung durch die angesprochene Kooperation in Sachen Trainingslager besonders, nicht zuletzt aufgrund der großartigen Infrastruktur hier und wegen der kurzen Wege. Persönlich verbindet mich viel mit Graz. Mit Handball-Legende Didi Peissl, ihn hab ich als Kind bewundert, bin ich seit Jahren eng befreundet, im Nationalteam hab ich als Spieler viele Grazer Freunde gewonnen. Graz war schon immer eine Handball-Hochburg. Die Altstadt, die nahen Berge – schön. In Kiel sieht man ja vor allem viel Himmel (lacht). Dabei war Handball in Ihrer Kindheit ja gar nicht primär erträumtes Berufsziel ... Ja, ich wollte Fußball-Tormann beim Hamburger SV werden! Ich bin fußballerisch vorbelastet: Mein Papa ist Ungar und Riesenfan von Ferencváros Budapest. Die fast obligate Corona-Frage zum Schluss. Was lehrt die aktuelle Zeit? Obwohl wir im Profisport massiv in gewohnten Abläufen eingeschränkt werden, lernt man die Bedeutung anderer Sachen wieder neu. Vor allem eines: Rücksicht. Auf einen selbst, auf andere. Und wie schnell all das gefährdet sein kann. PHILIPP BRAUNEGGER Viktor Szilágyi (geb. 16. September 1978, Budapest) ist Geschäftsführer des Handball-Star-Teams THW Kiel. Stationen als Spieler: u. a. St. Pölten, Essen, Gummersbach, Kiel, Flensburg-Handewitt, Bergischer HC; in 201 Länderspielen für Österreich erzielte er 888 Tore. .

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