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5. April 2020

- Lockerung: Handel sperrt als Erstes wieder auf - Neues Sperrmüll-Service in Graz: Container statt Sturzplatz - Informationen zum Coronavirus

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2 graz www.grazer.at 5. APRIL 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Freunderl- Wirtschaft im positivsten Sinn D ie Zeit mit dem Coronavirus treibt seltsame Blüten und bringt fast täglich Überraschendes mit sich. Neben dem überwältigenden Zusammenhalt, einem schon fast verloren geglaubten gesellschaftlichen Solidaritätsbewusstsein und spontan initiierten Hilfsaktionen kam es diese Woche wohl zur größten und verblüffendsten Überraschung von allen. Gerade am heißesten aller Pflaster, dem Wirtschaftssektor, in dem es (so schreiben es die Gesetze des Kapitalismus zumindest vor) ausschließlich um Profitmaximierung geht, haben sich die großen Supermarktketten freiwillig dazu entschlossen, ihr Sortiment im Non-Food-Bereich ab Karsamstag zu beschränken. Ein Akt der Solidarität mit den kleinen Händlern (bei denen wir jetzt eben auch online einkaufen sollten), der vor Corona absolut undenkbar gewesen wäre. Die fünf großen Lebensmittelhändler sollen hiermit auch in allen Ehren namentlich erwähnt werden, es handelt sich um Rewe (u. a. mit Billa und Merkur), Spar, Hofer, Lidl und Metro. Diese Signalwirkung ist neben den immer besser werdenden Statistiken über Neuinfizierungen und Gesundungen wohl der größte Hinweis darauf, dass wir es schaffen werden. Denn wenn selbst hartgesottene Top-Manager über ihre Eigeninteressen hinaus für andere handeln können, dann schaffen wir das bestimmt auch. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT... Ein extra für den „Grazer“ gemachtes Frühstücks-Selfie aus der Corona-bedingten Quarantäne aus seinem Grazer Hauptwohnsitz. Trotz Krise heißt es: Bitte lächeln. STEINBÄCKER ... Musiker Gert Steinbäcker Die Sommerkonzerte sind abgesagt, Home-Studio angesagt. Der Ex- STS-Musiker und Solist Gert Steinbäcker über Alltag mit Corona-Krise. Frühstück in Corona-Tagen, hat sich da was in deinem Verhalten verändert? Ich gehe nur einmal in der Woche einkaufen und achte dabei sehr auf den Abstand zu anderen Menschen. Wichtig für mich ist ein gutes Schwarzbrot, in einem Tongefäß aufbewahrt hält das vier bis fünf Tage. Zum Frühstück mache ich mir dann noch Kaffee, und es gibt meistens noch Eier, Schinken, Wurst etc. Du hast dir auch ein Homeoffice eingerichtet und arbeitest im Home-Studio ... Ich kann jetzt am Schreibtisch viele Dinge erledigen, die schon lange darauf warten, erledigt zu werden. Und vor der Corona-Krise habe ich mir noch eine neue Musikanlage gekauft und kann jetzt endlich meine vielen alten Platten hören. Ich lese viel. Aktuell gerade mein drittes Buch von T.C. Boyle mit dem deutschen Titel „Das Licht“. Hier geht es um amerikanische LSD- Zeiten, wo man noch dachte, durch LSD großartige Bewusstseinsveränderungen erleben zu können. Groß waren sie vermutlich, großartig sicher nicht. Du verfolgst sicher die News und Pressekonferenzen zum Corona-Wahnsinn mit Hamsterkäufen etwa beim Klopapier... Als meine Großmutter mir erzählt hat, dass, wenn in ihrem Geschäft gerade die von ihr gewünschten Dosen endlich vorhanden waren, gleich drei oder vier gekauft hat, weil man nicht wusste, wann es diese Dosen wieder geben wird, dachte ich, das würde ich nie erleben. Jetzt erlebe ich das beim Run auf Klopapier. Macht dir die Krise Angst? Wenn ich die Bilder aus Italien oder Spanien sehe, die Lkw voll mit Särgen, ist das grauenhaft und kann einem schon Angst machen. Sehr entfernte Bekannte von mir sind bereits an Corona verstorben! Die Musikwelt wurde einfach abgeschalten? Wir mussten sechs Konzerte im Sommer absagen. Ich hatte schon vor dem Ausbruch der Krise so ein komisches Gefühl, da wird nix draus. Ein Konzert wäre in Südtirol gewesen, aber wir hatten da noch keinen Vertrag. Schreibst du daheim neue Songs? Laut Vertrag mit Universal sollte ich bis Ende des Jahres vier neue Songs abliefern. Das wird sich wohl verzögern. Ich habe vor der Krise einen neuen Studiotisch gekauft, und da gibt’s bei dem Apple-Programm technisch viel zu studieren. Dein Song „Steiermark“ wurde von der Grazer Polizei als Danke-Song verwendet ... Bei SK-Sturm-Siegen wird der Song gespielt, die Polizei sagt Danke, das berührt mich schon sehr. Mit Lockerungen der Einschränkungen ist frühestens nach Ostern zu rechnen ... Sit and wait ist meine Devise. Natürlich geht mir vieles ab, keine Besuche, keine persönlichen Kontakte mehr, kein abendliches Bier bei meinen Wirten ... Und mit Griechenland wird auch nichts? Nein, ich dürfte nicht mal auf die Insel, da ich dort keinen Hauptwohnsitz habe. Ich habe aber viele Freunde dort, die berichten mir alles. Was wird die nahe Zukunft bringen? Ich bin gegen Verschwörungstheorien, jeder muss sich selbst schützen, und zur Lage kann ich abschließend nur sagen: Es ist, wie es ist! VOJO RADKOVIC Gert Steinbäcker, am 27. 11. 1952 in Graz geboren, ging in BEA Liebenau in die Schule, spielte in jungen Jahren in Rockbands wie Mephisto und Mashuun, stieg dann bei der EAV ein, um 1978 mit seinen Freunden Helmut Röhrling alias Schiffkowitz und Günter Timischl STS zu gründen. STS endete abrupt, und Steinbäcker ist jetzt als Solist mit eigener Band auch sehr erfolgreich.

2021