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5. April 2020

- Lockerung: Handel sperrt als Erstes wieder auf - Neues Sperrmüll-Service in Graz: Container statt Sturzplatz - Informationen zum Coronavirus

16 graz www.grazer.at

16 graz www.grazer.at 5. APRIL 2020 Prävention als Waffe gegen nächste Krise! Steirische Weingüter präsentieren ihren Jahrgang online.FLORA P. PHOTOGRAPHY Neuer Jahrgang online präsentiert ■■ Geerntet wurde 2019 ein klassisch steirischer Jahrgang mit frischer Säure und moderatem Alkoholgehalt. Die Präsentationen des steirischen Weines mussten aufgrund von COVID-19 abgesagt werden. Heimische Weine aus dem steirischen DAC-System sind auch in diesem Jahr in ausgezeichneter Qualität erhältlich. Nach dem Motto „regional einkaufen“ finden Interessierte auf www.steiermark.wine/news jene Weinbaubetriebe, bei denen steirische Weine online bestellt werden können. Das waren noch Zeiten, als viele Menschen den Zirkus stürmten. KK Zirkus Knie live auf Facebook ■■ Morgen, Montag, um 18 Uhr sendet der Zirkus Louis Knie, der in den Corona-Tagen in Graz-Straßgang gestrandet ist, erstmals in seiner Geschichte die Highlights des Programms 2020 live auf Facebook. Die Vorbereitungen für diese Übertragung laufen heute noch in Seiersberg, wo der Zirkus weiterhin samt vielen Mitarbeitern und Tieren stationiert ist. Die gesamte Tournee 2020 wurde abrupt gestoppt, klagt Zirkusdirektor Louis Knie. Auch das Grazer Gastpiel musste auf unbestimmte Zeit verlegt werden. VERWUNDBAR. Weitere Krisenszenarien werden kommen, sagt der Grazer Katastrophenforscher Gerhard Grossmann im Exklusivinterview. Er hofft, dass wir nach Corona bescheidener werden. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at Gerhard Grossmann ist Professor an der Universität Graz und Leiter der Abteilung Wissenschaft und Forschung des Arbeiter-Samariter-Bundes, Schwerpunkt Notfall- und Katastrophenforschung. Wir führten mit dem Grazer Wissenschaftler ein exklusives Interview zur Corona-Krise. Hier ein Auszug. „der Grazer“: Die Universitäten sind geschlossen, arbeiten Sie auch auf Homeoffice-Basis? Grossmann: „Ja, ich arbeite im Homeoffice, und in meiner Disziplin der Krisen- und Katastrophenforschung tut sich derzeit extrem viel. Unter anderem führe ich aktuell eine empirische Untersuchung gemeinsam mit dem Direktor der Notaufnahme des Klinikums in Bozen, Primarius Pfeifer, durch, um die Besonderheiten der Vorkommnisse in Italien einer genauen Analyse zu unterziehen.“ „der Grazer“: Wie empfinden Sie die Kommunikation der Regierung? Grossmann: „Krisenkommunikation ist das zentrale Element zur persönlichen Lagebilderstellung und kann, wenn sie glaubhaft stattfindet, verhindern, dass subjektive Fantasiegebilde eine völlig falsche Realität erzeugen. Man muss der Bundesregierung ein Kompliment aussprechen, die Informationen sind erstens recht klar formuliert und zweitens wird die aktuelle Lage weder beschönigt noch dramatisiert.“ „der Grazer“: Wie lang können die Österreicher solche Maßnahmen durchstehen? Grossmann: „Die Besonderheit der Corona-Krise liegt u.a. darin, dass die unsichtbare Gefahr faktisch jeden treffen kann. Dies führt dazu, dass sogenannte Risikoumlenkungen (mir passiert schon nichts, die anderen sind gefährdeter) wesentlich gemäßigter ausfallen, als dies bei anderen Krisenszenarien oft der Fall ist. Wie lange man bereit ist, Komforteinschränkungen zu akzeptieren, hängt von einem recht komplexen Faktorenmix ab, beispielsweise wird die persönliche Risikoeinschätzung stark von der eigenen Betroffenheit (Erkrankungen im persönlichen Umfeld), von der Aussicht auf wirksame Medikamente oder Impfungen oder auch durch den Gewöhnungseffekt geprägt. Dass eine nachhaltige Veränderung unserer Verhaltensweisen zu erwarten ist, scheint eher unwahrscheinlich, weil einerseits das Katastrophengedächtnis der Öffentlichkeit relativ kurz ist und weil andererseits, sobald ein Mittel gegen die Bedrohung bereitsteht, unser Verhalten wieder risikofreudiger wird.“ KK „der Grazer“: Haben Sie sich eine derart Leben und Wirtschaft zerstörende Katastrophe vorstellen können? Grossmann: „Wir haben sehr oft viele Katastrophenszenarien simuliert, natürlich auch Pandemien, und sind immer wieder zum gleichen Ergebnis gekommen: Die wirksamste Intervention ist die Prävention, dazu gehören u. a. Vorhalten von Geräten und Instrumenten etc. Durchspielen der Ablaufszenarien und ein dauerhaftes Monitoring bestimmter Ereignisse, national und international.“ „der Grazer“: Gibt es noch andere Bedrohungsszenarien neben der Pandemie, auf die sich Österreich vorbereiten sollte? Grossmann: „Natürlich gibt es weitere Krisenszenarien, und je komplexer und ausdifferenzierter die Gesellschaft ist, desto verwundbarer ist sie. Ein Ausweg wäre das Aufrechterhalten von Kleinstrukturen (regionale Landwirtschaft und Energieerzeugung) etc. Und ein ganz wichtiger Punkt wäre: Wir sollten lernend aus der Krise herausgehen und vielleicht ein wenig bescheidener und umsichtiger werden.“

2021