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4. August 2019

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- Film ab! Das Grazer Autokino ist eröffnet - Bauernmarkt-Umbau: So wird der Kaiser-Josef-Platz wieder kaiserlich - Parker ärgert‘s, aber: Schöckl freut sich über Besucherplus von 34 Prozent - Graz-Umgebung setzt auf Bienenschutz - Rasengittersteine: Grazer Parkplätze werden jetzt entsiegelt

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2 die seite zwei www.grazer.at 4. AUGUST 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Die „gute alte Zeit“ hat es nie gegeben D as „Grazer“-Autokino ist eine alte Idee, aber in neuem Gewand und auf gar keinen Fall reine Nostalgie. Denn mit der Nostalgie ist es ja so eine Sache. Grundsätzlich plagt den Menschen – vor allem in Zeiten der Überforderung – regelmäßig eine diffuse Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“, in der alles einfacher, langsamer, sicherer und überhaupt unschuldig und besser war. Als man noch gewusst hat, was richtig und was falsch war (wenn nicht, dann wurde es einem halt so lange gesagt, bis man es auch wusste ...), es zu Weihnachten immer geschneit hat und überhaupt das Gute immer gegen das Böse gesiegt hat. Nur dass es diese gute alte Zeit selbstverständlich nie gegeben hat. Ganz im Gegenteil. Umso gefährlicher ist es, dieser Illusion aufzusitzen und rückwärtsgewandt eine abstruse bessere Welt zu beschwören. Die Uhren ticken immer vorwärts und genau in diese Richtung müssen wir auch schauen. Deshalb ist auch unser Autokino kein aufgewärmtes Relikt aus der Vergangenheit, sondern eine moderne und hierzulande einzigartige Veranstaltung. Und genau deshalb ist sie so beliebt, und sollte dem einen oder anderen trotzdem ein nostalgisches Gefühl „auskommen“, dann sei es ihm von Herzen gegönnt. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... „Alt-Punk“ Franz Morak Warum der ehemalige Burg-Mime, Staatssekretär für Kunst und Medien den „New-Wave-Schizo-Punk“ mit 70 aufleben lässt und auf die Bühnen zurückkehrt. Starten wir mit der Frühstücksfrage. Entspannt, daheim, wie sieht das aus? Ich bin Teetrinker, ich schätze frischen Fruchtsaft und ein Joghurt mit Früchten. Wie wichtig ist Ihnen das Frühstück? Sehr, weil ich es mache und vorbereite. Da schläft meine Frau meistens noch. Sie übernimmt dann für den Rest des Tages und sie kocht leidenschaftlich gerne und gut. Ich arbeite da meist im Garten. Ihr Leben gleicht einer Achterbahn. Von Schizo-Punk über Morak ’n’ Roll, Burg-Mime, Politiker und jetzt „Alt-Punk-’n’-Roll“? Alt stimmt, Punk findet sich in meiner jetzt veröffentlichten Werkschau in Form einer gelben Box mit all meinen CDs inklusive der neuen „Leben frisst rohes Fleisch“, übrigens die persönlichste Platte, die ich je gemacht habe. Die Songs sind Zustandsbeschreibungen, im Unterschied zu den ersten Platten ist es Musik für ein erwachsenes Publikum. Sie kehren zurück auf die Rock-Bühne. Ich mache ein Konzert in meiner Heimatstadt Graz am 20. September im Dom im Berg. Was wird es da zu hören geben? Das Beste aus der Werkschau-Box. Mein alter Freund Christian Kolonovits hat sich da eingebracht. In der Live-Band werden neben dem Mitstreiter Mischa Krausz vor allem hervorragende junge Musiker spielen. Ein Drittel der Show ist Wortanteil mit leichtem Comedian-Touch. Es geht um Liebe, Gier und Hass. Apropos Wortanteil. Ein wesentlicher Teil Ihrer Vita ist auch die Theaterbühne? Ich war über ein Jahrzehnt lang leidenschaftlicher Nestroy-Darsteller, Ensemblemitglied der Burg, spielte großartige Rollen etwa mit Dolores Schmidinger in Peter Turrinis „Rozznjogd“ im Volkstheater und wurde für meine Regie von Felix Mitterers „Sibirien“ Franz Morak, Tee und Joghurt. Er ist live am 20. September im Dom im Berg. LUEF-LIGHT mit dem Europäischen Kunstpreis ausgezeichnet. Dann kam die Musik und schließlich der Ausflug in die Politik, der viele verstörte ... Es war Erhard Busek, der mich in die Politik holte, und die Koalitionspartner Wolfgang Schüssel und Jörg Haider ließen mich als Quereinsteiger machen, vertrauten mir. Ich konnte viel im Bereich Kultur und Medien erreichen und hatte ausgezeichnete Mitarbeiter. 2008 war die politische Reise beendet. Keine Musik, keine Politik, kein Theater, war da nicht plötzlich eine Leere? Wenn du Politiker bist, bekommst du am Tag 1000 Anrufe. Kannst du etwas entscheiden, sind es 2000 Anrufe. Hörst du auf, bist du draußen und es kommt kein einziger Anruf mehr. Da ist dann die Familie, die bleibt. Mit Graz sind Sie noch sehr verbunden? Ich bin hier aufgewachsen, ging ins Carneri-Gymnasium und mit 22 nach Wien. Ich habe in Graz auch Schauspiel und Regie studiert. Handke, Bauer, Forum Stadtpark, Hanns Koren, die Stadt hat mich, was Kultur betrifft, sehr geprägt. Sind Ihre zwei Söhne auch auf der Bühne? Nur einer ist Leadsänger in der Band PBH Club. Welche Musik hören Sie privat gerne? Chuck Berry, Dean Martin, aber auch gerne Bach. Wie halten Sie sich eigentlich fit? Sporadisch bin ich im Fitnesscenter, sonst Northern Walking – und Arbeiten im Garten. VOJO RADKOVIC Franz Morak, am 25. Mai 1946 in Graz geboren, ist Schauspieler, Regisseur, Sänger, Politiker. Von 1974 bis 1996 an der Burg aktiv. Erstes Album „Morak“ 1980. Danach vier weitere Alben, aktuell „Leben frisst rohes Fleisch“ (2018). 2000–2007 Staatssekretär für Kultur. Etliche Auszeichnungen pflastern seinen Karriereweg.

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