7 TAGE SONNTAG

Aufrufe
vor 6 Monaten

4. April 2021

  • Text
  • Talk
  • App
  • Schuetzenhoefer
  • Oekostrom
  • Steiermark
  • Gemeinde
  • Kinder
  • Ostern
  • Menschen
  • Stadt
  • Grazer
  • Graz
- Kirchen und Denkmäler leuchten durch Ökostrom - Osterfrühstück mit Bischof Krautwaschl - Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer im Interview - Traditionsunternehmen Kepka verlässt Graz nach 111 Jahren - "der Grazer"-Epaper: 2 Monate Tageszeitung

6 graz www.grazer.at

6 graz www.grazer.at 4. APRIL 2021 K O M M E N T A R von Vojo Radkovic ✏ vojo.radkovic@grazer.at Den Strom holt sich Graz aus dem Wasser J eder, der sich für die Natur und den Klimaschutz einsetzt, müsste eine Freude haben mit den Bemühungen der Stadt Graz, sich den benötigten Strom aus dem Wasser zu holen. Natürlich muss das Wasser erst aufbereitet werden, dafür sorgen Wasserkraftwerke. Aber wer Strom aus Wasserkraft benützt, bekommt diesen emissionsfrei geliefert. Graz macht das konsequent seit einigen Jahren. Erst wurden die Gebäude der Stadt Graz mit Ökostrom versorgt, dann die stadtnahen Betriebe wie die Holding Graz oder der Ankünder und schließlich haben CO2-freie LED-Lampen die Beleuchtung von besonderen Objekten übernommen. Auffallend ist hier der Uhrturm am Schlossberg, der angeblich in 2760 Farben beleuchtet werden kann. Ob der für die Beleuchtung zuständige Grazer Bürgermeister alle Farben kennt? Wohl kaum. Grün scheint aber eine Lieblingsfarbe des Bürgermeisters zu sein, er lässt keine Gelegenheit aus, um zu zeigen, wie sehr die Stadt naturverbunden agiert. Die emissionsfreie Stromversorgung ist ja auch eine Bestätigung des Murkraftwerkes. Die Gegner sehen das sicher anders. Wasserkraftwerke haben etliche Nachteile, etwa die Veränderung von Flora und Fauna. Daher: Keine Wasserkraft um jeden Preis. Aber eine emissionsfreie Stadt ist doch ein hehres Ziel. „Ohne Widerspruch ist man ein armer Hund“ IM GESPRÄCH. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer über fehlenden Widerspruch, AstraZeneca und seine neue Rolle im virologischen Quintett. Von Tobit Schweighofer tobit.schweighofer@grazer.at In Ihrer Funktion als Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz haben Sie das österreichische virologische Quartett in den letzten Wochen sozusagen zum Quintett erweitert. Wie geht es Ihnen denn mit diesem Popularitätsschub? Schützenhöfer: Das ist für mich natürlich auch etwas Neues, im Bundeskanzleramt bei Pressekonferenzen dabei zu sein. Mein Sohnemann hat mir nach dem ersten Auftritt eine SMS geschrieben mit dem Wortlaut: „Passt super, aber viel zu lang“, und beim zweiten Mal: „Das war wieder fast zu kurz.“ Ich habe meine Ansprachen also reduziert auf „In der Kürze liegt die Würze“ und versuche mitzuteilen, was die Länder und speziell die Steiermark zu sagen haben. Aber insgesamt ist das für mich jetzt keine große Herausforderung, weil ich da ja nicht die Hauptrolle spiele. Der zusätzliche Aufwand ist wahrscheinlich trotzdem groß? Schützenhöfer: Ja, das schon, weil man vorher stundenlang verhandelt und in Besprechungen sitzt. Kurz vor der Pressekonferenz tausche ich mich meistens noch mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und dem Vizerektor der Med- Uni Wien Oswald Wagner aus, was ich als durchaus angenehm empfinde. Hat sich der Kontakt nach Wien dadurch verstärkt? Schützenhöfer: Das schon, weil wir uns ja alle 14 Tage treffen. Das war nicht immer so. Ich kann LUEF mich erinnern, vor viereinhalb Jahren, als ich zum ersten Mal den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz übernommen habe, wollte ich den damaligen Bundeskanzler Christian Kern und den Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zum Gedankenaustausch einladen. Ich hab meine Amtskollegen in den anderen Bundesländern über mein Vorhaben informiert, und dann konnten die nicht eruieren, wann zum letzten Mal ein Bundeskanzler bei einer regulären LH-Konferenz war, und sind dann draufgekommen, dass das mehr als 20 Jahre her war. Der Kontakt ist jetzt natürlich viel enger geworden. In letzter Zeit haben Sie – untypisch für einen führenden Politiker – immer wieder öffentlich zum Widerspruch aufgerufen. Sind Ih- derGrazer IMPRESSUM: „der Grazer“ – Unabhängige Wochenzeitung für Graz und Umgebung | Erscheinungsort: Graz | HERAUSGEBER & MEDIENINHABER: Media 21 GmbH, Gadollaplatz 1, 8010 Graz; Tel. 0 316/23 21 10 | GESCHÄFTSFÜHRUNG/REDAKTION: Gerhard Goldbrich | ASSIS TENZ: Jasmin Strobl (0664/80 666 6695) | CHEFREDAKTION/PROKURA: Tobit Schweighofer (DW 2618) | REDAKTION: Verena Leitold (Leitung E-Paper & Online, 0664/80 666 6691), Vojo Radkovic (0664/80 666 6694), Valentina Gartner (0664/80 666 6890), Fabian Kleindienst (0664/80 666 6538), Julian Bernögger (0664/80 666 6690), Nina Wiesmüller (0664/80 666 6918), Birgit Schweiger (Lektorat, 0650/2540976), Redaktion -Fax-DW 2641, redaktion@grazer.at | ANZEIGENAN- NAHME: Fax 0 316/23 21 10 DW 2627, verkauf@grazer.at | VERKAUF: Michael Midzan (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6891), Selina Gartner (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6848), Robert Heschl (0664/80 666 6897), Mag. Eva Semmler (0664/80 666 6895) | OFFICE MANAGEMENT: Pia Ebert (0664/80 666 6490) | PRODUKTION: Burkhard Leitner | HERSTELLUNG: Druckerei Carinthia, St. Veit/Glan | VERTEILUNG: redmail Logistik und Zustellservice GmbH (05/1795-0) | VERBREITETE AUFLAGE: 175.928 (Der Grazer, wö, ÖAK 2.HJ 2020). | OFFENLEGUNG: Die Informationen gemäß § 25 MedienG können unter www.grazer.at/gz/offenlegung-impressum abgerufen werden.

4. APRIL 2021 www.grazer.at graz 7 nen die Menschen heute zu stromlinienförmig? Schützenhöfer: Na ja, sagen wir einmal so: Wie ich vor mehr als 50 Jahren in der Jungen ÖVP angefangen habe, da waren wir unbekümmerter, haben die Auseinandersetzung mit der Partei gesucht und waren sozusagen der Stachel im Fleisch. Damals hat es praktisch die ÖVP, die SPÖ gegeben und zwei Abgeordnete der FPÖ, das war’s. Genau das ist aber die Schwierigkeit der heutigen Jugendorganisationen. Weil mit den Neos und den Grünen gibt es ja heute schon Oppositionsparteien im Landtag, die kannst du als Jugendorganisation nicht überholen. Wird Ihnen oft widersprochen? Schützenhöfer: Viel zu selten! In der Funktion, in der ich jetzt bin, muss man aufpassen, dass die Leute nicht schon beim Hereinkommen den Staub am Boden aufwischen vor lauter Huldigungen. Ab einem gewissen Dienstjubiläum, vor allem wenn du Wahlen gewonnen hast, sagt dir plötzlich niemand mehr, dass du vielleicht im Unrecht bist oder etwas falsch siehst. Und das ist schlecht. Es reduziert sich der Widerspruch, und in einer führenden Funktion muss man schauen, dass man diesen fördert, sonst ist man auf Steirisch gesagt ein armer Hund. Ab einem gewissen Dienstjubiläum, vor allem wenn du Wahlen gewonnen hast, sagt dir plötzlich niemand mehr, dass du vielleicht im Unrecht bist.“ Sie widersprechen ja selber auch in die andere Richtung ganz gerne, wie zum Beispiel kürzlich mit der Forderung nach einer Öffnung in der Kultur. Wie ist denn da der Stand der Dinge? Schützenhöfer: Es ist da noch kein Umdenkprozess eingetreten. Da gibt es einfach eine satte Mehrheit, die das anders sieht. Ich war im Vorjahr im Opernhaus, da hat es die Einbahnstraße gegeben, nur 50 Prozent der Plätze waren belegt, das Buffet war gesperrt. Wie soll man denn da wen anstecken? Außer wenn’s mit dem Teufel zugeht, aber wenn’s mit dem Teufel zugeht, dann gilt eh gar nichts. Auch für den Sport hab ich eine Öffnung angeregt, und Vizekanzler Werner Kogler hat eh auch darum gekämpft, aber das scheitert an der Zufahrt, bei der es sich nicht vermeiden lässt, dass die Menschen dicht nebeneinander stehen. Natürlich sehnen wir uns alle danach, wieder ins Stadion oder ins Theater zu gehen. Da hoffe ich sehr auf breitgefächerte Impfungen. Beim Impfthema gibt es bei vielen Menschen Unsicherheiten und Skepsis. Würden Sie sich mit Astra­ Zeneca impfen lassen? Schützenhöfer: Selbstverständlich! Als AstraZeneca vor drei Wochen so umstritten war und manche Länder die Impfungen ausgesetzt haben, habe ich mich bei der nationalen Impfkommission informiert. Dort wurde mir gesagt, ich solle auf jeden Fall in der Steiermark mit AstraZeneca impfen lassen. Auf meine Frage, ob ich dafür die offizielle Empfehlung der Kommission habe, hieß es aber: „Es ist zwar bestimmt unbedenklich, aber das geht leider nicht, weil wir noch zu wenig Informationen haben.“ Am gleichen Abend gab es aber die Entscheidung in Deutschland, mit AstraZeneca zu impfen, und am nächsten Tag hat auch unsere Kommission den Impfstoff freigegeben. Also: Wenn die Ärzte diese Impfung empfehlen, dann glaub ich ihnen. Als Landeshauptmann stelle ich mich in dieser Frage ja nicht über die Ärzte. Sobald ich meinen Termin erhalte, werde ich mich bei meiner Hausärztin impfen lassen, welchen Impfstoff sie mir auch immer geben. Möchten Sie abschließend noch sozusagen eine Osterbotschaft an unsere Leser richten? Schützenhöfer: Durchhalten! Wenn es wirklich möglich ist, bis Ende Mai alle über 55-Jährigen durchzuimpfen, haben wir die Epidemie, so sagen die Ärzte, im Großen und Ganzen überwunden und können großflächig öffnen. Wir können trotz allem glücklich sein, dass es uns gut geht. Aber es war eine harte Phase, und das dauert halt noch acht oder zehn Wochen, und dann werden wir wieder zusammensitzen können.

2021