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31. Oktober 2021

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- Kabarett um das Grazer Budget - Graz ist nicht mehr Feinstaub-Hauptstadt - Kaiser-Josef-Platz soll plastikfrei werden - All-Gender-Toiletten an der TU Graz - Künstler Tom Lohner erobert New York und Dubai

22 eco graz

22 eco graz www.grazer.at 31. OKTOBER 2021 Entgegen unseren Erwartungen lässt sich ein Rückgang der finanziellen Betroffenheit durch die Corona-Krise feststellen.“ 20 Fabian fabian.kleindienst@grazer.at Kleindienst Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse, hatte zum Weltspartag Erfreuliches zu berichten. Frutura-Chef über nachhaltige Lebensmittelproduktion: „Das ist ein beinharter Weg, aber er ist gehbar“ Manfred Hohensinner, Frutura- Gründer und Geschäftsführer, im Interview PSEINER INTERVIEW. Frutura-Chef Manfred Hohensinner über nachhaltige Lebensmittelproduktion, die Wichtigkeit von Innovationen in der Landwirtschaft und die Notwendigkeit eines Wandels der Gesellschaft. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Herr Hohensinner, Ihr Unternehmen Frutura ist Österreichs größter Obst- und Gemüseproduzent. Dabei setzen Sie besonders auf Nachhaltigkeit und Innovation. Wie das? Manfred Hohensinner: Mich hat immer das Wissen angetrieben, wie verletzbar der Lebensmittelbereich ist. Das hat man besonders zu Corona-Zeiten gesehen. Dabei war mir klar, dass es technologisch möglich ist, auch bei uns im Winter Gemüse zu produzieren – in ganz Europa erfolgt die Fruchtgemüseproduktion in Gewächshäusern, 99 Prozent davon werden mit fossilen Energieträgern beheizt. Und ich bin ein einfach denkender Mensch und hab mir gedacht: Wir leben in einer Thermenregion, wieso nicht das heiße Wasser nutzen? Jetzt setzen Sie auf Geothermie. Wie wichtig sind Innovationen im landwirtschaftlichen Bereich? Hohensinner: Essenziell. Was viele nicht kapieren, ist: Landwirtschaftliche Produktion ist in Zukunft, wenn man weitgehend auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten will, nur in Kombination mit Hightech möglich. Wir haben einen extremen Klimawandel, Umweltkatastrophen – das heißt, ich muss andere Wege gehen. Wo gibt es da Potenzial? Hohensinner: Eine der größten Zukunftsvisionen liegt in der CO2- Speicherung durch Humus-Aufbau – weltweit. Wir haben in Österreich aktuell einen Humusanteil von etwa zwei Prozent in unseren Böden, ideal wären sechs. Durch intensive Landwirtschaft haben wir das hinuntergewirtschaftet. Wenn wir den Anteil aber nur auf 2,2 Prozent heben können, würden wir schon 70 Prozent der Emissionen, die in Österreich durch Mobilität verursacht werden, in unseren Böden speichern. Das ist Wahnsinn. Wenn ich die Lebensmittelproduktion durch Hightech kon- zentriere, kann ich der Gesellschaft Flächen zurückgeben und schaffe Lebensraum. Sie sprechen die Gesellschaft an. Muss sich da was ändern? Hohensinner: Es ist wichtig, das zu produzieren, was sich die Gesellschaft wünscht. Wir sehen ja den Aktionswahnsinn, man unterbietet sich mit Preisen, während wir viel zu viel produzieren. Der Wandel muss aber auch von der Gesellschaft kommen. Aktuell kaufen die Menschen viel zu viel, ein Großteil der Lebensmittel wird in den Haushalten weggeworfen. Das heißt: Man zahlt den billigen Preis oft nur für 50 Prozent, den Rest wirft man weg. Wenn ich aber von Haus aus nur die Hälfte an wirklich geschmackvollen Lebensmitteln produziere – und die dann verwendet werden, dann zahlt man eigentlich nicht mehr, aber man belastet die Umwelt weniger. Mit dem „Bio-Bienen-Apfel“ haben Sie ein Gesellschaftsprojekt gestartet. Hohensinner: Genau, da ging es eben darum, die Gesellschaft ins Tun zu bringen. Da ist die Biene ideal; dass die wichtig ist, versteht jeder. Dann hab ich ein Produkt gebraucht, auf das man die Botschaft draufhängen kann: den Bioapfel. Gerade im urbanen Raum geht es darum, dass kleine Flächen dazu verwendet werden, Blumen zu pflanzen und Lebensraum zu schaffen. Und das Wichtigste: Die Kinder sehen das und lernen. Eine halbe Million Samen für Bienenwiesen wurden schon bei uns abgerufen, wir haben über 400 Hektar neuen Lebensraum geschaffen. Wie überlebt man eigentlich als nachhaltiges Unternehmen? Hohensinner: Es ist eine Herausforderung – durch Standards, durch faire Entlohnung hat man ganz andere Aufwendungen. Wichtig ist, dass man das als Unternehmer in Projekte gießt, die Mitarbeiter mitnimmt und kein Greenwashing betreibt. Das ist ein beinharter Weg – aber er ist gehbar.

31. OKTOBER 2021 www.grazer.at graz eco 23 21 ➜ TEURER GETTY (2), C. STROBL Restaurants +3,4 % Abends mal auszugehen und zu speisen wurde im Schnitt im Vergleich zum Vormonat teurer. Milch –2,0 % Für so manchen Genießer gibt es gute Neuigkeiten: Vor einem Monat war Milch noch etwas teurer. BILLIGER ➜ W I R T S C H A F T EcoNews fabian.kleindienst@grazer.at Über 200 Radler lie- fern täglich Essen via Velofood aus. VELOFOOD Velofood wird heute 5 ■ Der radelnde Grazer Lieferservice Velofood feiert genau heute seinen fünften Geburtstag. In dieser Zeit ist das Unternehmen von einem kleinen Start-up zu einem der wichtigsten nachhaltigen Betriebe in Graz gewachsen. Der grüne Lieferdienst arbeitet inzwischen mit rund 200 Boten zusammen und hat 95 Partnerrestaurants – zu Beginn waren es neun. Velofood setzt aber nicht nur beim Ausliefern auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit und ein gutes Gewissen: Sämtliche Partnerrestaurants verwenden biologisch abbaubare Verpackungen. Darüber hinaus spendet das Unternehmen einen großen Teil seines Gewinns. Seit Beginn sind so über 100.000 Euro zusammengekommen. Bei jeder Bestellung kann man um zwei Euro einen Baum pflanzen lassen – über 10.000 wurden bereits gesetzt. Bildungsprojekt ■ Das neue Bildungsprojekt „EmpowerMint“ der Caritas Steiermark widmet sich Frauen ab 15 Jahren, die sich für eine Weiterbildung im technischen Bereich interessieren. Bildungsbegleiter stehen den Teilnehmerinnen zur Seite. CARITAS Viktor Hacker vom Institut für Chemische Verfahrenstechnik TU GRAZ/FRANKL Gülle zu Wasserstoff ■ Die TU Graz und das Start-up Rouge H2 Engineering erzeugen weltweit erstmalig hochreinen Wasserstoff aus Biogas direkt bei einer Biogasanlage mit einem neuen Chemical-Looping-Prozess. Die Technologie ist reif für den kommerziellen Einsatz, mit dem Verfahren soll Wasserstoff auch an Tankstellen billiger werden.

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