7 TAGE SONNTAG

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3. Mai 2020

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- Nach dem Kaiser-Josef-Platz 2019: Jetzt drohen am Lendplatz monatelange Gastroschließungen - Altes Winzerhaus in der Grabenstraße vor der Rettung - Margarete-Hoffer-Platz: Neuer Park im Lendviertel ist so gut wie fertig - Molly Malone wird nach dem Lockdown neu eröffnet - Erster Ansturm auf die Beauty-Branche

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2 graz www.grazer.at 3. MAI 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Jetzt ist alles wieder normal! ... Nicht. E ndlich ist es also so weit: Die Ausgangsbeschränkungen sind aufgehoben. Die Sehnsucht nach „Normalität“ (wenn auch nur nach der neuen) ist riesig. Dies beweist ein Blick auf die Wartelisten von Friseuren, Beautysalons und Kosmetikstudios. Diese waren innerhalb weniger Stunden auf Wochen hin ausgebucht (siehe Geschichte auf Seite 20). Auch die Gaststätten bereiten sich vor, am 15. Mai dürfen auch sie wieder zur eingeschränkten Normalität zurück- und die Gäste bei den Wirten einkehren. Wir sind also wieder da, es kann sich nur noch um Wochen handeln, bis alles ist wie vorher. Eine Überlegung, die sich aufdrängt, die aber leider nur ein Wunschgedanke ist. Bei aller Euphorie muss man sich stets daran erinnern, was gerade wirklich passiert. Auch wenn es niemand mehr hören kann und will: Wir stecken immer noch in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis jetzt hat die Regierung die Verantwortung dafür übernommen, wie wir mit dem Virus umgehen. Jetzt sind wir selbst an der Reihe, und wir haben ohne Frage alle Karten dafür in der Hand, die Sache gegen die Wand zu fahren. Nun zeigt es sich, ob wir unsere neue Freiheit maßvoll und mit Vernunft antreten können und die Rückkehr in das gesellschaftliche Leben wirklich schon verdient haben. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Im Gegensatz zum Alltag im Büro hat Karl-Heinz Snobe beim Frühstückrichten wenig „Schöpf“: ein, zwei Kaffee reichen für den Start in den Tag. SNOBE ...Karl-Heinz Snobe Als AMS-Landesgeschäftsführer hat er aktuell jede Menge Arbeit. Hier spricht er über den Sinn von Arbeit, die Krise – und den Traum vom Holzhaus. Wie viel Arbeit macht das Frühstück? Keine, weil ich mit einem und dann einem zweiten Kaffee restlos zufrieden bin. Den gibt’s sonntags erst später, weil ich da ausschlafe. Dazu gilt es viele Zeitungen nachzulesen. Gegessen wird erst um 13 Uhr, wenn unser erwachsener Sohn zum Mittagessen kommt. Heute kommt er wieder vorbei, bis jetzt hat er sich genau an die Corona-bedingten Besuchsverordnungen gehalten. Der Sonntag ist generell arbeitsfrei? Ja. Da hat die Entspannung Vorrang. Wir machen am liebsten lange Spaziergänge in der Kehlberg- Gegend, wo ich wohne. Ein freier Tag wie heute war zuletzt selten, richtig? Im Büro war ob der durch Corona verursachten Arbeitsmarkt-Erschütterungen jede Menge zu tun. Richtige Wochenenden gab es quasi nicht. Die Zahlen verdeutlichen die Menge an Anträgen, die mein Team forderte: Seit 16. März wurden im Bundesland 13.500 Anträge auf Kurzarbeit für 180.000 Arbeitskräfte erledigt, und von den momentan 64.000 Arbeitslosen in der Steiermark verloren 30.000 durch Corona ihre Arbeit. Dramatisch. Wie schlimm wird das erst 2021 werden? Niemand hat eine Glaskugel. Alles steigt und fällt mit dem Wieder-Hochfahren der Wirtschaft bzw. des Landes. Wir haben keine Vergleichswerte, eine solche – globale – Krise gab es ja noch nie. Wie greift Corona in Ihr Leben sonst ein? Vor allem in der Freizeit. Ich musste Urlaubsreisen stornieren, etwa die Wohnmobil-Touren, die ich mit meiner Frau gern mache und die uns schon nach Südfrankreich oder Irland führten. Und da ich auch oft mit Freunden ein paar Tage mit dem Motorrad durchs Land fahre, vermisse ich auch das. Die Grenzen sind zu, wer weiß, wie lang. Sie sind Kärntner. Die Grenze zum Steirer- Sein haben Sie bereits überschritten? Absolut! Ich kam ja früh zum Studieren nach Graz und komme nur mehr für Verwandtenbesuche ins Lavanttal. Ich stamme aus St. Andrä. Was ist dennoch kärntnerisch geblieben? Die Liebe zum Eishockey. Früher organisierte ich als Bursch Fanfahrten zu KAC-Spielen. Aber auch da bin ich inzwischen integriert – und 99ers-Fan! Nur bei den Derbys wird die Sympathie zu beiden oft zum Hindernis. Zurück zum Thema Arbeit. Was wollten Sie denn als Kind eigentlich werden? Bis zum Gymnasium war es mein Traum, Zug- Schaffner zu werden. Die angesprochene Liebe zum Reisen war eben schon damals sehr stark. Die Eltern wollten aber, dass der Bub studiert. Aber ich hatte auch einen zweiten Traum: Mein Vater war erfolgreicher Handwerker, und mich hat das immer fasziniert. Die Bohrmaschine, die er mir bei meinem Auszug nach Graz schenkte, hab ich heute noch. Mein Traum ist es, nach der Berufslaufbahn mit eigenen Händen ein kleines, feines Holzhaus zu bauen. Also Arbeit als Erfüllung. Ist Arbeit genau das, Erfüllung, Verwirklichung? Arbeit muss Sinn haben und Sinn geben. Arbeit ist aber oft sehr hart, reiner Broterwerb, um zu überleben. In meinem Fall ist Arbeit auf jeden Fall erfüllend. Ich möchte Menschen helfen, gerade ein Krisen. Corona hat mir das einmal mehr bewiesen. PHILIPP BRAUNEGGER Karl-Heinz Snobe (geb. am 19. Jänner 1964 im kärntnerischen St. Andrä) ist Landesgeschäftsführer des AMS Steiermark. Sein Pädagogikstudium schloss er als „Mag. phil.“ ab, „Systemisches Management“ finali sierte er mit dem Master of Arts. Beim AMS tätig seit 1987.

2021