7 TAGE SONNTAG

Aufrufe
vor 11 Monaten

29. November 2020

  • Text
  • Graz
  • November
  • Grazer
  • Menschen
  • Steiermark
  • Zeit
  • Vereine
  • Stadt
  • Steirischen
  • Heuer
- Graz im Sozialstadt-Check: Bürgermeister fordert mehr soziale Wärme - Großer Ausbau 2021: Fernwärme rückt in greifbare Nähe - Neuer Altar für den Grazer Dom - Quinoa-Bowls für die Grazer Innenstadt

28 sport www.grazer.at

28 sport www.grazer.at 29. NOVEMBER 2020 Das Sportjahr 2021 bekommt in diesem Zusammenhang eine neue Dimension und kann den Zusammenhalt und die Begeisterung fördern. „Wir können den Breitensport in zwei Bereichen unterstützen: im finanziellen Bereich, aber auch bei der Infrastruktur“, erklärt Kurt Hohensinner. Für das kommende Jahr werden fünf Millionen Euro für die Vereine bereitgestellt, 3,3 Millionen davon kommen direkt bei den Sportvereinen an. Hohensinner hat auch eine weitere frohe Botschaft für die Dachverbände: „Die finanzielle Unterstützung für die Verbände wird bestimmt nicht reduziert. Das kann ich fix zusichern.“ In Sachen Infrastruktur dürfen sich die Grazer Vereine einiges erwarten: Die Fußballvereine LUV, GSC und der SV Straßgang werden über den Ökofonds mit LED-Lichtern ausgestattet werden, beim GSC wird ein Kunstrasen ausgerollt, das Stadtbootshaus wird fertiggestellt, in Thal kommt eine Beschneiungsanlage und in Mariatrost wird eine Pumptrack-Anlage errichtet. Weiters sind vier Callisthenics- Anlagen in den Bezirken Ries, Straßgang, St. Peter und Gösting geplant. Zudem wird noch ein Bezirkssportplatz im August- Matthey-Park errichtet. Budget nicht reduziert In Sachen Infrastruktur sind die Voraussetzungen außerhalb von Graz natürlich andere, wie Christopher Drexler betont, er gibt aber auch zu bedenken, dass insbesondere das soziale Leben, das sich rund um einen Sportverein entwickelt, der Pandemie zum Opfer gefallen sei. „Jetzt ist auch Eigenverantwortung gefragt. Ich möchte an alle appellieren, gerade jetzt auch selbständig Sport zu machen, das ist uns ja zum Glück allen möglich.“ Auch Drexler versichert, im Jahr 2021 die gleichen Budgets zu haben wie in diesem Jahr. Im Spitzensport tun sich die Vereine in der zweiten Liga oft noch schwerer als in der Bundesliga, wie Drexler einräumt. „Da gibt es wirklich Probleme. Wir hoffen, dass wir neben den Maßnahmen des Bundes auch von Landesseite aus einen gewissen Beitrag leisten können.“ Dies betrifft in Graz konkret unter anderem Vereine wie etwa den GAK, die unter den finanziellen Ausfällen besonders zu leiden haben. „Im Fußball konnten wir im Herbst 70 Prozent aller Spiele durchführen, auch im Amateurbereich. Von dem her können wir da verhältnismäßig positiv Bilanz ziehen“, berichtet Wolfgang Bartosch. „Wir hoffen sehr, dass wir im Frühjahr die Meisterschaft ordnungsgemäß forsetzen können. Für die kleinen Vereine war das schon eine große Herausforderung.“ Vereinssterben werde es im Fußball aber vo raussichtlich keines geben. „Dank der vielen ehrenamtlichen Funktionäre und des großen Engagements wird es gelingen, dass die kleinen Vereine diese Zeit noch überbrücken können. Sollte es aber im Frühjahr weite­ re Schwierigkeiten geben, wird es gerade für kleinere Vereine sehr hart werden, zu überleben, weil ja auch der Nachwuchs wegbricht. Wir hoffen sehr darauf, dass wir im Jänner wieder mit dem Training beginnen können.“ Ehrenamts-Aktion Das Um und Auf für den Erhalt des vereinsbezogenen Breitensports Stadtrat Kurt Hohensinner im intensiven Gespräch über die Situation der Sportvereine. LUEF sind die Ehrenamtlichen – auch in diesem Punkt sind sich alle Experten einig. „Wir haben aus diesem Grund die Kampagne ,Ohne Ehrenamt geht’s nicht‘ gestartet, im kommenden Sportjahr, das mit 1. März startet, versuchen wir jetzt schon ganz bewusst die Vereine aktiv zu halten, auch wenn man die Sportart selbst derzeit nicht ausüben kann“, erzählt Hohensinner. Künftig sollen auch Frauen bessere Möglichkeiten erhalten, um auf Funktionärsebene aktiv zu werden, wie Purrer ankündigt. „80 bis 90 Prozent der Präsidenten und Vizepräsidenten sind Männer. Hier möchten wir im kommenden Jahr ganz gezielt ansetzen, um das zu ändern“, kündigt er an. Um die ehrenamtlichen Funktionäre, engagierten Eltern und treuen Helfer auch öffentlich zu ehren, planen Drexler und Hohensinner gemeinsam mit dem „Grazer“ eine breit angelegte Aktion, bei der sich aktive Sportler per Video bei den so wichtigen Menschen im Hintergrund als Signal der Wertschätzung bedanken können. Schulsport Ein ganz brisantes Thema betrifft den Schulsport. Der Turnunterricht wird ja derzeit weitestgehend ausgesetzt, was auf wenig Verständnis bei den Dachverbandspräsidenten stößt. „Gerade in der Schule geht es ja um einen Sozialisationsprozess in Richtung Bewegung und gerade jetzt sollte da eigentlich draufgedrückt werden“, fordert Stefan Herker. „Wir lassen unsere Kinder jeden Tag stundenlang vor dem Computer sitzen und arbeiten, wir könnten da aber auch jederzeit Sport vermitteln. Das ist aus meiner Sicht ein absolutes Muss.“ Ins selbe Horn stößt auch Gerhard Widmann: „Auch das Verhältnis zum Trainer ist ja oft ein enges. Es wäre sehr schade, wenn das jetzt auf der Strecke bleiben würde.“ Gespräche mit der Bildungsdirektion sind bereits vereinbart, auch Drexler und Hohensinner signalisieren ihre Unterstützung.

29. NOVEMBER 2020 www.grazer.at sport 29 „Der Push-Faktor fehlt sicher“ CORONA-WINTER. Die Pandemie sorgt aktuell wöchentlich für Ausfälle im Ski-Weltcup. Der Grazer Klaus Pribitzer ist als Teamarzt beim ÖSV aktiv. Trotz Fokus auf die Rennen fehlt den Athleten der Fan-Push. Von Philipp Braunegger philipp.braunegger@grazer.at Wie quasi alle Sportarten sorgte Corona auch beim Ski-Weltcup für einen viralen „Einfädler“. Dieser Tage musste Österreichs Skisprung-Team eine B-Mannschaft zum Weltcup schicken, nachdem positive Fälle auftraten, bei den Alpinen hat’s zuerst Chiara Mair erwischt (die dann doch wieder negativ war), und auch Marco Schwarz wurde nicht verschont. In Levi musste das ganze schwedische Damen- Team aussetzen! Fazit: Der Weltcup wird massiv beeinträchtigt. Das weiß auch Sport-Mediziner Klaus Pribitzer, der regelmäßig die ÖSV-Athleten betreut. Demnächst bei Abfahrt und Super-G in St. Anton, wo er das Damen-Speed-Team betreut. „Als Teamarzt bin ich für die Rettungskette verantwortlich, vom Pflaster bis zum Organisieren des Helis bei einem Sturz.“ Bei Heimrennen sei die Arbeit angenehm, „in Korea oder Kanada manchmal sehr mühsam“. Trotz aller Widrigkeiten „sind die Athleten Profis und wissen mit der Situation heuer umzugehen, die Verantwortlichen haben an den Weltcup-Stationen ausgeklügelte Systeme höchstmöglicher Sicherheit für Läufer und Betreuer geschaffen. Die Einteilung vor Ort erfolgt im ‚geschlossenen System‘, das streng kontrolliert wird. Kontakt zwischen Presse, Angehörigen und Co. wird vermieden.“ Was Pribitzer auch weiß, ist, dass den Sportlern die Zuschauer extrem abgehen. „Skifahren ist ein Freiluftsport, eine gewisse Anzahl an Zuschauern ist meiner Meinung nach möglich. Man wird sehen, wie sich das entwickelt. Die Sportler wünschen sich eine tosende Menge, aber der Fokus liegt im Rennen und man muss sich mit der Situa tion zufriedengeben.“ So „steigen Pribitzer weiß um die Außergewöhnlichkeit der heurigen Saison. GEPA hoffentlich die TV-Quoten der Rennen wieder an“. Auch er vermisst die Stimmung bei den Rennen, für die Sportler „fehlt sicher ein gewisser Push. Aber auch in Kanada gibts ja Rennen quasi ohne Zuschauer, und das auch ohne Corona...“ Immer in Bewegeung: Per Rad stellten die Justiz-Kids-Trainer Berit Rottensteiner und Christian Lang die Fußballbücher an die jungen Kicker zu. KK(2) Auch mit Buch am Ball ■ Tolle Aktion des SV Justiz Kids! Damit die Leidenschaft für den Fußball auch im Lockdown nicht leidet, hat der Verein das Fußballbuch „Wer ist schneller als der Blitz“ herausgegeben und den jungen Kickern zugestellt – auch noch umweltbewusst mit dem Rad. Im Buch sind Infos zu den Spielregeln, Begriffserklärungen und Co. zu finden – alles in kindgerechter Weise beschrieben. Der Spaß kommt bei den jungen Kickern auch nicht zu kurz: So können ein Trikot oder ein Ball entworfen werden, der Trainer soll gezeichnet werden, und auch die SV-Justiz-Kids-Hymne ist angeführt. „Du musst die Jungs heute anders abholen als früher, als ‚weiter, höher, schneller‘ galt. Das Buch ist der richtige Zugang. Ähnliche Methoden habe ich schon vor Jahren bei Dortmund oder bei Schweizer Clubs beobachtet: Es vermittelt Vereinsbindung, aber auch Individualität und schult die Persönlichkeitsbildung“, sagt Trainer Christian Lang.

2021