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29. Dezember 2019

- Bestens vorbereitet ins neue Jahr 2020 starten - E-Mobilität: Graz macht jetzt mobil - Ein echtes Zuhause für behinderte Samtpfoten - Puchsteg soll im Frühjahr fertig sein - Horoskop 2020: Comedian blickt in die Glaskugel

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 29. DEZEMBER 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Wir haben alle überhaupt keine Ahnung N ur noch wenige Tage und wir haben die ersten zwei Jahrzehnte des Jahrtausends schon wieder hinter uns gebracht. Wenn man sich ansieht, wie wir im Jahr 2000 gelebt haben, kommt man schnell zum Schluss: Wir hatten alle miteinander echt keine Ahnung. Es ist kaum zu glauben, was damals noch alles nicht passiert ist. Abgesehen von weltbewegenden Ereignissen wie „Nine- Eleven“ im Jahr 2001, kannten wir weder die Filme über Harry Potter noch Herr der Ringe, die beide im Jahr 2001 angelaufen sind. In Graz hat noch niemand gewusst, dass Sturm in diesem Jahr österreichische Champions-League- Geschichte schreiben wird, und dass es im roten Graz in nur drei Jahren einen ÖVP-Bürgermeister geben wird, der bis heute die Stadt regiert, war überhaupt vollkommen undenkbar. Es wäre ein Fehler zu glauben, dass wir heute auch nur irgendwas mehr über die Zukunft wissen würden als damals. Wer weiß, was da in den nächsten 20 Jahren alles auf uns zukommt? Steuern kann man nur wenig, aber man kann grundsätzlich offen sein für Veränderungen und sich nicht allzu sehr auf seine vorgefassten Meinungen und Urteile darüber, wie alles zu sein hat, verlassen. Denn dann sind böse Überraschungen garantiert. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGS- FRÜHSTÜCK MIT ... ... Alfred Dorfer Sekt zum Frühstück nur am Silvestertag. Dafür gibt es immer wieder Fisch. Das hat Dorfer in Dänemark schätzen gelernt. KK Der Kabarettist und Schauspieler über seine Liebe zu Graz, entspanntes Silvester-Feiern und das Problem, Fan des Fußballklubs Wiener Austria zu sein. Entspanntes Sonntagsfrühstück kurz vor Jahreswechsel , was geht da ab? Kaffee, kurzer Espresso als Starter. Dann liebe ich jetzt Fisch zum Frühstück. Ich habe das in Dänemark kennen und schätzen gelernt. Der Fisch wird dann mit den üblichen Frühstücks-Utensilien kombiniert. Apropos Silvester, wie werden Sie das neue Jahr begrüßen? Entspannt. Ich schieße nichts gegen den Himmel, es gibt kein Bleigießen etc. Mein Sohn wird da sein, wir werden gut essen und gut trinken und Silvester so entspannt würdigen. Sie haben gerade wieder das Orpheum gefüllt. Was passiert im nächsten Jahr? Ich werde noch eine Zeitlang mit dem Programm aus dem Jahr 2017 „Und...“ unterwegs sein. Am 6. Juni 2020 bin ich mit Angelika Kirchschlager im Grazer Stefaniensaal. Das ist ein schönes Projekt. Sie singt mit mir Duette. Es gibt u. a. Musik von Brahms, Beethoven, Mozart. Klassik trifft Komik. Es ist ein etwas anderer Liederabend mit dem herausragenden Pianisten Julius Drake. Was war der Kick, der Sie auf die Bühne brachte und Satiriker werden ließ? Mit 6 musste ich Klavierspielen lernen. Das war die Form, mir die Klassik abzugewöhnen, und hat zu einer Aversion gegen Bach geführt. Ich wurde später öfters in Opern und Operetten mitgenommen, war aber gerade in einer Deep Purple/Stones/Rainbows- Phase. 1980 machte ich Matura, dann studierte ich in Graz Germanistik, danach an der Universität Wien. Geradezu ein Schock war es für mich, als ich nicht am Reinhardt-Seminar aufgenommen wurde. Ich dachte, das mit der Schauspielerei, das ich mir eingebildet habe, ist vorbei. Ich brach das Studium ab, ich habe es 2007 abgeschlossen, und machte bei Herwig Seeböck eine Schauspielerausbildung. Erste Engagements gab es im Theater in der Josefstadt. Dann kam „Indien“ mit Josef Hader und die Zeit mit dem Ensemble „Schlabarett“. Mit Schlabarett spielten wir eigentlich Theater. Wir waren eine Theatergruppe und der Begriff Kabarettist war noch nicht wirklich geläufig. Als Kabarettist sind Sie aber ein Star geworden, ich erinnere mich an Zeiten, wo Sie „Badeschluss“ 30-mal in Graz spielten. Ich habe 21 Jahre mit meiner Band verbracht. Jetzt als Solist ist manchmal der Hotelportier der Einzige, der mit mir redet. Zu Graz haben Sie einen besonderen Draht. Ich mag diese Stadt. In der Schlabarett-Zeit habe ich mal den Sommer in Andritz verbracht. Sehr schön. Ich mag den Dialekt, das Essen, das Klima, die Leute, die Architektur. Graz hat die richtige Größe und ist fast wie eine italienische Stadt. Was ist mit der Wiener Austria? Ich bin seit 50 Jahren Anhänger der Wiener Austria. Die Hälfte der Zeit war traurig. Sinnlose Einkäufe, zu viele Berater. Peter Stöger macht seine Sache gut, er braucht noch mehr Zeit. VOJO RADKOVIC Alfred Dorfer wurde am 11. 10. 1961 in Wien gebo ren. Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik. Titel seiner Doktorarbeit: „Satire in restriktiven Systemen Europas im 20. Jahrhundert“. Bislang sieben Kabarettprogramme, das erste „Alles Gute“ (1993), zuletzt „Und...“ (2017). 18 Filme, zuletzt „Bad Fucking“ (2013). Dorfer schreibt eine Kolumne in der „Zeit“, erhielt viele Preise und ist sozial sehr aktiv.

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