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27. September 2020

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- Trüffel beim Schloss Eggenberg gefunden - Diskussion zum Räumlichen Leitbild: Bauverbot am eigenen Grundstück - Schanigärten auch im Winter: Gastgarten-Gebühr wird bis Ende März erlassen - Drohnen: Die Grazer Feuerwehr geht in die Luft - Streit um geplante Volksschule in Gratkorn - Graz bekommt vier neue Hundewiesen - Zweiter Sushi-Standort: Memori sperrt in der Innenstadt auf - New Yorker Szene-Guru Albert Trummer zurück in der Heimat

viva Valentina Gartner

viva Valentina Gartner 24 valentina.gartner@grazer.at F. Ferner, J. Bogner-Strauß, M. Wlattnig und K. Vander LAND STEIEMAK Corona-Ampeln für Pflegebereich ■■ Das Land Steiermark präsentierte mit diversen Spezialisten eigene Corona-Ampeln im Pflegebereich. Mit den Ampeln wurde ein praxisnahes und transparentes Instrument aufgebaut. „In besonderen Zeiten braucht es besondere Maßnahmen, um Risikogruppen zu schützen!“, so Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß. Alle genauen Infos können auf unserer Homepage www.grazer. at nachgelesen werden. Seltene Krankheit www.grazer.at 27. SEPTEMBER 2020 Den Stress und die Ängste, die Corona ausgelöst hat, werden wir noch lange spüren.“ Die Vorsitzende des steirischen Landesverbandes für Psychotherapie, Ingrid Jagiello, sieht Spätfolgen. KK Grazerin konnte von heute auf morgen nicht mehr gehen SCHICKSALSSCHLAG. Die 52-jährige Christine Reinprecht leidet unter Primärer Muskelatrophie und benötigt dringend eine teure Orthese. Ein Medikament wird ihr verwehrt. Ihre drei Kinder kämpfen jetzt um Spenden. Von Verena Leitold verena.leitold@grazer.at Inzwischen kann Christine Reinprecht nur mehr eine Hand bewegen. PRIVAT Die Trainer im Twins helfen, seine Ziele zu erreichen. Wohlfühlgewicht dank Twins ■■ Orangenhaut, Krampfadern, Problemzonen, schlechtes Hautbild, Müdigkeit oder Schlafmangel – das sind häufige Themen, mit denen die Mitarbeiter im Fitnessstudio konfrontiert werden. Genau dafür hat das Twins ein Programm entwickelt, um mit Balance und Freude gesünder zu werden, sein Wohlfühlgewicht zu erreichen und Problemzonen zu vermindern. Im Oktober gibt es dazu mehrere Fachvorträge: Alle Termine findet man unter www.twins.at. KK Von einem Tag auf den anderen änderte sich das Leben der in Kalsdorf bei Graz lebenden Christine Reinprecht und ihrer Familie. Vor fünf Jahren konnte die heute 52-Jährige plötzlich nicht mehr gehen. Mehrere Operationen und einige Jahre später bekam sie die Diagnose: Primäre Muskelatrophie, eine seltene Muskelschwund-Krankheit, an der in Österreich nur sehr wenige Menschen leiden. Bei der Erbkrankheit sterben bestimmte Nervenzellen, sogenannte Motoneuronen, ab, da für die Muskeln nicht genügend Eiweiß gebildet werden kann. Im Verlauf der Krankheit wird die Bewegungsfähigkeit zunehmend eingeschränkt. Reinprecht sitzt inzwischen im Rollstuhl und kann nur mehr eine Hand bewegen. Sie ist auf die Unterstützung ihrer drei Kinder angewiesen. Aber auch die stoßen an ihre Grenzen. „Der Gedanke daran, dass man nicht helfen kann, lässt uns verzweifeln“, gesteht Sohn Thomas Gasser. Um seiner Mutter das Leben etwas zu erleichtern, hat er jetzt ein Spendenkonto eingerichtet (siehe Ende des Artikels). Teures Medikament Ein Medikament, das die Lebensqualität deutlich verbessern könnte, ist in Österreich nur äußerst schwer zugänglich. Während es in Deutschland und anderen Staaten von der Krankenkasse bezahlt wird, wird es bei uns nur an unter 18-Jährige gratis verabreicht. Privat ist es kaum zu bezahlen: Rund 500.000 Euro kostet die Behandlung pro Jahr und Patient. Sechs Spritzen werden benötigt, eine kostet rund 77.000 Euro. Mehrere Initiativen fordern die Finanzierung des Medikaments auf Krankenschein (auch „der Grazer“ berichtete). Inzwischen hat eine Petition von Christina Holmes, die selbst von der Krankheit betroffen ist, die nö- tigen 18.000 Unterschriften erreicht. Der Nationalrat muss sich also zumindest mit dem Thema auseinandersetzen. Orthese benötigt Christine Reinprecht kämpft jetzt um eine sogenannte myoelektrische Orthese. Diese soll Bewegungen simulieren, damit die Muskeln in der Hand nicht abbauen. Mithilfe der Arm-Orthese kann die Funktion wiederhergestellt werden. Die 52-Jährige könnte alltägliche Aktivitäten also wieder mit beiden Händen ausführen und selbstständig essen, trinken oder einfach Gegenstände halten. Kostenpunkt: 140.000 Euro. Auch die Orthese wird nämlich nicht finanziert. Für die drei Kinder alleine ist die Summe nicht zu stemmen. Deshalb bittet die Familie jetzt um Spenden. Für Unterstützer wurde ein Konto bei der Bank99, Inhaber Thomas Gasser, mit dem IBAN AT52 1912 0000 2405 8825 eröffnet.

27. SEPTEMBER 2020 www.grazer.at graz viva 27 25 ➜ IN GETTY (2) Hilfe suchen Wenn es einem nicht gut geht, sollte man mit jemandem reden. Sei es mit Familie, Freunden oder Therapeuten. Hilfe ablehnen Wer seinen Kummer ständig in sich hineinfrisst, muss dann mit späteren Folgen rechnen. OUT ➜ Doppelt so viele Depressionen TRAGISCH. Immer mehr Steirer leiden an Depressionen – vor allem wegen Corona. Anlässlich des europäischen Tags der Depression am 1. Oktober schildert eine Expertin die aktuelle Situation. Von Valentina Gartner valentina.gartner@grazer.at Psychische Erkrankungen kommen häufiger vor, als man vielleicht denkt: Gerade während der Corona-Krise ist die Zahl von Personen, die an Depressionen erkrankt sind, enorm gestiegen. Laut einer aktuellen Studie der Donau-Universität in Krems sind es bereits jetzt doppelt so viele wie noch im Vorjahr, wo es noch 7,5 Prozent der Steirer betraf. „Wir sind erst am Beginn der psychischen Krise, die durch Corona ausgelöst wurde. Das Vollbild der Erkrankungen wird sich erst im Herbst zeigen. Das ist ein schleichender Prozess“, alarmiert Ingrid Jagiello, Vor- sitzende des steirischen Landesverbandes für Psychotherapie. Das Ansteigen der Arbeitslosigkeit, das plötzliche Berufs- Aus, Existenzängste und die Angst vor einer Grippewelle sind nur einige der Faktoren, die gerade mitspielen. Besonders betroffen sind dabei Frauen, da sie mit der Gesamtsituation, wie beispielsweise durch Home schooling und die Betreuung der Kinder zuhause, überfordert waren. Aber auch bei Jugendlichen, die gerade keine Ausbildungsplätze oder Jobs bekommen, nimmt die Zahl der Erkrankten zu. „Ich habe in meiner Praxis täglich vier bis fünf Neuanfragen. Meinen Kollegen geht es gleich. Die Gesamterschöpfung des Systems ist spür- bar“, erzählt Jagiello. Je früher man sich Hilfe sucht und diese annimmt, desto weniger Spätfolgen gibt es dann. 20.000 Therapieplätze „Ich bin das erste Mal wirklich positiv gestimmt, dass etwas geändet wird! Bei einem Runden Tisch wurden weitere Therapieplätze beschlossen“, freut sich die Expertin. So gibt es seitens der Österreichischen Gesundheitskasse den offiziell deklarierten Plan zur Investition von 15 Millionen Euro und den Ausbau von Psychotherapie um 20.000 Sachleistungsplätze. „Es wird hier noch mehr brauchen, aber es ist ein guter Beginn“, meint die Vorsitzende. Wichtig sei es, sich in Krisenzeiten über jegliche Angebote zu informieren. In der Infostelle des steirischen Landesverbands für Psychotherapie (Petersbergenstraße 7/II) kann man sich jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr anonym und kostenlos rund um das Thema Psychotherapie beraten lassen. „Zur bereits bestehenden Versorgung über das Netzwerk Psychotherapie Steiermark werden noch Verbesserungen und Aufstockungen nötig sein“, so abschließend Jagiello.

2021