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27. Mai 2018

- Städteranking: Graz ist bei 100-Jährigen die Nummer 1 - Pflege: Stadt Millionen-Lücke - Tausende Landes-Computer landen im Müll - 15 Jahre nach 2003: Graz ist noch immer Kulturhauptstadt - Patenfamilien für Kinder mit kranken Eltern gesucht - Andritz: 637 Gründstückseinkäufe für einen einzigen Bach - Graz-Zuckerl kommen nicht

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10 graz www.grazer.at 27. MAI 2018 15 Jahre nach 2003: Graz ist noch immer Kulturhauptstadt Alle Statements in voller Länge auf www.grazer.at JUBILÄUM. Vor fünfzehn Jahren wurde Graz Kulturhauptstadt Europas. Seither haben wir den Namen, zumindest was das Marketing betrifft, nicht mehr abgegeben. Zu Recht? Wir haben mit Entscheidungsträgern und Kunstschaffenden aus unterschiedlichen Sparten eine Standortbestimmung unternommen. Von Verena Leitold verena.leitold@grazer.at Dass sich Graz im Vergleich zu anderen europäischen Städten nicht zu verstecken braucht und die Kulturszene international ernstzunehmend ist, darin sind sich alle einig. „2003 ist nicht verpufft! Das Kulturhauptstadtjahr hatte einen überaus nachhaltigen Effekt! Und das Niveau ist gewaltig angestiegen, sowohl was die Infrastruktur als auch die Qualität betrifft“, freut sich etwa Stadtrat Günter Riegler. Und auch Kunsthaus- Chefin Barbara Steiner, La-Strada-Intendant Werner Schrempf, Kunstuni-Rektorin Elisabeth Freismuth, die Chefkuratorin am Institut für Kunst im öffentlichen Raum, Elisabeth Fiedler, und Theater-im-Bahnhof-Leiter Ed Hauswirth schätzen die Vielfalt und das kreative Potential der Stadt sehr hoch ein. „Was im Vergleich zu anderen europäischen Städten fehlt, ist ein internationales Creation Center, das Kulturschaffende bei der Konzeption und Entwicklung künstlerischer Projekte professionell unterstützt und begleitet“, gibt Schrempf aber auch einen Anstoß für Verbesserung. Kulturstadtrat Günter Riegler: Wir haben in Graz eine sehr vitale Kulturszene, alle Sparten sind eigentlich sehr erfolgreich. Wir haben Proberäumlichkeiten, um die uns viele beneiden, sechs Stadtbibliotheken, ein hohes Förderbudget und jede Woche mindestens zwei Highlights am Programm. Seit 2003 ist auch die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger höher. Theater-im-Bahnhof-Leiter Ed Hauswirth: Die Grazer Szene ist vielfältig und braucht sich inhaltlich im Vergleich zu ähnlich großen Städten nicht zu verstecken. Es entstehen immer wieder neue Dinge und es ist weniger die Frage, ob hier etwas fehlt, sondern ob die Dinge eine gewisse Lebendigkeit haben. Die größte Veränderung seit 2003 besteht darin, dass sich Graz nunmehr als Designstadt positioniert. Kunsthaus-Chefin Barbara Steiner: Die lebendige Szene ist möglichst vielfältig. Man braucht Traditionen und die, die Traditionen wieder herausfordern. Ein großer Player wie das Kunsthaus funktioniert gut in produktiven Nachbarschaften – zu großen und kleinen Institutionen, Vereinen, Off-Spaces und Festivals. Es braucht gesellschaftliche Aufgeschlossenheit und kulturpolitische Unterstützung. Kunstuni-Rektorin Elisabeth Freismuth: Die Grazer Kunstszene ist unglaublich vielfältig! Und das sage ich als Wienerin! Ich bekomme jeden Tag so viele Einladungen und denke mir oft: „Schade, dass ich nicht alles sehen kann!“ Die Szene erfindet sich ständig neu. Besonders stark ist die zeitgenössische Kunst. Es gibt in Graz einen fruchtbaren Boden dafür – es interessiert die Leute. LaStrada-Intendant Werner Schrempf: Das kreative Potential der Grazer Kulturszene schätze ich – gerade auch im internationalen Vergleich – als sehr besonders ein. Eine verstärkte Anbindung der heimischen Kulturszene an internationale Netzwerke leistet einen wertvollen Beitrag zu einer zukunftsorientierten und produktiven Entwicklung des heimischen Kulturgeschehens. Elisabeth Fiedler, Leiterin Abteilung Kunst im Außenraum: Graz hat eine hohe Dichte an Kunst und Kultur in allen Sparten und Bereichen. Internationaler Austausch, kritisches Denken und Schaffen in Vielfalt, klare Positionierungen und ein diskursives Klima brauchen Luft, Mut und politische Bekenntnisse dazu. Ich wünsche mir ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Bildung und Kultur. GRAZ TOURISMUS/SCHIFFER, STADT GRAZ, SCHERIAU, LUEF, MILATOVIC, THEATER IM BAHNHOF, KK

27. MAI 2018 www.grazer.at graz 11 Viele Flüchtlinge als Sozialfall SOZIALHILFE. Insgesamt sinkt die Zahl der Mindestsicherungsbezieher in Graz – allerdings nicht unter Ausländern. Von Daniel Windisch daniel.windisch@grazer.at Neben der Fusion der Krankenkassen bastelt die türkis-blaue Bundesregierung bereits an der Reform der Mindestsicherung. So soll diese Sozialleistung, die derzeit Ländersache ist, bundesweit vereinheitlicht und der Zugang für Zuwanderer bzw. Flüchtlinge erschwert werden. Doch wie sieht die Situation momentan in Graz aus? Grundsätzlich sinkt in der Murstadt die Zahl der Mindestsicherungsbezieher dank der Erholung auf dem Arbeitsmarkt – aber nur im Kurzzeit-Vergleich: Viele Flüchtlinge, die in den letzten Jahren nach Österreich kamen, zählen heute zum Kreis der Mindestsicherungsbezieher. THINKSTOCK Im April 2018 bezogen 9240 Menschen Mindestsicherung, im Oktober 2017 waren es noch rund 700 Personen mehr. Blickt man jedoch bis in den März 2014 zurück, so gab es damals bloß 8758 Mindestsicherungsbezieher. Unter Österreichern gebe es zwar Rückgänge, nicht aber bei Zugezogenen, sagt VP-Sozialstadtrat Kurt Hohensinner. Tatsächlich ist der Anteil der österreichischen Mindestsicherungsbezieher von 57,7 Prozent im Jahr 2014 auf jetzt 44,8 Prozent gesunken. Der gegenteilige Trend ist bei Ausländern zu beobachten: Der Anteil der EU-Bürger legte leicht von 5,6 auf 6,2 Prozent zu, jener der Nicht-EU-Bürger stieg stark von 36,7 auf 48,9 Prozent. Zu letzterer Gruppe zählen Flüchtlinge – sie machen in Graz inzwischen 39,4 Prozent aller Bezieher aus. Übrigens: Wer Mindestsicherung beantragt, bekommt sie meist auch, nur 6,5 Prozent aller Anträge wurden im Vorjahr in Graz abgelehnt. Hohensinner erwartet sich von der Regierung eine große Reform: „Die Mindestsicherung muss wieder das werden, wozu sie gedacht war: eine kurze Überbrückungshilfe für jene, die sie brauchen, aber keine dauerhafte Alimentierung für große Bevölkerungsgruppen.“

2021