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26. September 2021

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Graz hat gewählt: Alle Ergebnisse, Reaktionen und Hintergrundinfos zur Gemeinderatswahl 2021.

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2 graz www.grazer.at 26. SEPTEMBER 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Die Grazer September- Revolution N a bumm. Mit Vielem war bei dieser Wahl zu rechnen, nur mit einem derart mächtigen politischen Erdbeben wahrlich nicht. Rekordbürgermeister Siegfried Nagl der jahrzehntelang auf der Erfolgswelle surfte ging heute ganz unsanft unter und trat nach einer Schrecksekunde sogar zurück. Mit Elke Kahr haben sich die Grazer für eine politische Zukunft entschieden, die wohl auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgen wird. Eine mitteleuropäische Stadt die kommunistisch wählt, ist alles andere als alltäglich. Auch wenn sich die Aufregung bald legen wird, bleibt ein klares Signal bestehen: die Grazer sind einen großen Schritt nach links gegangen. Mit Kommunisten, den Grünen (die ebenfalls das beste Ergebnis der Geschichte eingefahren haben) und der SPÖ wird das linke Lager nach derzeitigem Stand deutlich mehr als 55 Prozent erreichen. Damit bleibt wohl fürs erste kein Stein auf dem anderen, wie die Spitzenkandidaten auf diesen (positiven oder negativen) Schock reagieren werden, ist noch völlig unabsehbar. Kommen die Freiheitlichen in den Stadtsenat? Dasselbe gilt für die SPÖ. Kommt Rot-Rot- Grün, oder doch der koalitionsfreie Raum? Bleibt Mario Eustacchio? Was ist mit Michael Ehmann? Was man aber schon sicher sagen kann: die Grazer Zukunft wird auf jeden Fall sehr anders aussehen als die Vergangenheit. Tobit Schweighofer, Chefredakteur Historisches Ergebnis KPÖ mit 29,1 Prozent stärkste Kraft in Graz Fassungslos: Die KPÖ konnte es selbst kaum glauben, als die ersten Sprengelergebnisse langsam eintrudelten. KPÖ GRAZ HAT GEWÄHLT. Die KPÖ schafft mit einem Plus von 8,8 Prozent einen Erdrutschsieg. Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl verliert 12,1 Prozent und tritt zurück. Auch für die Grünen gibt‘s einen historischen Erfolg. Von Verena Leitold und Tobit Schweighofer redaktion@grazer.at Die Würfel sind gefallen, die Grazer haben ihre Kreuzerl gemacht – und damit sogar sehr erfahrene Politbeobachter ganz schön überrascht. Einige Umfragen haben einen Zweikampf zwischen dem amtierenden Bürgermeister Siegfried Nagl von der ÖVP und Elke Kahr von der KPÖ vorausgesagt (wir haben berichtet), dass am Ende die Kommunistin einen wahren Erdrutschsieg davontragen wird, damit hat niemand gerechnet. Dennoch ist die Sensation eingetreten: Die KPÖ schaffte es mit 29,1 Prozent (alle Angaben ohne Wahlkarten) und damit einem Plus von 8,8 Prozent klar auf Platz 1. „Ich habe mir das in dem Ausmaß selbst nicht erwartet“, gab Kahr in einer ersten Reaktion zu. Die Schwarzen wurden mit 25,7 Prozent und einem Minus von 12,1 Prozent auf Platz 2 verwiesen. „Es ist ein schmerzhafter Tag für meine Partei und für mich persönlich“, so Siegfried Nagl. Auch für die Grünen gab es ein historisches Ergebnis: Judith Schwentner brachte es auf 16,7 Prozent und ein Plus von 6,2 Prozent. Die Blauen unter Mario Eustacchio landen mit einem Minus von 4,6 Prozent auf Platz vier mit 11,3 Prozent. Die SPÖ rund um Michael Ehmann schaffte es auf 9,7 Prozent (minus 0,4 Prozent). Die Neos mit Newcomer Philipp Pointner gewinnen 1,2 Prozentpunkte und kommen auf 5,2 Prozent. Rücktritte Spannend wird es in den nächs- ten Tagen und Wochen, wenn es darum geht eine neue Regierung für Graz auf den Weg zu bringen. Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl wird dafür allerdings nicht mehr zur Verfügung stehen, er trat noch heute abend zurück. SPÖ-Frontmann Michael Ehmann hatte angekündigt, zurückzutreten, sollte er den Einzug in den Stadtsenat nicht schaffen. Im Hinblick auf die noch auszuzählenden 25.430 Briefwahlstimmen gab er sich heute „vorsichtig optimistisch.“ FPÖ-Chef Mario Eustacchio kündigte an, bei einem Ergebnis von weniger als zehn Prozent zurückzutreten, mit derzeit 11,3 Prozent ohne Wahlkarten dürfte er wohl im Sattel bleiben. Weiter geht‘s auf der nächsten Seite

26. SEPTEMBER 2021 www.grazer.at graz 3 Koalition Form wir eine Klimaschutzkoalition zusammenbringen. Das Gewinnerin Elke Kahr wird wohl hat für mich Priorität.“ die Koalitionsverhandlungen Rein rechnerisch würde sich führen. „Jede Partei hat Vertrauen von ihren Wählerinnen und Wählern bekommen. Wir werden Gespräche mit allen führen. natürlich eine Koalition von KPÖ und ÖVP ausgehen, diese hatten beide Parteien aber im Vorfeld kategorisch ausgeschlossen. Natürlich gibt es Wünsche und Ausgehen würde Vorstellungen, wie es weiter gehen sich natürlich auch ein Links- kann. Aber dafür brauche bündnis aus Kommunisten, ich auch Partnerinnen und Partner. Ich nehme das Ergebnis und den Auftrag der Wählerinnen und Wähler natürlich an.“ Judith Schwentner von den Grünen hatte bereits im Wahlkampf mehrmals betont „Ich möchte die erste Bürgermeisterin von Graz werden“, das dürfte sich mit einem derartig klaren Sieg für Elke Kahr wohl nicht ausgehen. „Das war ein Angebot an die Wählerinnen und Wähler für Veränderung in dieser Stadt. Diese Veränderung hat nun stattgefunden. Jetzt werden wir sehen in welcher Grünen und Sozialdemokraten. Dafür wäre es von Vorteil, dass Michael Ehmann auch in den Stadtsenat kommt. Opposition Mario Eustacchio von der FPÖ stellte bereits klar, dass seine Partei in die Opposition gehen werde – eine für ihn vorstellbare Koalition ist rechnerisch nicht mehr möglich. „Wir werden der neuen Regierung ganz genau auf die Finger schauen“, betonte er. „Ich hoffe, dass die Menschen in fünf Jahren sehen, dass das der falsche Weg ist!“ Auch die Grünen dürfen sich über ihr historisch bestes Ergebnis freuen. KK

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