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25. März 2018

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- Stadt entfernt Busbuchten: In Graz drohen jetzt noch mehr Staus - Untere Wienerstraße erwacht zum Leben - Wein am Buchkogel vor dem Start - Marder quälen St. Leonhard - Ehemalige Buddha Bar wird zum BmB

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16 graz www.grazer.at 25. MÄRZ 2018 S E R I E 1918 1938 1968 So war das Leben in Graz Heute kaum vorstellbar, 1968 Alltag in Graz. Voller Autoverkehr in der Herrengasse. Oft war die Herrengasse völlig verstopft. Nichts ging mehr. GRAZ MUSEUM (4) Musikalisch WILDE ZEIT. Politisch war 1968 eine wilde Zeit. Studentenunruhen, Proteste gegen den Vietnamkrieg. Dennoch spürte man in Graz nicht viel davon. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at 1968 bezeichnen viele als das Umbruchsjahr. Es ging damals rund: In den USA wurde Martin Luther King ermordet, Mao stürzte China in ein blutiges Chaos. In Vietnam zeichnete sich eine gewaltige Niederlage der Amerikaner ab, der Prager Frühling wurde mit Panzern niedergewalzt und das Musical „Hair“, das 1968 Premiere hatte, war die Hippie-Botschaft gegen den Kriegswahn. Graz war da ein Nebenschauplatz, den man aber nicht unterschätzen sollte. Politisch und literarisch passierte viel in diesem Jahr. Heftigst diskutiert wurden all die großen Themen in Studentenkreisen. Große Demonstrationen gab es in Graz nicht, auch nicht gegen den Einmarsch der Russen in Prag. Graz war da meist zurückhaltend und nicht so laut wie Wien, Berlin, Hamburg, London oder Paris. In vielerlei Hinsicht wirkte Graz damals wie in einem Dornrös- chenschlaf. Als ich von einem längeren England-Aufenthalt zurückkam, hatte ich den Eindruck, in Albanien zu sein. Während in London und auch in britischen Dörfern die Jugendrevolution längst stattgefunden hatte und im Weiterentwickeln war, war das nach Graz noch lange nicht durchgedrungen. In England waren die Brit-Bands in Höhenflügen unterwegs, bei uns spielten die White Stars beim Fischerwirt in Gratwein. Ich stellte dann die erste Grazer Beat-Band auf die Beine: Vojo and More. Wir spielten in der Grünen Spinne am Glacis und coverten Stones, Beatles, Kinks, Hendrix, Pretty Things usw. Die Grazer standen Schlange, um so ein Stück Brit- Beat zu hören. Lustige Zeit. Gute Grazer Jazzer Generell war 1968 in Graz musikalisch tote Hose. Es gab aber viele und sehr gute Jazz-Musiker und die dafür passenden Jazz-Lokale. Internationale Rockkonzerte fanden in Graz damals nicht statt. Wer die Rolling Stones oder andere Bands hören wollte, musste nach Wien fahren oder nach London in den Hyde Park, 1968 gab’s das denkwürdige Open-Air. Das erste internationale Rockkonzert gab es erst 1974 in der Liebenauer Eishalle mit Emerson, Lake & Palmer. Die Grazer liebten damals vor allem Fußball, und Meister in der Nationalliga 1968 wurde Rapid. Die Marktstandln sahen 1968 schöner aus als die Standln von 2018. Schon 1968 wurde man auf die schaffnerlose Bim vorbereitet, gekommen ist sie erst 1986.

25. MÄRZ 2018 www.grazer.at graz 17 war „tote Hose“ Sturm kam auf Rang 7 – hinter dem GAK, der auf Platz 6 rangierte. Die Grazer gingen auch viel ins Kino. Graz hatte 1968 17 Kinos, es gab noch die Vorstadtkinos wie das Parkkino in Mariagrün. Auch das Orpheum war damals noch Kino: „Das Wunder der Liebe“, Sexaufklärung von Oswalt Kolle, lief dort bereits die neunte Woche. In der österreichischen Hitparade regierten im Februar 1968 die Bee Gees mit „Massachusetts“. Aber auch die Small Faces waren mit „Lazy Sunday“ in den Charts. (Quellen: Graz Museum, EU- Projekt 100 Jahre Maribor-Graz, steirischer herbst, Landesbibliothek) Sänger Vojo von „Vojo and More“ 1968 in der „Grünen Spinne“ KK Für viele noch ein Begriff, der Verkehrskindergarten im Grazer Stadtpark. Auch Radfahrer wurden da trainiert. Schaut heute sehr cool aus. GRAZMUSEUM Grazer Kinoprogramm vom 30. März 1968 aus der „Südost-Tagespost“ GRAZMUSEUM Graz 1968 ■■Studentenunruhen: Wenige Demonstrationen, dafür aber intensive Diskussionen an der Uni, in den Studentenlokalen. Es ging um studentische Mitbestimmung und gegen die Willkür der Professoren und um modernere Lehre. ■■Bombenattentat auf das jugoslawische Generalkonsulat in Graz. ■■Feuerwehr: Spatenstich für die Zentralfeuerwache am Lendplatz. ■■Puch-Moped: Steyr- Daimler-Puch AG begann mit Serienproduktion des Mopeds Puch Maxi. ■■Container: Simmering- Graz-Pauker (SGP) erzeugt die ersten Container Österreichs. ■■Pensionisten: Das Pensionistenheim Rosenhain wurde eröffnet. ■■Ehrenring: Robert Stolz erhält den Ehrenring des Landes. ■■Eiskunstlauf: Das Schaulaufen der weltbesten Eiskunstläufer lockte 7000 Menschen in die Eishalle. ■■Staatsmeister: Das Grazer Paar Kern/Theissl gewann die Staatsmeisterschaft in lateinischen Tänzen. ■■Solidaritätskundgebung für den Prager Frühling in der Grazer Innenstadt, Regierung Klaus hielt sich sehr zurück. herbst-Auftakt START. Am 23. September 1968 wurde der erste „steirische herbst“ eröffnet. Handke war Thema. Der Start des Festivals „steirischer herbst“ 1968 war die erste große künstlerische Auseinandersetzung der Steiermark mit der internationalen Moderne. Jetzt ist der herbst das älteste und traditionsreichste Festival für neue Kunst in Europa. Als Gründer ist Hanns Koren zu nennen. Koren war Volkskundler und steirischer Kulturlandesrat. In Folge entwickelte sich der steirische herbst durchaus zu einem Festival, welches polarisierte und teils Menschen aufregte. Das Eröffnungsplakat, von Günter Waldorf gestaltet, wirkt heute unaufgeregt milde. 1968 kam es auch zur Aufführung von Peter Handkes „Kaspar“ und der legendären „Publikumsbeschimpfung“. Es gab auch den ersten Skandal: Die Diskussion „Biennale, Dokumentà und die Situation der Kunst unserer Zeit“ im Grazer Schloss Eggenberg wurde wegen Protesten vorzeitig abgebrochen. Das ist das erste Plakat des steirischen herbst, entworfen vom Künstler Günter Waldorf STERISCHER HERBST

2021