Jetzt E-Paper-App downloaden

Aufrufe
vor 1 Jahr

25. Juli 2021

  • Text
  • Getty
  • August
  • Kaiser
  • Heuer
  • Bezirk
  • Stadt
  • Woche
  • Juli
  • Grazer
  • Graz
- Hochwasser in Graz: Gefährlich sind die Bäche - Parkplätze in Jakomini beim MUWA gestrichen - Der „Grazer“ sucht das Urlaubsfoto 2021 - Latin Live und Murszene starten in Lend - Experte Harald Gutschi über die Zukunft des Onlinehandels

16 eco graz

16 eco graz www.grazer.at 25. JULI 2021 Wir können uns keine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels leisten.“ Die stellvertretende Geschäftsführerin der steirischen Fabian Industriellenvereinigung, Nina Zechner, fordert mehr Fokus auf Kleindienst 16 fabian.kleindienst@grazer.at Qualifizierung, da der Fachkräftemangel die Konjunktur hemmt. IV Handelsexperte sieht „die größte INTERVIEW. Harald Gutschi, UNITO-Geschäftsführer und Handelsverband-Vizepräsident, spricht über die Zukunft im Online-Handel, über Amazon und Graz. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Harald Gutschi, UNITO-Geschäftsführer und gleichzeitig Vizepräsident des Handelsverbands, spricht über die Zukunft im Online-Handel. UNITO Herr Gutschi, UNITO ist Teil der Otto-Gruppe und gehört damit zu den ganz großen Playern im Online-Handel. Gerade dieser Bereich hat im letzten Jahr durch Corona einen Schub erlebt. Wie haben Sie das gespürt? W I R T S C H A F T EcoNews fabian.kleindienst@grazer.at KI-Zertifizierung ■ Künstliche Intelligenz wird nach Prognosen immer wichtiger, es fehlt aber das Vertrauen. Eine Initiative der TU Graz, des Know-Centers, der Uni Graz und anderer will hier ansetzen. Ziel ist es, durch geballte Kompetenz einen 360°-Blick auf das Thema zu gewinnen und so vertrauenswürdige Zertifizierung zu ermöglichen. H. Kainz, S. Lindstaedt, B. Eibinger- Miedl, M. Schaffer, S. Thalmann KNOW In der Eisteichsiedlung findet ein Kongress im Zuge des Kulturjahrs statt. TRANSPARADISO Was der Stadt fehlt ■ Im Rahmen des Kulturjahr- Projekts „NORMAL – Direkter Urbanismus x 4“ findet am 21. Juli und am 1. August der „3rd World Congress of the Missing Things“ am Parkplatz der Pfarre St. Paul in der Eisteichsiedlung statt. Dafür werden Bürger aufgefordert, ihre „Missing Things“ an holub@transparadiso.com zu schicken. Im Mittelpunkt steht, was man sich als zukünftige Normalität in seiner Nachbarschaft, seinem Bezirk wünscht.

25. JULI 2021 www.grazer.at graz eco 17 ➜ TEURER GETTY (2) Profilholz +44,4 % Massiver Anstieg: Profilholz wurde im Vergleich zum Vorjahr um beinahe fünfzig Prozent teurer. Brillenfassung –15,3 % Der Brillenkauf zahlt sich aktuell aus: Fassungen wurden im Jahresvergleich klar billiger. BILLIGER ➜ Beschaffungskrise der 2. Republik“ Harald Gutschi: Stark. Wir sind in Summe um 20 Prozent gewachsen, in Österreich sogar um 27 Prozent. Wir hatten einen Kundenumsatz von 490 Millionen Euro – zwei Drittel davon in Österreich. Im letzten Jahr wurde der Online-Handel wirklich systemrelevant. Der Trend wird sich fortsetzen? Gutschi: Die Leute haben sich daran gewöhnt, online einzukaufen, haben die Vorteile kennengelernt. In China oder Südkorea nimmt E-Commerce schon jetzt mehr als 50 Prozent des gesamten Handelsvolumens ein. In Österreich sind wir im Non-Food-Handel aktuell bei 27 Prozent. Bis 2030 werden das auch hier 50 sein. Heißt diese Prognose nicht, dass viele kleine Händler ein Problem bekommen werden? Gutschi: Wenn sie nicht auf die digitalen Herausforderungen reagieren, dann ja. Es gibt aber viele kleine Händler, die sich auf die neue Situation eingestellt haben. Ich sage immer: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Das große Problem im Handel ist sicher nicht der Online-Handel. Es hat sich immer viel getan – in den nächsten zehn Jahren wird der Handel sich aber stärker verändern als in den letzten 70. Was ist dann das Problem? Gutschi: Die Erfahrungsgefängnisse aus vielen Jahrzehnten. Es ist wie bei uns im Kataloggeschäft. Über fünfzig Jahre war das eine Geldproduktionsmaschine – dann kam der Online-Handel und viele sind pleitegegangen. Nur weil es lange funktioniert hat, heißt das nicht, dass es auch in Zukunft so sein wird. Wir, die Otto-Gruppe, waren damals weltweit die Einzigen, die aus dem Kataloggeschäft gekommen sind und den Sprung geschafft haben. Blicken wir in die Zukunft. Da arbeiten Sie doch sicher mit Prognosen. Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in der Handelsbranche? Gutschi: Das Smartphone ist das größte Shoppingcenter – direkt in der Hosentasche. Wir rechnen damit, dass in den nächsten Jahren das Zeitalter der „Superapps“ beginnt. Dass Kunden nur noch wenige Apps haben, mit denen sie in ständigem Kontakt sind und die alles abdecken. Wir haben schon jetzt einen App-Anteil von 30 Prozent, in zwei Jahren werden das 50, langfristig sogar 70 sein. Und dann wird der letzte große Nachteil im Online-Handel verschwinden. Es wird in einigen Jahren Technologien geben, mit denen Kunden die Ware wirklich angreifen können, bevor sie etwas bestellen. Das würde vielleicht auch den Kritikpunkt verschwinden lassen, dass Online-Handel aufgrund vieler Retouren nicht nachhaltig sei. Gutschi: Ja, wobei das ohnehin nicht stimmt. Studien wie von der Universität St. Gallen zeigen, dass der Online-Handel schon jetzt 35 Grazer: Fakten Prozent weniger CO 2 -Ausstoß hat als der stationäre. Weil es wie beim Öffi-Fahren ist – du hast wahnsinnig gebündelte Transporte. Dazu kommt, dass die Kunden nachhaltiger denken: Sie kaufen gezielter, sind besser informiert. Unsere Retouren sind letztes Jahr um 28 Prozent gesunken. Und dann kommt die Zustellung selbst: Die Grazer Post wird noch in diesem Jahr komplett CO 2 -frei zustellen, als erster Ballungsraum Österreichs. Sie sind stark im Textilbereich aktiv. Da geht der Trend aktuell in Richtung „Faire Mode“. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Gutschi: Sehr positiv. Da haben Unternehmen eine Verantwortung. Wir lassen Partnerfirmen einen „Code of Conduct“ unterschreiben – darin sichern sie zu, dass ihre Arbeiter z.B. nur maximal sechs Tage die Woche und zehn Stunden am Tag arbeiten. Das wird kontrolliert – beim ersten Verstoß gibt es eine Verwarnung, beim zweiten Mal werden sie ausgelistet. Zurück zur Corona-Krise. Am Baumarkt gab es zuletzt explodierende Preise aufgrund von Produktions- und Lieferengpässen. Wie sieht es in Ihrem Bereich aus? Gutschi: Wir haben die größte Beschaffungskrise der zweiten Republik, auch wenn es viele nicht merken. Die Transportpreise haben sich verzehnfacht, es fehlt an Containern. Wir haben unsere Lager zum Glück gut gefüllt. Wer das nicht gemacht hat, wird im Weihnachtsgeschäft vielleicht keine Ware zum Verkaufen haben. Wird das die Preise beeinflussen? Gutschi: Natürlich. Wir haben jetzt schon 2,5 Prozent Inflation – darüber hinaus glauben wir aber nicht, dass höhere Preise durchsetzbar sind. Die Kunden sind selektiver geworden, preissensibler. In Graz war aufgrund des geplanten Verteilzentrums zuletzt auch Amazon Thema. Wie schafft man es – auch als Großkonzern –, mit diesem Riesen zu konkurrieren? Gutschi: Amazon wird nach allen Prognosen 2022 Wall Mart als größten Händler der Welt ablösen. Das allein zeigt: Das digitale Zeitalter hat begonnen. Uns gelingt es, dagegenzuhalten – wir sind in den letzten 13 Jahren um 25 Prozent im E-Commerce gewachsen. Es gibt genug Raum neben Amazon. Bleiben wir zum Abschluss bei Graz. Was macht den Standort aus? Gutschi: Er ist ideal. Fünf Prozent der Österreicher leben im Großraum Graz, aber ein Drittel der Innovationen kommt von hier. Das liegt an den vielen Hochschulen, die extrem qualifiziertes Personal hervorbringen. Deshalb hat die Stadt auch so exzellente Wachstumsperspektiven. In zehn Jahren wird es vielleicht so sein, dass sich Unternehmen bei den Menschen bewerben, nicht umgekehrt. UNITO hat einen seiner Hauptstandorte seit Jahren in Graz, nahe der FH. UNITO ■ Die UNITO-Gruppe gehört zur Otto-Gruppe, hat ihren Sitz in Graz und Salzburg und gilt als größte Versandhandelsgruppe im Alpenraum. Sie ist bekannt für die Marken Otto, Universal, Quelle, Ackermann und Lascana in Österreich, Deutschland und der Schweiz. ■ Harald Gutschi lebt in Seiersberg-Pirka und ist seit 2007 einer der Geschäftsführer von UNITO. Daneben ist er Vizepräsident des Handelsverbandes.

2022

2021