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25. April

- Immer mehr Beschwerden über Lärm - 35 Jahre Tschernobyl: Ist Graz in Gefahr? - Vision vom Grünen Andritz - GU-Gemeinden sind in Bewegung - In den Urlaub mit der „Grazer“-App

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6 graz www.grazer.at 25. APRIL 2021 K O M M E N T A R von Vojo Radkovic ✏ vojo.radkovic@grazer.at Krähen eines Hahnes kann Musik sein N ichts wird subjektiver wahrgenommen als Lärm. Und Lärm ist nicht gleich Lärm. Verkehrslärm stört, keine Frage, ebenso Baulärm, der kann nervtötend sein, genauso wie Baustellenlärm. Da empfinden alle gleich. Aber nehmen wir Musik: Wenn im Messefreigelände Open-Airs mit Leuten wie Andrea Bocelli, Sting, Elton John oder den Seern stattfinden, genießt der Großteil der Nachbarschaft am Balkon oder am offenen Fenster die nächtliche Beschallung. Spielen Bands wie Volbeat oder Metal-Bands, dann ist das für die Nachbarn Lärm und es hagelt Anzeigen und Beschwerden. Menschen lieben Vogelgezwitscher oder das Krähen eines Hahnes, empfinden das als Musik, andere sehen darin unerträgliche Lärmbelästigung. Was ist laut, was ist leise? Was ist angenehm, was stört? Arbeitsgeräusche wie beim Rasenmähen: für den einen Lärm, für den anderen Alltagssound. Menschen, die im Gastgarten sitzen, lachen, trinken, sich freuen, empfinden sich selbst nicht als Lärmer. Die, die oberhalb des Gastgartens wohnen und schlafen wollen, finden das schier unerträglich. Fakt ist:Lärm ist messbar. Verkehrslärm liegt bei 73 Dezibel, bei Konzerten werden bis zu 120 Dezibel gemessen, und das gilt als gesundheitsgefährdend. Was Lärm ist, liegt oft im Ohr des Betrachters oder Hörers. Oder mit Tucholsky gesagt: Der Hund lärmt nicht, er bellt nur ... 35 Jahre Tschernobyl Ist Graz in Gefahr? STRAHLUNG. Morgen jährt sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum 35. Mal. Rund um Österreich sind nach wie vor einige Atomkraftwerke in Betrieb. Welche Gefahr Graz droht und was im Ernstfall zu beachten ist. Von Julian Bernögger julian.bernoegger@grazer.at Es ist 1.23 Uhr, als ein Ingenieur im Kontrollraum des sow jetischen Kernkraftwerks Tschernobyl den Knopf mit dem Namen AZ-5 drückt. Zuvor war der Reaktor Nummer vier bei einem Sicherheitstest außer Kontrolle geraten. Eigentlich sollte der Notausschalter AZ-5 den Reaktor herunterfahren, doch durch einen Konstruktionsfehler geschieht das Gegenteil – der Reaktor explodiert. Es kommt zur größten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte. Das ist nun 35 Jahre her, doch die Folgen des Unglücks sind immer noch messbar. Nicht nur in der Sperrzone rund um Tschernobyl und die benachbarte Stadt Prypjat – auch in Österreich sind einige Landstriche immer noch mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Rund um das Land sind nach wie vor zahlreiche Atomkraftwerke in Betrieb. Wie realistisch ist ein Atomunglück? „Das kann man schwer abschätzen, es kann immer etwas passieren“, sagt der steirische Strahlenschutzbeauftragte Ewald Plantosar. „Aber genau dafür gibt es einen Alarmplan.“ Für Graz ist besonders das slowenische AKW Krško von Bedeutung. Rund 150 Kilometer trennen die steirische Hauptstadt von dem Kernkraftwerk. Wind und Wetter Die Entfernung ist aber nicht das einzige Kriterium, erklärt Plantosar: „Das Wetter und Luftströme sind von großer Bedeutung. Wir können die Luftmassen nicht an der Grenze aufhalten.“ Bei einem Unfall in Krško spielt also das Wetter eine große Rolle, ob Graz von Radioaktivität getroffen werden würde oder nicht. Weil das AKW in Krško mittlerweile in die Jahre gekommen ist und zudem in einem erdbebenreichen Gebiet steht, fordern Aktivisten immer wieder das Ende des Kraftwerks. Zuletzt machte Aktivisten von Global 2000 protestieren gegen das slowenische AKW Krško. Kalium- jodid- Tabletten schützen die Schilddrüse. KK, GLOBAL 2000, CHRISTOPHER GLANZL sich die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 für die Abschaltung stark. Mit einem explosionsartigen Ereignis wie in Tschernobyl rechnet man allerdings nicht, sagt Plantosar. Die Behörden überwachen ständig die Strahlenbelastung in der Steiermark, zudem steht man im ständigen Austausch mit anderen Staaten. Bei einem Vorfall hätte man so vermutlich mindestens einige Stunden Zeit, um die Bevölkerung zu warnen. Schutz in Gebäuden „Die zwei wichtigsten Maßnahmen im Ernstfall sind Schutz in Gebäuden zu suchen und die Einnahme von Kaliumjodid-Tabletten“, sagt Plantosar. Die Tabletten schützen die Schilddrüse vor der Aufnahme von radioaktivem Jod. Vor allem Kinder und Jugendliche sind hier besonders gefährdet. Ganz wichtig: Die Tabletten dürfen nur nach ausdrücklicher Anordnung der Behörden eingenommen werden. derGrazer IMPRESSUM: „der Grazer“ – Unabhängige Wochenzeitung für Graz und Umgebung | Erscheinungsort: Graz | HERAUSGEBER & MEDIENINHABER: Media 21 GmbH, Gadollaplatz 1, 8010 Graz; Tel. 0 316/23 21 10 | GESCHÄFTSFÜHRUNG/REDAKTION: Gerhard Goldbrich | ASSIS TENZ: Jasmin Strobl (0664/80 666 6695) | CHEFREDAKTION/PROKURA: Tobit Schweighofer (DW 2618) | REDAKTION: Verena Leitold (Leitung E-Paper & Online, 0664/80 666 6691), Vojo Radkovic (0664/80 666 6694), Valentina Gartner (0664/80 666 6890), Fabian Kleindienst (0664/80 666 6538), Julian Bernögger (0664/80 666 6690), Nina Wiesmüller (0664/80 666 6918), Birgit Schweiger (Lektorat, 0650/2540976), Redaktion -Fax-DW 2641, redaktion@grazer.at | ANZEIGENAN- NAHME: Fax 0 316/23 21 10 DW 2627, verkauf@grazer.at | VERKAUF: Michael Midzan (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6891), Selina Gartner (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6848), Robert Heschl (0664/80 666 6897), Mag. 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