7 TAGE SONNTAG

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25. April

- Immer mehr Beschwerden über Lärm - 35 Jahre Tschernobyl: Ist Graz in Gefahr? - Vision vom Grünen Andritz - GU-Gemeinden sind in Bewegung - In den Urlaub mit der „Grazer“-App

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 25. APRIL 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Corona in der Ketchupflasche I n dieser Woche kam wieder einmal das Prinzip Ketchupflasche zum Einsatz. Zuerst kam in Sachen Öffnungen ewig gar nix und plötzlich kommt alles auf einmal. Schon in einem Monat werden wir voraussichtlich wieder in Gastgärten sitzen, in Hotels übernachten, ins Kino und Theater und ins Fußballstadion gehen und abends im Restaurant völlern dürfen. Steigende Zahlen hin, neue Mutationen her: Diese Entwicklung war nicht aufzuhalten, denn es werden täglich mehr, die einfach nicht zuhause bleiben. Da schrecken auch polizeiliche Räumungen von öffentlichen Plätzen, wie kürzlich in Graz geschehen, nicht mehr ab. Die einzige realistische Möglichkeit, halbwegs sicher über die (hoffentlich) letzten Meter der Pandemie zu kommen, ist, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, einander auch auf legale Weise zu treffen. Denn wir treffen uns doch sowieso. Mit einem Regelwerk, also den vielzitierten Grünen Pässen zum Beispiel, wird genau das ermöglicht und viele können die „schiefe Bahn“ wieder verlassen und zur Gesetzestreue zurückkehren. Leicht möglich, dass sich die Zahl der Neuinfektionen dadurch um ein Vielfaches mehr reduziert, als wenn man die Verbote und Beschränkungen durchziehen würde. Hoffen wir das Beste, die Chance darauf besteht! Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Für Frank Stronach gehören Berufskiller zu Österreichs größten Problemen, für Leo Lukas gehören sie zum Job: Er schreibt über sie. Aber erst nach dem Frühstück. KK ... Leo Lukas Der Kabarettist und Autor spricht beim Frühstück über Auftragskiller, das Künstlerleben im Lockdown, die alte Heimat Graz und seine Wanderlust. Der „Bravo“, der Auftragskiller in Ihrem neuen Krimi „Mörder-Quoten“, hat ein tägliches Frühstücksritual. Gibt es so etwas bei Ihnen? Nicht so streng. Ich gehöre aber zu den Menschen, die gern und ausgiebig frühstücken, während meine Lebensgefährtin ganz in der Früh nur einen Kaffee schafft. Ich hab’s auch gern etwas später, da kann es schon sein, dass ich auch das Mittagessen auslasse. Ein wirklich gemeinsames Frühstück gibt’s dann nur am Sonntag – da dann dafür ausgedehnt. Was kommt dann auf den Tisch? Gutes Gebäck, gutes Brot. Ich bin da eher pikant. Wie sieht ein Sonntag idealerweise aus? Da meine Lebensgefährtin einen Nine-to-five-Job hat, schauen wir, dass wir am Wochenende immer eine ausgedehntere Wanderung machen. Sonst haben wir auch immer gerne Badminton gespielt, aber das geht jetzt ja leider nicht. Und wenn Sie nicht wandern oder sporteln? Hab ich eine Vorliebe für Gesellschaftsspiele der ausgefalleneren Art – also Kennerspiele. Auch das ist momentan ja nur online möglich. Wenn ich mich nicht irre, bin ich noch österreichischer Meister im Dominion (lacht). Einfach, weil es seither keine neue Meisterschaft mehr gegeben hat. Spiele taugen mir jedenfalls sehr und zum Glück auch meinen drei Kindern. Wie Sie angesprochen haben, Corona macht vieles unmöglich. Was geht Ihnen besonders ab? Auftritte, ganz klar. Ich hab seit 40 Jahren nicht so wenige Auftritte gespielt wie 2020. Da merke ich schon, wie mir das abgeht. Ich habe ja auch für die Präsentationen meines Krimis ein Programm zusammengestellt, habe extra eine Art Filmmusik dazu geschrieben – das hab ich genau zwei Mal aufgeführt. Aber immerhin konnten Sie den ersten Lockdown zum Schreiben nutzen. Ja, das stimmt teilweise. Ich hatte insofern Glück, dass ich mir sowieso die Zeit bis zum Sommer großteils freigehalten hatte, um den Krimi zu schreiben. Da sind mir weniger fix ausgemachte Auftritte ausgefallen, mit denen man sonst natürlich kalkuliert. Der Protagonist in Ihrem Roman ist ein Komiker, der dann in eine Mordgeschichte verwickelt wird. Wie autobiografisch ist das Buch eigentlich? (lacht) Also direkt hab ich mit der Branche der Auftragsmörder noch nichts zu tun gehabt. Nein, die Hauptfigur Peter Szily ist weiter von mir entfernt, als man auf Anhieb glauben würde. Er ist deutlich jünger, eher Stimmenimitator. Und er ist aus Eibiswald – das ist von Köflach doch ein Stück entfernt (lacht). Ich wollte einfach etwas anderes machen, mit dem Auftragsmörder als Detektiv. Der hat dann eine Art Gegenstück gebraucht, da ist mir dieser Luftikus- Hanswurst Peter Szily untergekommen. Ein Teil der Geschichte spielt jedenfalls in Graz. Fehlt Ihnen die alte Heimat manchmal? Sowieso. Es wäre vielleicht verkaufstechnisch besser, sich auf eine Gegend zu fixieren. Aber ich finde es interessanter, verschiedene Locations zu verwenden. Stichwort „interessant“. Was bringt die Zukunft? In ein paar Wochen sollte ich zum Grazer Krimifest kommen, wenn es stattfinden kann. Ansonsten erscheint diese Woche ein neuer Perry-Rhodan-Roman und ich arbeite am zweiten Teil des Krimis. FABIAN KLEINDIENST Leo Lukas, 1959 in Köflach geboren, ist Kabarettist, Regisseur und Schriftsteller. Er begann seine Karriere als Lokalund Kulturjournalist in Graz, bevor er 1984 hauptberuflich ins Kabarett wechselte. Dort hat er viele Preise gewonnen (zum Beispiel den Salzburger Stier). Seit 2001 gehört er zum Autorenteam der Perry-Rhodan-Serie, neuerdings schreibt er auch Krimis. Lukas ist Vater zweier Töchter und eines Sohnes und lebt heute in Wien.

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