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24. Oktober 2021

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- Graz ist ein Eldorado für Immo-Investoren - Immer mehr setzen auf klimafitte Heizungen - Priesterseminar: Umbau abgesagt - Standl-Wahl: Urkundenübergabe an die Sieger - Siegfried Dick wechselt vom Cuisino ins Schlossberg Restaurant

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2 die seite zwei www.grazer.at 24. OKTOBER 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Wer hat noch nicht, wer will noch mal? E ine der alarmierendsten Meldungen einer langen Reihe von alarmierenden Meldungen in Sachen Covid kam dieser Tage vom Austrian Corona Panel Project: Der Pool an Personen, die impfbereit sind, ist weitgehend ausgeschöpft! Und das, obwohl in Österreich gerade einmal 65 Prozent der Bevölkerung (zumindest einmal) geimpft sind! Ein Prozent sei noch impfbereit gewesen, acht Prozent zögerlich oder unentschlossen und 17 Prozent gar nicht impfbereit. Dabei kann man kaum bessere Argumente für das Impfen bringen, als es die Tatsachen unbestreitbar bereits tun: Nur vier von tausend voll stän dig ge impf ten Men schen erleiden einen Impf durch bruch, infizieren sich also mit Corona. Acht von zehn Covid-Patienten, die auf den Intensivstationen liegen, sind nicht geimpft. Eine Hauptrisikogruppe sind die Kinder. Im September haben nur 30 Prozent der Personen, die mit Kindern bis 14 Jahren in einem Haushalt leben, angegeben, ihre Kinder ehestmöglich impfen lassen zu wollen. Die Sorge der Eltern um ihre Liebsten ist dabei durchaus verständlich, nur muss einem auch bewusst sein (und da sind sich die Experten einig), dass man sich über kurz oder lang hundertprozentig infiziert, wenn man sich nicht impfen lässt. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... Anna Kiesenhofer Beim Frühstück mit dem Grazer bei Cookina gab’s Eierspeis – ansonsten isst Olympiasiegerin Anna Kiesenhofer eher Magertopfen in der Früh. SCHERIAU Mit einer Olympia-Goldmedaille im Gepäck besuchte die Radsportlerin ihre Team-Heimat Graz und erzählte von (Nicht-)Hobbys und Zielen. Haben Sie den Olympia-Sieg schon verdaut? Was gibt’s zum Frühstück? Fast immer Magertopfen mit Chia-Samen und irgendeinem Obst – und Kaffee. Die Goldmedaille war eine Belohnung für viel Arbeit und zehn Jahre Training. Ich bin nach wie vor sehr glücklich und stolz. Jetzt muss ich niemandem mehr etwas beweisen. Das hat mir Selbstvertrauen gegeben, auch wenn ich mir bis zur Ziellinie nicht sicher war. Woher nimmt man die mentale Kraft, als Nebenberufssportlerin ohne großes Team zu Gold zu fahren? Die findet man nicht am Wegesrand. Ich hab viel mit Mentaltrainern gearbeitet, das entwickelt man mit der Zeit. Sind Sie generell eher Einzelkämpferin? Ja! Ich hab schon ein Netzwerk an Leuten, denen ich vertraue. Aber ich fahre für meinen eigenen Sieg und nicht für ein Team. Ich hab die Stricke in der Hand und bin nicht so fremdbestimmt wie viele andere Sportler. Hätte Ihnen ein großes Profiteam vielleicht sogar abgeraten, so früh zu attackieren? Ja, ich glaube schon, weil es nicht der Norm entspricht. Als ich Klaus (Kabasser, Leiter des österreichischen Nationalteams, Anm.) gesagt habe, ich werde bei Kilometer null attackieren, hat er zuerst erstaunt geschaut, aber dann gesagt: „Gute Idee!“ Vielleicht können wir uns von diesem „Eigensinn“ alle eine Scheibe abschneiden ... Ja, man sollte mehr auf sich selbst vertrauen und kritisch gegenüber sogenannten Experten sein – das sieht man auch jetzt während Corona. Wobei man bei allem Kritisch-Sein nicht paranoid werden darf! Generell sollte man nicht so viel Wert darauf legen, was andere denken. Was kümmert’s einen! Ich hab den Knacks, dass ich immer glaub, ich muss andere beeindrucken – das muss nicht sein! Was haben Mathematik und der Radsport gemeinsam? Die Herangehensweise und die Mentalität. Für beides muss man viele Jahre hart arbeiten. Haben Sie auch Hobbys oder machen Sie alles auf Hochleistungsniveau? Normale Hobbys hab ich nicht, das interessiert mich nicht. Dafür hab ich auch gar keine Zeit. Mit Freunden essen zu gehen würde auch gleich wieder zwei Stunden Zeit brauchen. Ich hab keinen Fernseher und Gewand kaufen mag ich sowieso nicht. Da ist es ja praktisch, wenn einem das jetzt Sponsoren liefern, oder? Ja, ich hab mich gefreut, dass bei der Olympia-Ausstattung auch Freizeitkleidung dabei war (lacht). Jetzt brauch ich zwei Jahre keine T-Shirts und Socken kaufen! Sind Sie öfter in Graz? Meistens nur für Fototermine und Teamevents. Viel Zeit bleibt da nicht zum Anschauen, aber der Uhrturm ist schon sehr schön! Wo ist der schönste Ort auf Erden für Sie? Einen konkreten kann ich gar nicht nennen. Aber ich mag Bergankünfte, wie bei mir in der Schweiz. Und im Training liegt da die Anstrengung hinter einem. Welche sind Ihre nächsten Ziele? Langfristig die Olympischen Spiele in Paris 2024. Außerdem die Weltmeisterschaften im Zeitfahren – das liegt mir und macht mir Spaß. Im Moment liegt der Fokus auf dem Sport; auf der Uni hab ich jetzt mal reduziert. VERENA LEITOLD Anna Kiesenhofer wurde am 14. Februar 1991 in Kirchdorf an der Krems geboren. Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio holte sie völlig überraschend Gold im Straßenradrennen. Außerdem wurde sie Sportlerin des Jahres. Sie fährt für das Team Cookina Graz. Hauptberuflich ist sie Mathematikerin an der Technischen Hochschule Lausanne.

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