7 TAGE SONNTAG

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24. November 2019

- Dächerausbau bringt Wohnraum für 36.000 Grazer - Landtagswahl 2019: Was am heutigen Wahltag wichtig ist - 14 neue Euro-6-Busse sind fix - Odyssee: Zwei Busse nahmen Rollstuhlfahrer nicht mit -Augartenbucht: Bäume werden jetzt gepflanzt - Kampf der Gewalt an Frauen - Andritz, quo vadis? - Gefährlicher Verkehr aus der Max-Mell-Allee - Starkoch Konstantin Filippou: Merkur greift nach den Sternen - Eggenberg: Hufeisennase wird vor Feuer geschützt - Start in die Punsch-Saison

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 24. NOVEMBER 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Der steirische Wahlschlaf ist zu Ende M üd. Mit diesem Wort lässt sich das Wahlverhalten von uns Steirern wohl leider am besten beschreiben. Die Wahlbeteiligung an der letzten Landtagswahl 2015 lag gerade einmal bei 67,9 Prozent. Einer von drei Wahlberechtigten blieb demnach einfach zu Hause, das hat es überhaupt noch nie gegeben. Groteskerweise waren die Nichtwähler mit 32,1 Prozent sogar – wenn man so will – die stimmenstärkste Partei, denn die SPÖ kam damals unter Franz Voves als Wahlsieger gerade einmal auf 29,3 Prozent. Eine demokratiepolitische Peinlichkeit, die wir heute bitte nicht noch einmal wiederholen sollten. Dabei gelten die Ausreden der allgemeinen Politikverdrossenheit und dass deshalb eh nirgends mehr jemand zur Wahl geht, nicht. In Oberösterreich zum Beispiel lag die Wahlbeteiligung bei der letzten Landtagswahl 2015 bei 81,6 Prozent, das haben wir in den letzten 23 Jahren nicht geschafft. Demzufolge müssen wir uns selbst schon eine gewisse chronische Wahlmüdigkeit attestieren. So selbstkritisch muss man sein. Es gilt, die Müdigkeit abzuschütteln, uns einmal durchzustrecken, aufzuwachen und wählen zu gehen: Immerhin geht es heute um etwas, nämlich um nicht weniger als um unser aller Zukunft. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... Peter Filzmaier Vor seinen heutigen TV-Wahlanalysen hat der Politologe mit uns über Wünsche und Musik gesprochen – und darüber, warum er selbst nicht Politiker sein könnte. Bleibt am heutigen Wahlsonntag überhaupt Zeit für ein Frühstück? Auf jeden Fall gibt’s viel Frühstück. Es ist eine Art sehr früher Brunch. Denn spätestens ab Mittag bin ich für die Vorbereitung der Wahlforschung und die Sendungen im ORF voll im Einsatz. Da habe ich nur noch die Chance auf ungesunde Snacks zwischendurch. Mit ziemlichem Risiko übrigens: Schokopower darf ja mal sein, aber im Fernsehen Schokoladeflecken auf Anzug und Krawatte? Wie viel Kaffee brauchen Sie, um den Tag durchzustehen? Ich habe lange Laufsport gemacht, und da war ein anregender Kaffee vor dem Morgentraining ein Tabu – aus, sagen wir, sozusagen technischen Gründen (lacht). Inzwischen trinke ich ab und zu einen Kaffee, schaffe es aber genauso ohne Koffein. Wie verbringen Sie einen perfekten Sonntag, wenn keine Wahl ansteht? Hey, der Wahlsonntag ist ein perfekter Sonntag! Es gibt ja für einen Politik- und Wahlforscher beruflich nichts Spannenderes. Natürlich mag ich Sonne und Meer, aber wer in meinem Beruf so einen Sonntag nicht faszinierend findet, der ist fehl am Platz. Wochenende hin oder her. Wie hat sich die Politik in den letzten Jahren verändert? Man hat den Eindruck, der Ton wird rauer ... Jein. Nicht zuletzt durch Facebook, Twitter und Co hat sich die Negativkommunikation in der Politik mindestens beschleunigt. Doch ich bin misstrauisch, wenn jemand meint, das früher alles besser gewesen wäre. Es gibt ja genug alte Beispiele von negativer Wahlwerbung. Noch früher waren wir nicht einmal eine Demokratie und es haben die politischen Lager aufeinander geschossen. Wäre Politik von der anderen Seite etwas für Sie? Könnten Sie Politiker sein? Nein! Das meine ich jetzt sehr ehrlich und voller Bevor es die heutige Landtagswahl zu kommentieren gilt, genießt Politikwissenschaftler Peter Filzmaier ein ausgiebiges Frühstück. LACH Respekt für Politiker, die gut in ihrem Beruf sind: Politik ist ein schwieriger Job mit einem sehr komplexen Anforderungsprofil. Ich könnte das nicht. Wenn ich ein bisschen von Medien und öffentlicher Kommunikation verstehe, habe ich trotzdem weder die Organisations- noch die Fachkompetenz, um etwa ein Landesrat für Bildung, Gesundheit, Verkehr oder was auch immer sein zu können. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das? Ach herrje, da ist der dritte Wunsch ja immer, dass man drei weitere Wünsche haben darf! Ansonsten bin ich sehr unoriginell und habe einfach Gesundheit als Wunsch. Für alle meine Lieben und mich. Welches war das letzte Konzert, auf dem Sie waren? Oje, das ist ewig her. Weil aber zum Jahreswechsel ein Buch meiner schönsten Sportgeschichten erscheinen wird, habe ich mich mit Sportsongs beschäftigt. Von Whitney Houstons „One Moment in Time“ bis zu Alan Parsons Projects „Sirius“ als In tro für die legendären Chicago Bulls. Zu Sirius gehört also weniger ein Konzert als vor allem einer, der kein Sänger ist: Michael Jordan! Wer den nicht kennt, soll bitte seinen Namen und Basketball auf Youtube eingeben. Dann einfach schauen und staunen! Wohin möchten Sie unbedingt gerne einmal reisen? Immer wieder in die USA. Ich möchte dort nicht leben, doch als Beobachter ist es die spannendste Mediendemokratie der Welt. Trotz Donald Trump. Oder gerade wegen ihm. VERENA LEITOLD Peter Filzmaier wurde am 5. September 1967 in Wien geboren. Er ist Professor für Politikwissenschaft an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Donau-Universität Krems. Dem breiten Publikum ist er als Analytiker des ORF bekannt.

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