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24. Jänner 2021

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- Weitere Anschuldigungen bei Corona-Massentests: Sexuelle Belästigung auch in Premstätten - Straßentafeln, Fußgängerleitsystem, Rad-Highway, Rasengleise: „Bitte warten“ bei vielen Großprojekten - Amazon soll nach Graz kommen: Wo bleibt der Aufschrei? - Studierende werden in der Corona-Krise vergessen: Grazerin schreibt offenen Brief - Zweiter Eissalon in der Grazer Innenstadt - Neue Pizzeria in Graz - Annenpassage könnte Club für die Jugend werden - Runder Tisch der Industrie: Mit der Lehre zu den Jobs der Zukunft

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10 graz www.grazer.at 24. JÄNNER 2021 Runder Tisch der Industrie: Mit der Lehre zu den Jobs Eine Lehre in der Industrie bedeutet heute, laufend an den neuesten Innovationen mitzuarbeiten. MOTIVIERT. Die Industrie setzt verstärkt auf die Lehre. In einem ausführlichen Gespräch berichten Experten von Vorzügen, Schwerpunkten und Perspektiven. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Auch wenn die Corona-Krise und die damit einhergehende hohe Arbeitslosigkeit es teilweise vergessen lassen, so gibt es sie doch noch: krisensichere Jobs mit Zukunft. Immer wieder wurde in den letzten Jahren der Fachkräftemangel in der Industrie als eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft genannt – und immer noch werden zahlreiche Lehrlinge gesucht. Mit durchaus attraktivem Angebot: So stehen einem nach der Lehre vielfältige Karrieremöglichkeiten offen, auch der Verdienst ist überdurchschnittlich. Ein Metalltechnik-Lehrling beispielsweise verdient mindestens 1656,75 Euro (viertes Lehrjahr) und nach dem Lehrabschluss Mit einer Lehre in der Industrie arbeitet man im innovativsten Bereich der Steiermark.“ Hans Höllwart, SFL Engineering & Obmann Metalltechnische Industrie Steiermark mindestens 2328,44 Euro. Damit ist es aber längst nicht getan, wie Bei Siemens werden für das heurige Jahr wieder Lehrlinge gesucht. Hansjörg Tutner von Magna Steyr und gleichzeitig Vorsitzender der Fahrzeugindustrie Steiermark betont: „Es ist leider immer noch ein harter Kampf, Lehrstellen zu besetzen. Dabei sind die ausgebildeten Lehrlinge das Rückgrat unserer Industrie. Diese Qualifikation rund um die Produktion auf höchstem Niveau, das macht ganz wesentlich unseren Industriestandort aus.“ Bei Magna sucht man für den heurigen Eintrittstermin im September 55 Lehrlinge in 14 technischen Lehrberufen – die wichtigsten sind Mechatronik, Karosseriebautechnik, Kfz-Werkzeugbau und Zerspanungstechnik Hans Höllwart sowie Elektrotechnik. Jobs mit Zukunft Dementsprechend, so Tutner, kämpfe man auch darum, den Ruf der Lehre zu bessern und diese Stellen zu besetzen. „Das Problem ist, dass viele noch veraltete Bilder von der Industrie im Kopf haben“, betont auch Hans Höllwart von SFL Engineering und gleichzeitig Obmann der Metalltechnischen Industrie Steiermark. „Dabei ist die Industrie heute hauptsächlich mit Innovation, dem Umweltsektor, Forschung und Lehre verbunden.“ Sein Unternehmen sucht für Herbst wieder sechs bis acht Metalltechniker-Lehrlinge. Dass ein Job in der Industrie heutzutage bedeutet, in den innovativsten Unternehmen der Steiermark mitzuarbeiten, zeigen auch die nackten Zahlen: Die steirischen Industriebetriebe geben jährlich 1,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus, im Schnitt gehen rund 100.000 Euro in die Ausbildung eines einzigen Industrielehrlings. „Bei uns ist man mittendrin statt nur mit dabei“, so Tutner. Schon das zeigt die Wertigkeit, die Lehrlingen entgegengebracht wird, egal ob in der Metalltechnischen Industrie, der Fahrzeugindustrie oder der Elektro- und Elektronikindustrie. Gerade in diesen innovativen Bereichen liegen die Jobs der Zukunft, da sind sich die Experten einig. So hat man bei Siemens beispielsweise seit Herbst eine neue Lehrausbildung zu „Applikationsentwicklung und Coding“, wie Herbert Tanner, Fachvertreter der Elektro- und Elektronikindustrie, erzählt: „Man hat die Lehre zu lange vernachlässigt und

24. JÄNNER 2021 www.grazer.at graz 11 der Zukunft die Ausbildung unterschätzt.“ Er sucht am Standort Graz für den Lehrlingsstart im Herbst mehr als fünf Lehrlinge für Anlagen- und Betriebstechnik sowie Applikationsentwicklung. Karriere mit Lehre „Früher hat man oft gesagt: Entweder du lernst g’scheit, oder du gehst in die Lehre“, erinnert sich Höllwart kopfschüttelnd. Das sei längst nicht mehr aktuell. „Den Verdienst, den man in seiner Lehre macht, holen andere nur schwer auf“, ist er überzeugt. Doch nicht nur das Einstiegsgehalt kann sich durchaus sehen lassen, auch der weiteren Karriere sind keine Grenzen gesetzt, wie die Experten einhellig betonen: „Wir haben bei Magna Steyr quer in alle Führungsebenen bis ins Top-Management Leute, die einmal bei uns eine Lehre angefangen haben“, erzählt Tutner. Viele seien mit dem guten Gehalt als Fachkraft nach der Lehre zufrieden, doch auch daran anschließende Ausbildungen werden von den Betrieben gerne unterstützt. „Unser Fokus liegt natürlich darauf, dass die Leute nach ihrer Ausbildung einen coolen Job bei uns haben“, betont Tanner. „Wer dann aber noch Interesse hat, mehr zu tun, die Matura nachzumachen oder zu studieren – da sind wir in alle Richtungen offen.“ Höllwart verweist auf aktuelle Vorbilder: „Wir haben da zum Beispiel zwei junge Frauen im Unternehmen, die eine ausgezeichnete Lehre absolviert haben und jetzt den Meistertitel anstreben. Sie sind jetzt schon voll motiviert im ersten Ausbildungsjahr.“ Auch der umgekehrte Weg ist keine Seltenheit. Viele entscheiden sich erst nach der Matura für eine Lehre, 55 Prozent der Betriebe erhielten Man hat die Lehre zu lange vernachlässigt und die Ausbildung unterschätzt.“ Herbert Tanner, Siemens AG & Fachvertreter der Elektro- und Elektronikindustrie Steiermark Herbert Tanner auch Bewerbungen von Maturanten. Mehr Frauen Ein zentraler Baustein, um den Fachkräftemangel zu beseitigen und den Industrie standort nachhaltig zu stärken – da waren sich alle drei Experten einig –, ist, mehr Frauen in die industriellen Lehrberufe zu bringen. „Da ist es wichtig, schon im Kindergarten anzusetzen. Früher war es so, dass Auch Frauen sehen eine Karriere in der Industrie zunehmend als spannende und attraktive Option. DIEINDUSTRIE.AT/MIKE LINDTNER, DIEINDUSTRIE.AT/MATHIAS KNIEPEISS (2), ZUKUNFT INDUSTRIE, KK (3) Für viele Jugendliche ein Traum: am Bau eines Autos beteiligt zu sein. den Mädchen eine Puppe in die Hand gedrückt wurde und den Buben ein Auto. Das ist nicht richtig. Deshalb setzen wir Angebote und bieten beispielsweise an Schulen Schnuppertage an – denn auch Mädchen macht es Spaß, gewisse technische Dinge auszuprobieren“, zeigt sich Höllwart überzeugt. Tutner ergänzt: „Je diverser eine Belegschaft ist, desto besser. Ein rein männliches Team wird sicher immer nur das zweitbeste sein, wenn es eines gibt, in dem auch Frauen sind.“ Frauen würden auch Impulse und dringend gesuchte Fähigkeiten und Eigenschaften mitbringen, wie Tanner hervorhebt: „Für uns sind heutzutage besonders auch die Soft Skills wie beispielsweise Teamfähigkeit oder Motivation wichtig. Da bringen Frauen oft Dinge mit, die speziell in der Arbeit im Team guttun, weshalb ich mir auch in jedem unserer Teams eine Frau wünsche.“ Berührungsängste müsse man Bei uns ist man mittendrin und nicht nur mit dabei.“ Hansjörg Tutner, Magna Steyr Fahrzeugtechnik & Vorsitzender Fahrzeugindustrie Steiermark heutzutage jedenfalls keine mehr haben: Zum einen seien die Bilder der Industrie als laut, schmutzig und schwer – bei allen Herausforderungen, die mit den Jobs einhergehen – veraltete Klischees. Zum anderen müssen sich Frauen und Mädchen auch um die Integration keine Sorgen mehr machen: „Der Anteil der jungen Frauen in den Industrie wächst stetig an, da muss sich also niemand sorgen, alleine zu sein“, so Höllwart augenzwinkernd. Mittlerweile sind 22 Prozent der Lehrlinge in den drei Branchen weiblich, 2007 waren es 14 Prozent. Top Ausbildung Schon während der Lehrzeit wird viel geboten: von Prämien für besonders gute Leistungen über den Einsatz in konkreten Projekten, um möglichst viel von der Praxis aufzuschnappen, bis hin zu Lehrlings-Austausch- programmen mit Standorten im Ausland – hier ist vieles möglich. Nach der Ausbildung hat man dann nicht nur eine top Ausbildung, sondern in den allermeisten Fällen auch Sicherheit für die Zukunft: „Wir haben natürlich das Ziel, die Lehrlinge, die wir ausbilden, auch im Betrieb zu halten“, betont Tutner. Das gelingt auch meistens: Ganze 80 Prozent bleiben längerfristig beim selben Arbeitgeber, acht von zehn sind auch fünf Jahre nach der Lehrabschlussprüfung noch im Ausbildungsbetrieb tätig. Die Lehre bleibt also eine zukunftsfähige Ausbildung mit Karrierechancen, wie Höllwart auch abschließend noch einmal zusammenfasst: „Man verdient überdurchschnittlich, hat einen sicheren Job und arbeitet im innovativsten Bereich der Steiermark.“ Näheres zu den verschiedenen Lehrstellen findet sich unter: http://www.dieindustrie/lehre Hansjörg Tutner

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