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23. September 2018

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- Alarmierende Studie zu Stadtpark-Eichhörnchen: Kleine Hansis in großer Not - Top-Konferenz in Graz: Eltern müssen auf die Schulbank - SozialCard-Inhaber: Jeder Dritte ist Ausländer - Wildplakatierung macht Grazer Behörden wild - Graz braucht 88 neue Schulklassen - Aufsteirern 2018

40 wohnen www.grazer.at

40 wohnen www.grazer.at 23. SEPTEMBER 2018 Weg vom Gemeindebau, BAUBOOM. Im Doppel-Gespräch erklären Bürgermeister und Vizebürgermeister, warum Graz jährlich tausende neue Wohnungen braucht und warum der Gemeindebau ein völlig neues Image verpasst bekommt. Von Daniel Windisch daniel.windisch@grazer.at Wohnen ist das zentrale Thema in einer Stadt wie Graz, die jährlich um tausende Einwohner wächst. Aus diesem Grund bat „der Grazer“ die beiden für den Bereich Siegfried Nagl Bürgermeister Wohnen zuständigen Stadtregierer zum exklusiven Doppel-Gespräch: Bürgermeister Siegfried Nagl, verantwortlich für Stadtplanung und Stadtbaudirektion, und Vizebürgermeister Mario Eustacchio, als Wohnungsreferent „Herr“ über Wohnungsamt und Gemeindewohnungen. „Früher gab es den guten Osten und den schlechten Westen. Ich möchte, dass es heißt: der gute Osten und der coole Westen.“ „Ein Beobachter hat mir gesagt: Andere Städte wachsen quantitativ, wir wachsen qualitativ. Hier in Graz wird nicht nur viel gebaut, es wird auch mit Qualität gebaut.“ „Wir wollen hin zum Wohnservice und weg von der Almosenwohnung. Wir müssen vom Wort ‚Gemeindebau‘ zum ‚Stadt-Wohnen‘.“ Für Nagl ist die Zuwanderung eine große Herausforderung für Graz – die aber bisher bewältigt wurde: „Wenn du jährlich eine Zunahme von 5000 Leuten hast, musst du 2500 Wohnungen jährlich errichten. Hätten wir das nicht gemacht, wären die Mieten explodiert.“ In Graz werde beim Bauen aber nicht nur auf Quantität, sondern vor allem auf Qualität geachtet, in der Architektur und der „Umgebungsqualität“, also Grünraum und Verkehrsanbindung. Graz habe aber auch Glück, dass etwa in Reininghaus ein riesiges Areal zur Verfügung stehe, auf dem eine neue „Kernstadt“ entstehe – „inklusive Schulcampus, Kindergarten, Straßenbahn. Du kannst hier deine Kinder von der Krabbelstube bis zur FH schicken, ohne aufs Auto angewiesen zu sein“, so Nagl. Die Stadt bekomme insgesamt eine neue Identität: „Früher gab es den guten Osten und den schlechten Westen. Ich möchte, dass es heißt: der gute Osten und der coole Westen.“ Eustacchio bestätigt, dass der Stadt der Wohnbau ein großes Anliegen ist. Das zeige sich auch daran, dass die Stadt seit über 40 Jahren erstmals wieder selbst Wohnungen gebaut habe. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir in dieser Periode 500 neue Wohnungen bauen. Heuer haben wir bereits 71 Wohnungen übergeben, 76 weitere werden heuer noch übergeben“, sieht Eustacchio die Stadt auf gutem Kurs. Gemeinsam mit dem Land Steiermark errichtet man zudem 40 „Starter- Wohnungen“ für junge Familien. Ganz generell wollen Eustacchio und Nagl dem Gemeindebau ein neues Image verpassen. „Wir wollen hin zu Wohnservice, weg von der Almosenwohnung. Wir müssen vom Wort ‚Gemeindebau‘ zum ‚Stadt-Wohnen‘“, formuliert es Nagl. „Wir wollen weg von der Armutsverwaltung“, fügt Eustacchio an. „Der Gemeindebau steht ja viel mehr Menschen zur Verfügung, als sie glauben. Wir haben ihn für große Teile der Bevölkerung aufge- macht“, verweist Eustacchio darauf, dass die Einkommensgrenzen für den Anspruch auf eine Gemeindewohnung angepasst wurden. Durch die Änderung der Vergaberichtlinien – z. B. muss man fünf Jahre in Graz gemeldet sein, ehe man um eine Gemeindewohnung ansuchen kann – sind auch die Wartezeiten kürzer geworden. So wartet man für eine Mehrpersonenwohnung im Schnitt nur noch sechs statt früher 18 bis 24 Monate. Im Rahmen der „Wohnbauoffensive“ gebe die Stadt bis Ende 2018 für Neubau und Sanierung 36 Millionen Euro aus. Mietwohnungen zu schaffen allein reiche aber nicht aus, meint Nagl: Die Politik müsse sich „sehr bemühen, dass wir jungen Menschen wieder zu Eigentum verhelfen“. Gemeinsam mit dem Land Steiermark wollen Nagl und Eustacchio hier „neue Wege beschreiten“.

23. SEPTEMBER 2018 www.grazer.at wohnen 41 hin zum Stadt-Wohnen Vizebürgermeister Mario Eustacchio, Bürgermeister Siegfried Nagl und Nagl-Sprecher Thomas Rajakovics (von links) im Wohn-Gespräch mit „Grazer“-Geschäftsführer Gerhard Goldbrich und „Grazer“-Redakteur Daniel Windisch LUEF (5) „Wir wollen weg von der Armutsverwaltung. Wir wollen das Image des Gemeindebaus verbessern.“ Mario Eustacchio Vizebürgermeister „Der Gemeindebau steht ja viel mehr Menschen zur Verfügung, als sie glauben. Wir haben ihn für große Teile der Bevölkerung aufgemacht.“ „Seit über 40 Jahren hat die Stadt erstmals wieder selbst Wohnungen gebaut. Wir vermehren damit ja auch das Vermögen der Stadt.“

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