7 TAGE SONNTAG

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23. Dezember 2018

- Rotes Kreuz sucht ein neues Headquarter in Graz - Kulturjahr 2020 möchte „urbane Zukunft schaffen“ - Mit Sportsgeist gelingt Inklusion - Aus für roten Teppich in der Schmiedgasse - In Freibädern soll es Gratis-Eislaufen geben - Weihnachtserinnerungen der Promis

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die seite 2 www.grazer.at 23. DEZEMBER 2018 Inhalts-Quiz Wem gehören diese Augen? 1 Janine Bockner 2 Justine Bullner 3 Julia Stierner Lösung Seite 13 Was ist das? 1 Weihnachtsstern 2 Ringkissen 3 Brosche Lösung Seite 20 Was kostet das? 1 2 3 ab 45.239 Euro ab 15.699 Euro ab 76.099 Euro Lösung Seite 26 Navigator Lokales4–11 Szene12-17 Eco18/19 Viva 20/21 Wohnen 22/23 Motor26/27 Sport 28/29 Rätsel30/31 Sonntagsfrühstück mit ... ... Pater August Janisch Der Pater des Stift Rein spricht über ausgefüllte Arbeitstage zu Weihnachten, Konsumzwang, Medienaffinität, Franz Fuchs – und erklärt, was für ihn Weihnachten ist. An den Weihnachtstagen brauchen Pfarrer viel Ausdauer. Wie stärken Sie sich da? Hin und wieder mit Gebäck und Honig. Meistens aber typisch oststeirisch: ein dampfender Sterz kommt auf den Tisch, darüber gieße ich kalte Milch, dazu gibt es Kaffee. Das gibt Kraft ... ... die bei den Feierlichkeiten nötig ist? Frühstück ist meine wichtigste Mahlzeit, meine Tage beginnen schon um 5 Uhr. Zu Weihnachten erst recht: Die Tage sind sehr ausgefüllt. Mess-Vorbereitungen und Messen, die Vesper-Andacht, Mette etc. So halte ich etwa morgen im nahen Josefsheim der Kreuzschwestern eine Messe. Wie feiern Sie selbst? Im Kreise der Mitbrüder im Stift Rein. Wir sitzen bei gutem Abendessen, es wird gesungen und die Stimmung ist feierlich. Gibt es auch eine Bescherung? Untereinander nicht. Manchmal bringen Besucher etwas. Da freue ich mich, generell sind Geschenke aber zu Weihnachten kein Thema für mich. Schon von klein auf. Auf unserem Bauernhof im Hartberger Land wurde höchstens Nützliches geschenkt, warme Kleidung etwa. Praktisch, denn zur Mitternachtsmette ging es über vier Kilometer bei teils hohem Schnee. Bekritteln Sie den vermeintlichen Konsumzwang dieser Tage? Aber nein! Jemandem eine Freude zu bereiten, ist etwas Schönes. Auch materiell. Problematisch wird es jedoch, wenn Schenken stresst, anstatt dass man liebevolle Gedanken mit dem Präsent an einen geliebten Menschen verbindet. Wollte August Janisch immer Pfarrer werden? Ja! Mit zehn Jahren stand mein Entschluss fest. Ich war vom Glauben fasziniert. Dass die Kirchen heute teils leer sind, ist traurig. Ich mache jedoch auch niemandem Vorhaltungen, wenn er nicht zur Messe kommt Zum Gespräch mit dem „Grazer“ gönnt sich August Janisch ein Stück Mohnpotize aus der Stiftsküche. Sein „erstes Frühstück“ im Morgengrauen ist ein deftiger Sterz. lach oder aus der Kirche austritt. Mir hilft da mein Zugang zu meinem Beruf: Ich will das Beste tun, was ich kann, um den christlichen Glauben zu vermitteln. Wie jemand das annimmt, ist jedem unbenommen. Oft hört man, Sie vermitteln eine innere Ruhe. Was tun Sie, um zu entspannen? Ich gehe spazieren. Natürlich lese ich sehr viel. Auch was auf Facebook passiert! Ich bin da recht aktiv, schreibe auch einen Stifts-Newsletter. Fernseher hab ich keinen, für Nachrichten nutz ich die TV-Thek oder Zeitungen. Informiert bin ich immer, auch in Sachen Sport. Was der TSV Hartberg aktuell vollbringt, macht mich als Kind der Region schon stolz. Apropos Nachrichten: Das Briefbombenattentat von Franz Fuchs auf Sie jährt sich heuer zum 25. Mal. Wird man da nachdenklich? Es ist Teil meines Lebens. Omnipräsent ist das Ereignis nicht. Ich hätte Fuchs gern getroffen. Es hat sich nie ergeben. Ins Gebet schließe ich ihn ein. Warmherzigkeit ist zu Weihnachten stets Thema. Trotzdem verliert das Fest viel seines Zaubers. Pater August, was ist Weihnachten? Ich erzähle Ihnen was. Seit 2015 betreue ich im Stift Flüchtlinge aus Syrien. Wir konnten vielen zu Ausbildungen verhelfen. Einer, er verlor im Krieg die Eltern, fand hier inzwischen eine fixe Anstellung als Tischler. Kürzlich rief mich sein Chef an. Er informierte mich, dass unser Schützling zu Weihnachten nicht im Stift sein kann. Er feiert bei ihm und seiner Familie. Das ist es. Das ist Weihnachten. PHILIPP BRAUNEGGER Pater August Janisch (geb. 6. Juli 1942, St. Ruprecht/Raab) steht im Orden der Zisterzienser des Stifts Rein (Profess 2005). 2017 erhielt er den „Josef-Krainer-Heimatpreis“ für Verdienste um die Kulturerhaltung. Bekannt ist er u. a. für seine Kulturliebe und das Engagement für Flüchtlinge.

2021