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21. November 2021

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- Bürgermeisterin Elke Kahr im Interview - Stadt Graz in Frauenhand - Schon jetzt mehr tödliche Straßenverkehrsunfälle als im Vorjahr - Judenstern-Sticker schockt Graz - Fußballstar Wolfgang Mair ist Künstler Kowalski

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12 graz www.grazer.at 21. NOVEMBER 2021 Experten rechnen vor: Graz hat im Verkehrsbereich noch Hausaufgaben Die neue Stadtregierung will den Straßenbahnverkehr stark ausbauen. Experten vom Verkehrsclub Österreich sehen Maßnahmen als notwendig. LUEF, FISCHER NEU. Um die Klimaziele zu erreichen, muss in Graz laut VCÖ in Mobilitätsfragen noch einiges passieren. Dabei geht es vor allem um den Öffi- und Radverkehr-Ausbau, im Regierungsprogramm findet sich einiges. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Er war eines der bestimmenden Themen im Wahlkampf – und wird es wohl auch in den kommenden Jahren für die neue Stadtregierung bleiben: der Grazer Verkehr. Die U-Bahn ist mit dem Regierungswechsel wohl vom Tisch, allein die Klimakrise macht laut Experten aber ein Handeln schnell notwendig. So zeigte eine Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erst vor kurzem, dass in der Steiermark pro Jahr und Person 2900 Kilo CO 2 durch den Verkehr verursacht werden –in Graz liegt man da etwas besser, da die Pkw-Dichte pro 1000 Einwohnern um 23 Prozent niedriger ist als im Landesschnitt. Der VCÖ rechnet in einer aktuellen Publikation auch mit der österreichischen Infrastrukturpolitik ab – während andere Bereiche wie der Gebäudesektor mittlerweile weniger Treibhaus- gase verursachen als 1990, sind die Emissionen im Verkehrssektor sogar gestiegen. „Nach dem coronabedingten Rückgang der Treibhausgas-Emissionen im Vorjahr droht heuer wieder eine starke Zunahme“, warnt VCÖ- Experte Michael Schwendinger. Viel Potenzial Eine Umstellung sei absolut nötig, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Auch in Graz muss da noch viel getan werden, wie es seitens des VCÖ heißt: „Das Potenzial für mehr umweltverträgliche Mobilität ist in Graz sehr groß. Zentral ist, dass die Infrastruktur für die gesunde, bewegungsaktive Mobilität, also für das Gehen und Radfahren, stark ausgebaut und verbessert wird“, so Schwendinger. Im Vergleich zur letzten Mobilitätserhebung 2018 müsste der Anteil der mit Öffis zurückgelegten Wege von 20 auf 29 Prozent erhöht werden, der Anteil der zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege sogar von 38 auf mindestens 50 Prozent. Kritik von der WK Tatsächlich nimmt die Mobilität eine wichtige Stellung im Regierungsprogramm ein. „Der Straßenbahnausbau ist mir besonders wichtig. Die Innenstadtentlastung muss nächstes Jahr gemacht werden. Parallel dazu werden wir gleich mit den Planungen der Süd-West-Linie über den Griesplatz beginnen, der ja gleichzeitig auch umgestaltet werden soll“, berichtet Vizebürgermeisterin und Neo-Verkehrsstadträtin Judith Schwentner. Neben den genannten Themen finden sich auch Prestigeprojekte wie „Ein Fahrrad für jedes Kind“, die Erhöhung des Zuschusses zur Jahreskarte sowie die Schaffung von Radschnellwegen im Programm. Leichte Kritik kam diese Woche von der WKO Graz, die fehlende Ansagen zum S-Bahn- Ausbau sowie zu einer Nord- West-Linie nach Gösting bemängelte (siehe Seiten 38/39). Schwentner: „Wir haben ein Expertengremium eingesetzt, das prüft, welche ÖV-Lösung für den Großraum Graz am sinnvollsten ist. Wir werden dabei auf bestehende Systeme wie Straßenbahn und S-Bahn aufsetzen. Von den Ergebnissen der Arbeitsgruppe hängt auch der Ausbau der weiteren Straßenbahnlinien ab.“ Potenzial zur Reduktion der Verkehrsbelastung gibt es laut VCÖ jedenfalls reichlich – und auch Vorbilder. Bei der Schaffung von Fußgängerzonen beispielsweise lohne sich ein Blick nach Ljubljana oder gar nach Bern, wo es über 100 gibt. Gleichzeitig seien die Parktarife zu erhöhen, für den Güterverkehr empfehlen die VCÖ-Experten eine Umweltzone, in der im inneren Kreis nur mit emissionsfreien Fahrzeugen zugestellt werden darf.

21. NOVEMBER 2021 www.grazer.at graz 13 Wurmmittel wie warme Semmeln WAHNSINN. Das von Herbert Kickl gegen Corona empfohlene Pferdeentwurmungsmittel findet auch hierzulande reißenden Absatz. Heuer wurde doppelt so viel verkauft wie im Jahr 2019. Von Tobit Schweighofer tobit.schweighofer@grazer.at Bevor er sich selbst mit Corona infizierte, riet FP-Chef Herbert Kickl den Österreichern, ein Pferde-Entwurmungsmittel zu schlucken. Auch wenn Ärzte und Wissenschaftler eindringlich davor warnten, dem Ratschlag zu folgen, sind zahlreiche Menschen dazu bereit, sich selbst zu gefährden. „Im letzten Jahr wurde doppelt so viel abgesetzt wie 2019“, berichtet der Präsident der steirischen Apothekerkammer Gerhard Kobinger. Die Rezepte stammen aber nicht von österreichischen Ärzten. „Wir haben es oft mit Scheinen aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei zu tun. Deren Rezepte sind EU-weit gültig, daher wird es meist auch ausgegeben.“ Nicht ohne Folgen: Eine Oststeirerin ist nach der Einnahme des Präparats auf der Intensivstation gelandet – und sie blieb nicht die Einzige mit Vergiftungserscheinungen. Weitere Opfer gab es in Oberösterreich. Auch das ebenfalls von Kickl empfohlene Vitamin D wurde bereits „missbraucht“: Die wochenlange Einnahme eines hoch dosierten Präparats brachte einen Grazer ins LKH. Grundsätzlich würden Kunden, bei denen der Verdacht einer missbräuchlichen Anwendung – eben als vermeintliches Corona-Heilmittel – bestehe, darüber aufgeklärt, „dass das in dem Fall mehr Schaden als Nutzen bringt“, betont Kobinger, der an alle appelliert: „Bitte halten Sie sich an die offiziellen Empfehlungen. Alles andere ist sehr gefährlich!“ Gerhard Kobinger von der St. Franziskus Apotheke warnt vor „Kickls“ Entwurmungsmittel. Inzwischen gibt es auch schon erste Opfer.FRANZISKUS APOTHEKE

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