7 TAGE SONNTAG

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20. Juni 2021

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- Opernpavillon wird nach 30 Jahren umgebaut - Film ab für Grazer Autokino - Fahnenverbot in Herrengasse - Immer mehr Drogentote in Graz - Grazer Univiertel bleibt geschlossen - Spannung im Grazer Stadtpokal

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 20. JUNI 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Rankings als Rückgrat der Gesellschaft T abellen und Ranglisten geben Halt und vermitteln eine Art der Ordnung, die einen auf seinen Platz verweist. Besonders in diesen unsicheren Zeiten, in denen wir vor lauter Informationen kaum noch etwas wissen, können solche Rankings sehr anziehend wirken. Graz wurde in dieser Woche gleich in zwei internationalen Ranglisten auffällig. In einer Untersuchung der Europäischen Umweltagentur zum Thema Luftqualität landete die steirische Landeshauptstadt unter 323 Städten nur auf Platz 234 und damit auf dem schlechtesten Rang der untersuchten österreichischen Städte. Laut einer deutschen Studie hingegen befindet sich Graz aktuell auch unter den Top 10 der weltweit am wenigsten stressgeplagten Städte. Was lernen wir daraus über uns? Offenbar sind wir ein fatalistisches Völkchen, das auf die Umwelt pfeift, die Luft verpestet, wohl auch darunter leidet, aber dabei dennoch schwer entspannt bleibt und das Leben (wenn auch hustend) genießt. Oder wir lernen daraus, dass Ranglisten spezifische Momentaufnahmen widerspiegeln oder – wie im zweiten Fall – subjektive Eindrücke in eine objektiv wirkende Ordnung gießen, sich aber in keinem Fall zur Selbstdefinition eignen. Das macht man noch immer am besten selbst, so mühsam das womöglich auch ist. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Durchhalten, weiterkämpfen und niemals den Humor verlieren. So hat Werger jede Krise überwunden. Derzeit wird wenig gefrühstückt, aber der Appetit wird ganz sicher wieder kommen. KK ... Rock-Poetin Stefanie Werger Abschied und Neuanfang. Werger über neue CD, letzte Tournee und das Leben danach. Die Austropop-Legende im Sonntagsfrühstück. Diesmal die erste Frage: Wie geht’s? Noch nicht gut. Ich habe zwei Operationen hinter mir, war länger im Krankenhaus und muss jetzt meine Muskeln wieder aufbauen, damit ich fit für die letzte Tournee werde. Bis ich wieder so richtig gehen kann, wird’s noch eine Zeitlang dauern. Da ist ein gutes Frühstück wohl Nebenthema. Ich esse jetzt nicht mehr so viel, ich habe viel abgenommen und meine Beine sind ganz schlank geworden. Frühstück heißt bei mir Joghurt mit Früchten, Krustenbrot vom Billa, selbst gemachte Marmelade. Ich ess keine andere. Ein wenig Honig, keine Wurst, dafür Eier in jeder Form. Normalerweise trinke ich Kaffee, derzeit ist es aber Tee. Das neue Album „Langsam wea i miad“ klingt ein wenig nach traurigem Abschied. Für dieses Album habe ich mir sehr viel Zeit gelassen und viel nachgedacht. Im Song „Die Erde hat Fieber“ geht’s um abgeholzte Wälder, Eingriffe in die Natur, aber auch um die schlimmen Versiegelungen unserer Städte, siehe auch am Beispiel Graz. Das ist aber nicht der einzige kritische Titel. Ich beschäftige mich auch mit dem Thema Gier um Geld und Macht. Es geht nur um Gewinn, Profit. Am Schluss stelle ich die provokante Frage: Die Gier ist vielleicht schon a Teil von dir ... Stark wie a Felsen, das dauert noch, oder? Ich bin schon vor den Operationen schwer gegangen. Aber ich arbeite hart daran, dass ich wieder stark wie a Felsen werde. Das ist mein Ziel. Und auf der Bühne vergesse ich sowieso alles, da tut mir nichts weh, da kommt die Kraft von alleine. Der Bühnenabschied wird nicht leicht sein? Ich finde, es gehört sich einfach, eine schöne Abschiedstournee zu machen. Ich will nicht sang- und klanglos aufhören. Ich singe alle neuen Songs und viele alte, trete mit einem Trio auf und werde ein schönes Licht haben. Klar, „Stark wie a Felsen“ wird auch nicht fehlen. Der Start in die Musikwelt war ziemlich früh. Ich habe mit neun am Baum sitzend laut Schlager wie „Heißer Sand“ von Mina gesungen. Mit zehn wollte ich schon meine Biografie schreiben, ich schrieb viele Gedichte. „Frühlingshoffnung“ liebten die Leute. Dann kamen aber schwere Jahre ... Ich wollte unbedingt Berufsmusikerin sein und tingelte durch Deutschland. Da habe ich mir ein dickes Fell zugelegt, da gab’s mehr Tiefen als Höhen, aber ich habe Bühnenerfahrung gesammelt. Das Glück kam bei einem Engagement mit einer Tanzkapelle am Wörthersee in Form eines Plattenproduzenten. Was dann kam, war „Die nächste bin i“, der Rest ist Musikgeschichte. Ich liebe Ihre vielen fröhlich-lustigen Songs. Ich habe meinen Humor nie verloren und natürlich gibt es auf der CD und erst recht in der Show etliches zum Schmunzeln. Lachen ist Trumpf! Und was passiert nach dem letzten Konzert? Ich gehe ja nicht in Pension. Ich werde weiterhin schreiben, vielleicht auch für andere Musiker, und wenn ich das richtige Lied habe, auch wieder singen. Nur mit den anstrengenden Tourneen ist es vorbei. Mit 70 darf man aufhören! VOJO RADKOVIC Stefanie Werger wurde am 2. Juli 1951 in Maria Lankowitz geboren. Werger ist Musikerin, Schauspielerin und Autorin. Hits pflastern ihren Weg: „I wü di g’spian“, „Sehnsucht nach Florenz“, „Einsame Wölfe“ oder „Stoak wie a Felsen“. Werger hat 18 Alben veröffentlicht, zehn Bücher geschrieben. 2003 gewann sie den Austrian Music Award. Werger ist mit Karl-Heinz Stadlober verheiratet und lebt in Graz.

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