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2. Februar 2021

- Teamchef Franco Foda im ganz persönlichen Interview: „Mir fehlen meine Freunde sehr!“ - Sport- und Sozialstadtrat Kurt Hohensinner im Gespräch: „Es wird sicher keinen Sparkurs im Sozialbereich geben“ - Tests, Masken, Schichtbetrieb: So funktioniert der Schulstart nach dem Lockdown - Sonderlandtag war dinglich - Zusatztafeln für Grazer Straßennamen kommen - Toshi: Zweites Memori eröffnet in der Innenstadt - Projektstart in Graz: Christlich-islamischer Religionsunterricht

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2 graz www.grazer.at 2. FEBRUAR 2021 Sport- und Sozialstadtrat Kurt Hohensinner „Es wird sicher keinen Sparkurs im Sozialbereich geben “ VIEL GEPLANT. Der Stadtrat für Sport, Soziales, Bildung und Integration spricht über steigende Sozialausgaben, Willkommenskultur und seinen bevorzugten Wahltermin. Nach anfänglicher Unsicherheit blickt Stadtrat Kurt Hohensinner zufrieden auf die Arbeit in seinem „Megaressort“ in seiner bisherigen Amtszeit zurück. STADT GRAZ/FISCHER Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Herr Stadtrat, langsam neigt sich diese Legislaturperiode dem Ende zu. Wie fällt Ihr Resümee als Stadtrat Stand heute aus? Kurt Hohensinner: Am Anfang, als mir der Bürgermeister den Rucksack mit diesem Megaressort gepackt hat, hab ich gewusst, dass sich durch die Breite Synergien ergeben werden. Gleichzeitig war es aber schon eine Unbekannte, ob ich das wirklich heben werde. Jetzt kann ich sagen, dass wir alle Projekte, die ich mir vorgenommen habe, abarbeiten konnten. Zum Beispiel? Hohensinner: Ein Meilenstein war die Schaffung des Unterstütungsfonds „Graz hilft“, mit dem wir Menschen, denen kurzfristig der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, unbürokratisch helfen können. Den wird es auch heuer geben. Bemessen ist dieser Fonds mit 100.000 Euro. Teilweise wurde er aber als zu niedrig kritisert. Hohensinner: Er wurde für heuer auf 150.000 Euro aufgestockt. Das Sozialbudget wurde 2020 ins- gesamt deutlich erhöht. Soll der Trend so bleiben? Hohensinner: Ich glaube, die Stadt ist unter Schwarz-Blau sozialer geworden – das belegen die Zahlen. Das Sozialbudget ist jetzt inklusive Landesanteilen 170 Millionen schwer und wird auch weiter steigen. Die Stadt wächst ja. Meinerseits wird es sicher keinen Sparkurs im Sozialbereich geben, wichtig ist aber, dass wir nicht mit der Gieskanne drüber gehen, sondern gezielt unterstützen und Sozialmissbrauch verhindern. Deshalb haben wir eine ARGE gegen Sozialmissbrauch eingerichtet, wo wir uns mit Abteilungen der Stadt, der Polizei bis hin zu NGOs abstimmen, um das möglichst abzudrehen. Gibt es Daten, dass der Sozialmissbrauch in Graz ein Problem ist? Hohensinner: Naja Daten... Es gibt immer wieder Fälle, wo beispielsweise plötzlich hundert Leute an einer Adresse gemeldet sind. Da kann die Vernetzung in einer ARGE helfen. Oft kosten solche Maßnahmen aber mehr, als sie einsparen. Stichwort Fotos auf der E-Card. Hohensinner: Der Aufwand einer solchen ARGE ist sehr gering und der Output ist eigentlich sehr groß. Wir sind ja auch den Steu- erzahlern verpflichtet, uns anzuschauen, wo das Geld hingeht. Wollen sie im zweiten Coronajahr einen besonderen sozialpolitischen Schwerpunkt setzen? Hohensinner: Ja. Arbeit und Beschäftigung. Da wollen wir auf Projekte setzen, um Junge, Ältere und Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Ein Beispiel wäre ein Projekt, dass ich gemeinsam mit der ehemaligen Vizebürgermeisterin Martina Schröck gestartet habe, in dem Mentoren Arbeitssuchenden helfen, sie aufrichten und Tipps geben. Dabei haben wir eine Vermittlungsquote von 50 Prozent. Neben dem Sozialen sind Sie auch für die Integration zuständig. Die Stadt war im Zuge der Razzien gegen die Muslimbruderschaft wieder stark in den Medien. Warum scheint Graz ein Hotspot zu sein? Hohensinner: Das liegt auch an der Staatsanwaltschaft und den Gerichten, die sich hier mit diesen extremistischen Tendenzen befassen. Ich bin jedenfalls froh, wenn die Exekutive ganz genau hinsieht. Das ist auch deshalb wichtig, weil sich der überwiegend große Teil der Muslime, die in Graz leben, friedlich gesellschaftlich einbringen will. Die werden dann immer mit je- nen in den Topf geworfen, die es nicht so friedlich anlegen. Auch Städte wie Wien und Linz müssen da genau hinsehen. Was tut die Stadt Graz? Hohensinner: Wir machen seit einigen Monaten Moscheengespräche, wo ich die Moscheen – nicht nur die Vertreter, sondern auch die Mitglieder – zum Gespräch einlade. Dabei will ich erklären, was die Stadt Graz bereitstellt, aber auch unmissverständlich klarstellen, was wir einfordern. Werden diese Gespräche gut angenommen? Hohensinner: Bisher hatten wir erst eines, an dem vier Moscheen teilgenommen haben – das wurde gut angenommen. Ich bin der Meinung, dass man im Dialog mit der weitgehenden Mehrheit, die wie du und ich in Graz leben möchte, eine gute gemeinsame Zukunft ermöglichen kann. Gleichzeitig, da bin ich beim Innenminister, muss dem politischen Islam Einhalt geboten werden. Deshalb wird heuer auch ein Schwerpunkt darauf liegen, einen Plan gegen Parallelgesellschaften in Angriff zu nehmen. Bei der Integration können wir da präventiv ansetzen. Weiter geht‘s auf der nächsten Seite!

2. FEBRUAR 2021 www.grazer.at graz 3 Forscher der Uni Graz haben in einer Studie drei Modelle vorgestellt, um die Integration zu unterstützen: Magnet Schools, die Förderung von Eigeninitiativen und eine neue Wohnpolitik, nach USA-Vorbild. Wird das umgesetzt? Hohensinner: Ja, wir konnten das Thema endlich auf wissenschaftliche Beine stellen. Die Empfehlung der „Magnet Schools“, also Schulen mit spezifischen Schwerpunkten, können wir gemeinsam mit der Bildungsdirektion umsetzen. Der Vorschlag, dass man Bauträgern eine höhere Baudichte gewährt, wenn sie dafür ein paar günstigere Wohnungen anbieten, um die soziale Durchmischung zu erhöhen, ist Landessache – wir haben das weitergeleitet. Für Elterninitiativen, die gemeinsam ihre Kinder in bestimmte Schulen schicken, können wir nur werben. Sebastian Kurz forderte als Integrationsstaatssekretär einst eine Willkommenskultur. Braucht es so etwas auch in der Stadt noch stärker, um Menschen mit Migrationshintergrund besser einzubinden und nicht vorab auszuschließen? Hohensinner: Eine Willkommenskultur einzufordern und Mittel bereitzustellen sind sicher wichtige Aspekte. Für mich könnte eine Schlüsselmaßnahme bei der Integration unbegleiteter Minderjähriger sein, dass wir Familien in Graz suchen, die bereit sind, jemanden aufzunehmen. Wo es gut klappt, ist im Bildungsbereich: Wenn wir bei Kindern schon im Kindergarten mit Sprachförderung ansetzen, wenn Kinder auch Feste aus verschiedenen Religionen feiern können und lernen, dass es nicht nur eine richtige Religion gibt, und man Andersgläubigen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen muss – dann kann Integration gelingen. Dann ist das eine Bereicherung. Bleiben wir bei der Bildung. Was haben Sie heuer noch vor? Hohensinner: Wir wollen die Eltern mehr unterstützen und planen da ein eigenes Fortbildungsprogramm. Wichtig ist auch: Wir sollten nicht auf die Defizite schauen, sondern Talente fördern! Ansonsten bauen wir weiter aus: In Andritz zum Beispiel setzen wir eine dritte Volksschule um und bauen einen weiteren Turnsaal, der auch ein Veranstaltungssaal für den Bezirk wird. Ein anderes Projekt ist die Eröffnung der Mit- telschule Fröbl – das ist zum Beispiel eine solche Magnet School, mit einem Schwerpunkt auf Kreatives und Schauspielerei. Schauen wir weiter: Heuer steht das große Sportjahr an. Wann ist es ein Erfolg? Hohensinner: Wenn wir jeden Grazer und jede Grazerin zumindest einmal erreichen und zum aktiven Sport motivieren. Dann ist der erste Schritt zur sportlichsten Stadt Österreichs getan. Das Sportjahr ist da ja nur das Impulsjahr. In seinem Windschatten haben wir es geschafft, das Sportbudget, das jahrelang auf drei Millionen eingefroren war, auf fünf Millionen anzuheben. Das wird indexiert, also wird es nicht weniger. Wohin soll das Geld fließen? Hohensinner: Das werden alle Sportbegeisterten spüren und wir werden es auch einsetzen, um noch mehr Leute zum Sport zu bringen. Gerade bei älteren Menschen ist noch Potenzial da – eine Umfrage hat gezeigt, dass sie oft glauben, die Bezirkssportplätze seien nur für die Jugend da. Der Sport bringt aber jedem etwas, und hat das Potenzial, eine ganze Stadt nach vorne zu bringen: Was die Gesundheit betrifft, die Wirtschaft, den Tourismus – gerade auch in einem Jahr, in dem wir nach Corona wieder aufstehen müssen. Gibt es konkrete Ausbau-Ideen? Hohensinner: Wir haben großen Bedarf an Sportangeboten im Bereich Puntigam/Straßgang, da wollen wir zum Beispiel nach Möglichkeit eine zweite Halle beim Areal des ASVÖ in der Herrgottwiesgasse bauen. Ansonsten bleibt mein Ziel, dass wir jedes Jahr einen neuen Bezirkssportplatz errichten. Da es langsam aber sicher auf die Gemeinderatswahl zugeht: Wann glauben Sie wird neu gewählt? Hohensinner: Im Jänner 2022. Wären Sie für eine Vorverlegung? Hohensinner: Ich bin für das Ausdienen der Periode. Wir sind für fünf Jahre gewählt, gerade in der Kommunalpolitik gibt es eigentlich keinen Grund, vorzeitig zu wählen. Wenn Sie zum jetzigen Zeitpunkt ein einziges Wahlversprechen machen könnten, welches wäre das? Hohensinner: Dass wir ein Bildungsstandort, wo alle Kinder ihren Talenten entsprechend unterstützt werden und weiterhin eine Stadt der uneingeschränkten Bildungsmöglichkeiten bleiben. Wer wird der nächste Bürgermeister, wer der nächste Vize?. Hohensinner: Das wird der Wähler vorgeben. Ich hoffe, dass es Bürgermeister Siegfried Nagl wird, beim Vizebürgermeister wäre es Kaffeesudleserei. Was ist das Wichtigste, das Sie aus der Pandemie mitnehmen? Hohensinner: Dass jedes Problem, dann zu lösen war, wenn wir zusammengearbeitet haben. Gerade in der Kommunalpolitik gibt es eigentlich keinen Grund, vorzeitig zu wählen.“ Stadtrat Kurt Hohensinner rechnet nicht mit einer Vorverlegung der Wahl und spricht sich dagegen aus. Vorgezogene Neuwahlen sind für Hohensinner kein Thema. Für die Zukunft verspricht er vor allem seinen Einsatz für den Bildungsstandort.STADT GRAZ/FISCHER (2)

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