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18. Dezember 2020

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- Mietobergrenzen, Leerstandsabgaben und Co: So will die Politik für leistbaren Wohnraum sorgen - Sommer war besser als befürchtet: Grazer Hoteliers in Kampfeslaune - Bank zum Handy-Laden kommt am Hauptplatz - Baustellen-Gerümpel im Naherholungsgebiet - Veganer Tag im Land gefordert - Kreuzwirt am Rosenberg hat neu eröffnet

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30 viva graz www.grazer.at 18. OKTOBER 2020 2019 Valentina Gartner 30 daniel.windisch@grazer.at Menschen mit Blutgruppe 0 erkranken weniger oft an Covid-19 als Menschen mit anderen Blutgruppen.“ Molekularbiologin Eva-Maria Matzhold über eine neue Studie der Med Uni. Med Uni Graz Herbstdepression: Herbstdepressionen treten zu dieser Jahreszeit gehäuft auf, sind laut Experten aber sehr gut behandelbar. HILFE. Viele Menschen leiden an Depressionen, in Herbst und Winter kommt es oft auch zu saisonalen Ausprägungen. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Immer mehr Menschen leiden in Österreich an psychischen Erkrankungen – allein 400.000 Menschen haben laut dem „Bündnis gegen Depression“ eine behandlungsbedürftige Depression. Viele schrecken aber davor zurück, sich Hilfe zu suchen – ein längst veraltetes Stigma trägt noch bittere Früchte und behaftet das Thema mit Scham. Dabei kann eine solche Erkrankung jeden treffen – die Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen: „Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Durchschlafstörungen oder fehlender Appetit sind häufige Begleiterscheinungen, ebenso wie ein inneres Leeregefühl und bei schweren Erkrankungen auch Lebensmüdigkeit“, erklärt Ulrike Schrittwieser, die ärztliche Leiterin der neuen psychiatrischen Reha in Leibnitz. Jetzt, wo es früher dunkel wird und die Temperaturen einem das Rausgehen durchaus verleiden, kommt es auch zu einer saisonalen Variante, der sogenannten „Herbstdepression“. Sie äußert sich oft in Energielosigkeit und vermehrtem Schlafbedürfnis, kann aber auch zu Heißhungerattacken auf Süßes führen. Wichtig ist jedenfalls eine Diagnose. „Im Vergleich zur herkömmlichen Depression ist diese zwar seltener, aber ebenfalls gut behandelbar“, erklärt Schrittwieser. „Neben psychiatrischer und therapeutischer Behandlung haben Studien gezeigt, dass in solchen Fällen auch eine Lichttherapie gute Erfolge erzielen kann.“ Schon Spaziergänge in der herbstlichen Sonne, frische Luft und Bewegung können hel­ GETTY fen, ebenso wie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D. Hilfe suchen sollte man sich, wenn das Gefühl der Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen nicht mehr verschwindet. Depressionen dürfen keinesfalls unterschätzt werden. „Am wichtigsten ist eine rasche fachärztliche Abklärung. Wenn man sich niedergeschlagen fühlt, Schlafstörungen hat oder eine Verzweiflung verspürt, die man sich nicht erklären kann – dann ist es der richtige Moment,um sich Hilfe zu suchen. Natürlich ist nicht jede leichte Depression behandlungswürdig, viele werden allerdings verkannt – das betrifft gerade Männer, die unter Depressionen leiden. Das resultiert dann oft im Versuch einer Selbstmedikation durch beispielsweise Alkohol, oder in zunehmender Impulsivität und Aggressivität.“ Grundsätzlich sind bei der saisonalen Depression statistisch Frauen häufiger betroffen als Männer, Letztere leiden offenbar aber noch

18. OKTOBER 2020 www.grazer.at graz viva 31 ➜ IN Fragen stellen Vielfach hilft es schon, sich Zeit für eine Person zu nehmen oder nachzufragen, wenn sie sich zurückzieht. Forderungen stellen Sätze wie „Reiß dich doch zusammen“ helfen bei psychischen Erkrankungen ganz und gar nicht. GETTY (2) Rechtzeitig Hilfe suchen OUT ➜ stärker unter dem Stigma und suchen signifikant später Hilfe auf. Die Art der notwendigen Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab. „Bei schweren Depressionen braucht es jedenfalls auch medikamentöse Unterstützung“, plädiert Schrittwieser. „Viele haben die Sorge, dass Antidepressiva ihre Persönlichkeit verändern würden – mittlerweile gibt es aber schon sehr nebenwirkungsarme Medikamente. Die Kombination aus Therapie und Medikamenten ist oft der richtige Weg.“ Achtsam sein Wichtig ist es laut der Expertin, ein genaues Auge darauf zu haben, ob Menschen beginnen, sich mehr und mehr zurückzuziehen, oder zur Selbstmedikation greifen. „Da muss man nachfragen, sich Zeit nehmen und eventuell weiter vermitteln. Was keinesfalls hilft, sind Forderungen, man solle sich zusammenreißen, oder Ähnliches.“ Die aktuelle Krise kann dabei noch einiges verschlimmern. „Es ist zu befürchten, dass die reduzierten sozialen Kontakte, Einsamkeit und auch Themen wie die zunehmende Arbeitslosigkeit mit ihren Folgewirkungen viele Menschen destabilisieren werden und damit auch das Wieder- oder Neuauftreten von Depressionen verstärken. Deshalb ist es gerade in diesem Herbst wichtig, sich etwas Gutes zu tun und auch unter Menschen zu gehen“, appelliert Schrittwieser abschließend. Laut Studien kann auch eine Lichttherapie bei Herbstdepressionen helfen. GETTY

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