7 TAGE SONNTAG

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18. Dezember 2020

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- Mietobergrenzen, Leerstandsabgaben und Co: So will die Politik für leistbaren Wohnraum sorgen - Sommer war besser als befürchtet: Grazer Hoteliers in Kampfeslaune - Bank zum Handy-Laden kommt am Hauptplatz - Baustellen-Gerümpel im Naherholungsgebiet - Veganer Tag im Land gefordert - Kreuzwirt am Rosenberg hat neu eröffnet

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 18. OKTOBER 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Werfen wir uns auf uns selbst zurück J etzt scheint es also tatsächlich so weit zu sein: Uns stehen schärfere Corona-Maßnahmen ins Haus. Was das im Detail bedeutet, wird wohl schon in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Wir haben in dieser Ausgabe mit Experten aus Politik, Wirtschaft, Medizin und Psychotherapie gesprochen, die Möglichkeiten aufzeigen, wie wir mit dieser Situation umgehen können (siehe Seiten 16/17). Das Fazit ist recht erfreulich, denn eigentlich gibt es gar nicht viel zu tun, um den Corona-Herbst glücklich zu überstehen: Man muss nur den Blickwinkel ein wenig ändern. Statt sich über Beschränkungen zu ärgern oder im Selbstmitleid zu versinken, hat man jetzt die einmalige Möglichkeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Wenn das Drumherum stillsteht oder zumindest langsamer wird, rückt man für sich selbst mehr ins Zentrum. Man wird sozusagen auf sich selbst zurückgeworfen. Für viele von uns wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben. Und auch wenn uns das von außen aufgezwungen wird, muss das nichts Schlechtes sein, ganz im Gegenteil. Setzen wir uns mit uns selbst auseinander, gehen wir unseren Leidenschaften nach, suchen wir unsere Freiräume und geben sie unseren Liebsten. Üben wir uns in Achtsamkeit und lernen wir unser Leben neu kennen und lieben. Es kommt nur auf uns selbst an, was wir aus der sogenannten Krise machen. Also packen wir’s an! Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ...Caroline Pilhatsch Frühstück in noblem Ambiente. Aktuell startet Caroline Pilhatsch im Budapester Hotel in den Tag. Heute startet sie in die Vorrunden- Wettkämpfe der stark besetzten International Swimming League. KK Die Grazer Top-Schwimmerin startet bei der International Swimming League und spricht über Sport in Corona-Zeiten, den Polizei-Job, Hierarchie und Verantwortung. Was schwimmt bei der Schwimmerin im Frühstückshäferl? Kakao. Und am Teller liegt frisches Gebäck und ein weiches Ei parat. Und wichtig: ganz viel Käse! Kein Käse sind ja Ihre sportlichen Leistungen. Wie schöpfen Sie an freien Tagen Kraft? Am heutigen Sonntag bin ich ja bei der International Swimming League in Budapest im Einsatz. Aber wenn ich daheim bin, entspanne ich am liebsten daheim oder treffe mich mit Freunden in der Stadt oder im Kino. Momentan ja leider alles in sehr eingeschränktem Corona-Rahmen. Apropos Corona: Als Wassersportlerin haben Sie ein höheres Infektionsrisiko als Nicht- Sportler ... ... richtig. Aber wie bei vielen anderen Sportarten – siehe Tennis und ab jetzt wieder Schifahren – leben auch wir Schwimmer bei Wettkämpfen wie jetzt in Ungarn in einer „Blase“. Wir kommen also mit niemandem in Kontakt, pendeln zwischen Hotel und Wettkampfstätte. Dazu kommen die sogenannten Covid-Marshals, die sich um die Abwicklung und Einhaltung der Regeln kümmern. Eigentlich sind wir Sportler damit eh am sichersten Ort, den man sich wünschen kann. Trotzdem: Haben Sie Angst vor dem Virus? Nein, nicht in dem Sinne. Ich fühle mich sicher. Furchtlosigkeit scheint Ihr Steckenpferd zu sein. Sie absolvieren die Polizeischule. Ja. Aber ich muss relativieren: Wenn man Polizei hört, denken viele gleich an heftige Einsätze auf Streife etc., aber es gibt so viel mehr spannende Arbeitsfelder. Ich habe etwa mein großes Interesse für den Hundeführer-Bereich entdeckt. Da kommt auch meine Tierliebe zum Tragen. Aber auch polizeiliche Fall-Ermittlungen auf psychologischer Ebene interessieren mich sehr. Woher kommt diese Leidenschaft? Vielleicht von meiner Liebe zu Literatur. Ich habe immer gern gelesen. Spannendes, Fantasy etc. Und im Fernsehen mag ich Krimi-Serien am liebsten. Ich habe immer noch die Träumerei, selbst einmal eine Geschichte zu erfinden und niederzuschreiben. Sie kommen aus einer Großfamilie mit fünf Geschwistern. Was gibt einem das? Zum einen jede Menge Freude. Daheim war und ist immer was los. Wir sind alle Sportler: Die Mädels machen rhythmische Sportgymnastik – ich früher auch –, die Buben schwimmen. Und was man auch lernt, ist ein Gefühl für Hierarchie. Die Großen helfen den Kleinen. Jede Generation kann der anderen etwas auf den Lebensweg mitgeben. Dazu kommt das Zusammentreffen so unterschiedlicher Charaktere. Und selbst? Sind sechs Kinder ein Thema? Ha, na ja, also ob es gleich sechs werden ... Eher weniger (lacht). Etwas Wunderbares ist Familie in jedem Fall. Und wichtig in Krisen-Zeiten. Wie sehr fühlen Sie sich von Corona als bekannt lebensfreudiger Mensch beengt? Anfangs war’s ungewohnt, klar. Aber eine gewisse Distanz zu anderen halte ich generell für angemessen. Dass sich viele übers Maskentragen aufregen, verstehe ich nicht – was ist tragisch daran, so seinen Teil zur solidarischen Gesellschaft beizutragen? Corona ist auch eine Chance zu erkennen, dass wir alle Verantwortung tragen. Und von deren Umsetzung profitieren wir ja auch alle. PHILIPP BRAUNEGGER Caroline Pilhatsch (geb. 1. März 1999, Graz) holte u. a. Gold über 50 m Rücken und Silber über 50 m Schmetterling bei den Europaspielen 2015, Silber bei der Kurzbahn-WM 2018. Heuer wurde sie als erste Österreicherin zur Champions Swim Series eingeladen (3. Platz 50 m Rücken).

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