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18. August 2019

- Sogar Jihadisten mussten freigelassen werden: Grazer Justiz ist kurz vor dem Zusammenbruch - Glashaus im Botanischen Garten wird saniert - Oldtimer-Straßenbahn fährt wieder - Stinkender Schaum im Kroisbach regt auf - Wirbel um Haltestelle vor der Heim-Eingangstür - Klimaforscher schlagen Alarm für Graz - Food Festival Graz 2019

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 18. AUGUST 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Die Mur und wir: Nach 120 Jahren wieder vereint D ie Mur hat das Denken und Handeln der an ihr lebenden Menschen über Jahrtausende geprägt. In früheren Zeiten wurde der Fluss etwa fleißig als Wasserstraße benutzt. Schiffe, Plätten und Flöße transportierten Nägel, Eisen, Salz und vieles mehr bis nach Leoben. Ende des 19. Jahrhunderts, vor 120 Jahren, kam es zur Wiederbelebung der Murschifffahrt: Zwei Passagierdampfer namens „Styria“ und „Graz“ sollten in Graz den Sommer über den Verkehr aufnehmen. Doch schon nach wenigen Monaten rammte die „Graz“ die Radetzkybrücke und vier Tage später zerschellte dort die „Styria“, wobei sechs Personen ums Leben kamen. Damit gingen die Grazer wieder auf Distanz zu ihrem Heimatfluss. Lediglich durch diverse Hochwasserkatastrophen kamen wir noch mit ihr in Berührung. Bis jetzt. Vergangenes Wochenende wurde mit den Riverdays ein erster Schritt zurück zur Mur gemacht. Schon bald wird es Schifffahrt, Seichtwasserstellen und eine neue Promenade geben, auch die Augartenbucht ist kurz vor der Fertigstellung. Politisch ist diese Rückkehr alles andere als unumstritten, es bleibt zu hoffen, dass die Geschichte anders ausgeht als vor 120 Jahren und wir endlich unseren Frieden mit der Mur machen können. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... Nestor El Maestro Vor dem heutigen Spiel gegen Rapid spricht Sturms Trainer über hochwertige Küche, Der Pater die des Bindung Stift Rein zur spricht Familie, über Film-Leidenschaft ausgefüllte Arbeitstage und „Flughafenbücher“. zu Weihnachten, Konumzwang, Medienaffinität, Franz Fuchs und erklärt was für ihn Weihnachten ist. Was hat beim Sturm-Trainer am Frühstückstisch ein Fixleiberl? Kaffee. Frühstück gibt es kaum. Ich habe einen anderen Rhythmus als die Österreicher, habe keine traditionellen Essenszeiten. Ich halte es südländisch: Mein erstes Essen ist eine Mischung aus Frühstück und Abendessen, am frühen Mittag. Eine Hauptmahlzeit gibt es erst abends, so gegen 21 Uhr oder später. Sie gelten als Feinspitz ... Nun, ich setze auf Qualität. Was ich mir selbst koche, entspricht immer meinem Anspruch: hochwertiger Fisch, frisches Obst und Gemüse etc. Ich esse, was gut ist – und genieße. In Lokalen halte ich es ebenso. Bekomme ich wo nicht das, was ich mir erwarte, esse ich eben mal einen halben Tag nichts. Ich muss nicht essen, weil „Essenszeit“ ist. Mich wird man auch nie schnell einen Donut zwischendurch essen sehen. Ist ja auch keine Sportler-Nahrung ... Ach bitte! Dieses Klischee ist überholt. Immer nur Nudeln mit Tomatensauce ... nein danke! (Verzieht das Gesicht) Schmeckt Ihnen die steirische Küche? Die ist sensationell! Wenn ich früher mit Schalke oder dem HSV auf Trainingslager in Bad Waltersdorf war, freute ich mich immer auf das kulinarische Angebot. Kernöl ist trotzdem nicht meins. Zelebrieren Sie als Genießer auch die Freizeit? Ich habe keine Freizeit in dem Sinne. Trainieren wir nicht, analysiere ich mit meinem Bruder und Co- Trainer Nikon die Spiele, gehe Trainingspläne und Datenerhebungen durch. Ich arbeite 14 Stunden am Tag. Den klassischen Urlaubstrip gibt es nie? Ich bin auch da ein anderer Typ, müssen Sie wissen. Nach Cancún fliegen, am Strand liegen, so was brauch ich nicht. Hotels sah und sehe ich rund um den Fußball genug, da muss ich das privat nicht haben. Habe ich keine Arbeit, besuche ich meine Familie. Sie bedeutet mir alles. Wie eng ist die Beziehung zu Ihrem Bruder Nikon? „Ich plaudere gerne. Nur nicht über Fußball.“ Nestor El Maestro trennt Beruf und Privates strikt. Da kann ein Frühstücks- Interview auch schon mal länger werden. Zitat El Maestro: „Schon vorbei? Schade.“ LUEF Es ist etwas zwischen Bruder- und Vater-Sohn-Beziehung. Von klein auf waren wir durch den Fußball immer zusammen. Er war ein aufstrebendes Talent, wir lebten in London, Valencia und Wien. Später wurde er mein Co-Trainer, jetzt sind wir eben auch Kollegen. Wir können Familie und Beruf trennen. Trotzdem liebe ich seine Kinder wie meine eigenen. Hat auch der Jugoslawien-Krieg zu den engen Familienbanden beigetragen? Wir kamen früh weg. Meine Eltern waren immer berufstätig, haben sich einen Polster erarbeitet und konnten im Ausland dann früh in Pension gehen. Bei mir gibt es daher diese klassische Gastarbeiter- Geschichte nicht. Typisch serbisch ist, dass Grundstücks-Grenzen verschwimmen, auch wenn man räumlich getrennt ist. In Österreich ruft man zuerst an und fragt, ob man rüberkommen kann. Wir kommen einfach. Und dann ist man da. Familienzeit nennt man heute „Quality time“. Was hebt Ihre Lebensqualität noch? Das ist sehr normal an mir: Ich lese Wälzer à la John Grisham. Die, die man am Flughafen kauft, wenn man lange warten muss. Ich nenne sie Flughafenbücher. Und ich verschlinge Serien! „Breaking Bad“ ist wunderbar. Außerdem bin ich großer Cineast. Der „Grazer“ veranstaltet ein Autokino ... Klingt interessant! Aber: Auch bei Filmen bin ich wählerisch. Das Werk muss, wie beim Essen, Qualität haben. So was wie Spider-Man interessiert mich nicht. Ich will keine fliegenden Menschen sehen. Die Realität des Lebens schenkt uns auch so genug Spannendes. PHILIPP BRAUNEGGER Nestor El Maestro (geb. am 25. 3. 1983 als Nestor Jevtic, Belgrad) ist seit Juni Sturm-Trainer. Den Namen El Maestro übernahm er, als sein Bruder diesen Spitznamen bekam. Vorherige Trainerstationen: Schalke, Hannover 96, HSV, Austria Wien (jeweils Co). Zuletzt: Chefcoach bei ZSKA Sofia.

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