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17. Jänner 2021

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- Straßen-, Gleis- und Leitungsarbeiten: Das sind die Baustellen des Jahres 2021 in Graz - Engpass durch Pensionierungen: Ärztemangel in Lend - Kommt Aus für Open-Airs am Grazer Messegelände? - Polizei erklärt ihr Vorgehen: Nach Demos weiter Kritik an Einsatzkräften - Drei Riesenbäume gefällt: Reste bleiben Wegweiser - Groß-Sanierung im Übelbacher Zentrum - No Time To Waste: Grazer gehen auf Müllsuche - Herr Ernst aus dem Landhauskeller: Der letzte Kultkellner der Stadt

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6 graz www.grazer.at 17. JÄNNER 2021 K O M M E N T A R von Verena Leitold ✏ verena.leitold@grazer.at Hausärzte nun an vorderster Front N eue hochansteckende Virus-Mutationen, Übersterblichkeit, Lockdown-Verlängerungen: Trotz endlich gestarteter Corona-Impfungen bleibt den Menschen nicht viel Zeit zum Runterkommen von den ständigen Unsicherheiten. Informationen gibt es zwar wie Sand am Meer, genauso viele Meinungen dazu kursieren aber auch. Und gerade da kommt den Hausärzten eine noch bedeutendere Rolle zu als sonst. Sie sind in der aktuellen Gesundheits- Krise die erste Anlaufstelle für die Menschen. Gerade wenn es um ein neues Virus und eine neue Impfung geht, ist es umso wichtiger, dass sich der Mediziner Zeit für seine Patienten nehmen und Vertrauen aufbauen kann. Massenabfertigung bringt uns gerade jetzt nicht weiter. Zusätzliche Kassenarzt-Stellen und schnellere Nachbesetzungen (siehe rechts) gehören her. Anders wird auch das Pensum an Verimpfungen nicht zu schaffen sein, das wir brauchen, um endlich aus der Pandemie herauszukommen. Massen-Impfungen sind schön und gut – für diejenigen, die sich bereits entschlossen haben, sich immunisieren zu lassen. Für alle, die Zweifel haben – und das sind zahlreichen Umfragen zufolge viele –, braucht es persönliche Betreuung und Ansprache. Im Kampf gegen das Virus müssen die Hausärzte an vorderster Front stehen können. Mit Ende des Jahres ist Allgemeinmediziner Hans Peter Meister in Pension gegangen, seine Praxis in der Volksgartenstraße ist seither geschlossen. In den nächsten fünf Jahren werden zwei seiner Kollegen in Lend und einer an der Grenze zum Bezirk Gries in den Ruhestand folgen. Die weiteren praktischen Kassenärzte können keine Patienten mehr aufnehmen. Besonders Bezirksvorsteher Wolfgang Krainer sorgt sich um die medizinische Versorgung der Bewohner. „Man kann die Menschen nicht einfach im Stich lassen – vor allem nicht die älteren oder die drogenkranken!“, ist er verärgert. In der gegenwärtigen Gesundheitskrise seien genügend Praxen besonders wichtig, vor allem, da ja bald auch niedergelassene Ärzte mit Corona- Impfungen beginnen sollen. Und auch Meister selbst sorgt sich um seine ehemaligen Patienten. Genau wie Krainer kritisiert er das bürokratische Neuvergabe- Verfahren von Ordinationen über ein Punktesystem der Ärztekammer. „Fachärzte und ältere Spitalsärzte werden begünstigt, als Junger hat man kaum eine Chance. Und gerade bei Hausärzten wäre es wichtig, dass jemand die Patienten über viele Jahre begleiten kann und ihre Krankheitsgeschichte kennt“, erklärt er. Außerdem werde das Klientel der jeweiligen Praxis nicht in das Bewertungssystem mit einbezogen. „Ich hatte zirka vierzig Substitutionspatienten, von den zwölf Bewerbern für meine Ordination hat kein einziger das entsprechende Diplom. Mit Müh und Not hab ich die Menschen im Primärversorgungszentrum in Gries unterbringen können. Aber die sind eigentlich auch schon voll!“ Des Weiteren kritisiert Meister das langwierige Verfahren, bis es endlich eine Nachfolge gibt. Frage des Murufers Und das Problem beschränkt sich nicht auf den Bezirk Lend. „Menschen, die am rechten Murufer wohnen, haben statistisch gesehen ein weitaus geringeres Haushaltseinkommen. Hier gibt es auch wesentlich weniger Hausärzte mit Kassenvertrag – ganz drastisch sieht man das, wenn man im Internet nach ,Hausarzt 8010‘ oder ,Hausarzt 8020‘ sucht“, so Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer, der sich bei der ÖGK erneut für eine schnel- Die Hausarzt- Praxis von Hans Peter Meister über der Apotheke in der Volksgartenstraße wurde geschlossen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, dauert’s. STREET VIEW Ärztemangel in Lend SORGE. Aufgrund von Pensionierungen wird ein Engpass in der Versorgung mit praktischen Kassenärzten befürchtet. Nachfolge-Verfahren dauern zu lange, das rechte Murufer sei benachteiligt, das Vergabe-System gehöre reformiert. Von Verena Leitold verena.leitold@grazer.at le Nachbesetzung und eine Aufstockung der Kassenarztstellen einsetzen wird. Am linken Murufer gibt es doppelt so viele Allgemeinmediziner pro Kopf wie am rechten. Angesichts des Kassenarztmangels in ganz Österreich müssten aber auch die rigiden Zugangsbeschränkungen an den Med-Unis überdacht werden, so Krotzer. Transparentes System Die Ärztekammer wehrt sich gegen das Bild einer Besserstellung des linken Murufers. „Im Bezirk Gries gibt es 19 niedergelassene Ärzte für Allgemeinmedizin, davon zehn mit einem Vertrag der Österreichischen Gesundheitskasse. Im Bezirk Lend sind es 37 bzw. 15 mit Kassenvertrag. Zum Vergleich: Im Bezirk Mariatrost haben drei Ärzte einen ÖGK- Vertrag und 17 sind es insgesamt“, so Ärztekammer-Vizepräsident und Obmann der niedergelassenen Ärzte Christoph Schweighofer. „Die Vergaberichtlinien sind sehr transparent und werden immer wieder angepasst. Wenn es konkrete Vorschläge für Neuerungen gibt, kann man natürlich darüber diskutieren. Wichtig ist: Die Krankenkassen, vor allem die ÖGK, müssen die Veränderungen wollen.“ derGrazer IMPRESSUM: „der Grazer“ – Unabhängige Wochenzeitung für Graz und Umgebung | Erscheinungsort: Graz | HERAUSGEBER UND MEDIENINHABER: Media 21 GmbH, Gadollaplatz 1, 8010 Graz; Tel. 0 316/23 21 10 | GESCHÄFTSFÜHRUNG: Gerhard Goldbrich | ASSISTENZ: Jasmin Strobl (0664/80 666 6695) | CHEFREDAKTION/PROKURA: Tobit Schweighofer (DW 2618) | REDAKTION: Verena Leitold (0664/80 666 6691), Vojo Radkovic (0664/80 666 6694), Valentina Gartner (0664/80 666 6890), Philipp Braunegger (0664/80 666 6600), Fabian Kleindienst (0664/80 666 6538), Julian Bernögger (0664/80 666 6690), Nina Wiesmüller (0664/80 666 6918), Birgit Schweiger (Lektorat, 0650/2540976), Redaktion -Fax-DW 2641, redaktion@grazer.at | ANZEIGENAN- NAHME: Fax 0 316/23 21 10 DW 2627, verkauf@grazer.at | VERKAUF: Michael Midzan (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6891), Selina Gartner (Verkaufsleitung, 0664/80 666 6848), Robert Heschl (0664/80 666 6897), Mag. 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17. JÄNNER 2021 www.grazer.at graz 7 Kommt Aus für Open-Airs auf Grazer Messegelände? HAMMER. Stadt Graz will im Schwarzlzentrum einsteigen und keine Groß- Open-Airs auf der Messe. Alles streng geheim. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at Eigentlich war zwischen Vertretern der Stadt, Messe Graz und der Porr AG Stillschweigen vereinbart. Daher sorgte die Ankündigung von Bürgermeister Siegfried Nagl in der Kleinen Zeitung, dass die Stadt künftig als Pächter im Schwarzlzentrum voll einsteigen wolle und man die bisherigen großen Open-Airs vom Messegelände ins Schwarzl-Freizeitzentrum verlegen wolle, für Aufregung. Messe- Chef Armin Egger bestätigte nur, dass es vertrauliche Gespräche gegeben hat. Für das Projekt sei Vorstandskollegin Barbara Muhr zuständig. Es gehe aber um ungelegte Eier. Muhr wollte dazu nichts sagen, da Stillschweigen vereinbart wurde. Klaus Leutgeb, der aktuelle Pächter, soll angeblich den Schwarzlsee verlassen wollen. Bis Redaktionsschluss war Leutgeb nicht erreichbar. Egger: „Wir arbeiten derzeit an der Realisierung der Frühjahrsmesse. Wenn die stattfinden kann, fällt mir ein Stein vom Herzen. Wir sind bereits gut im Verkauf. Wenn nicht wir wieder anfangen, wer sonst.“ Egger scheint auch überzeugt, dass es weiterhin Open-Airs auf dem großen Messegelände geben wird. Highlights wie Andrea Bocelli auf dem Messegelände soll es künftig nicht mehr geben. WIESNER Schwindsackl fordert schnelle Tests und Impfungen. SIMONIS Schnelle Tests und Impfungen ■ Die ältere Bevölkerung gilt in Zeiten von Corona als Hochrisikogruppe. Um diese bestmöglich zu schützen, sind vor allem Impfungen und Tests sehr wichtig. Diese sollen schnell und unbürokratisch verfügbar sein, so Ernst Schwindsackl, Grazer Seniorenobmann. Zusätzlich dazu sollen die Kosten für die Tests, welche man benötigt, um beispielsweise Altersheime besuchen zu können, erstattet werden.

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