7 TAGE SONNTAG

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17. Jänner 2021

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2 die seite 2 www.grazer.at 17. JÄNNER 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Sag zum Abschied „Bis zum nächsten Mal!“ U nsere Wundschuher Ex-Ministerin Christine Aschbacher wird nach der Plagiatsaffäre in den sozialen Medien zwar gerade an den Pranger gestellt und mit Häme überschüttet, aber das muss für sie nicht das politische Ende aller Tage gewesen sein. Denn wir sind ausgesprochen aufgeschlossen, wenn es darum geht, jemandem eine zweite Chance zu geben. Der ehemalige Grazer Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann zum Beispiel, der 2015 ebenfalls über einen Plagiatsskandal stolperte, trat vor wenigen Tagen erst das Amt des österreichischen Bundesratspräsidenten an. Der steirische Ex-Skistar Hans Knauß musste 2004/2005 eine achtzehnmonatige Dopingsperre absitzen und arbeitet jetzt als allseits beliebter ORF-Kommentator. Genauso wie der ewig junge Altskispringer Andreas Goldberger, der 1997 nach einem Drogenskandal ebenfalls eine monatelange Sperre absitzen musste. Selbst Ibiza-Partyboy HC Strache konnte noch genügend Unterstützer zusammentrommeln, um bei der Wiener Gemeinderatswahl an- und im Fernsehen auftreten zu dürfen. In diesem Sinne: Kopf hoch, Frau Aschbacher, man sieht sich immer zweimal – zumindest in Österreich. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGS- FRÜHSTÜCK MIT ... Barrios daheim in Graz beim Frühstück. Hinter ihm viele Instrumente und die geliebten Percussions. Barrios hat Instrumente aus aller Welt. Im Lockdown lernte er unter anderem, auf der Rahmentrommel aus Asien zu spielen. KK ... Musikstar Ismael Barrios Graz ist seine neue Heimat. Über Venezuela, Auftritte mit Weltstars, Kochen, Liebe zu Percussions, Lockdown und sein Rennrad erzählt Barrios uns im Frühstück. Entspanntes Frühstück am Sonntag – wie? Meine Freundin und ich haben da immer ein Ritual: ein weiches Ei muss auf den Tisch, ein gutes schwarzes Brot mit Butter und leckerer Gouda. Dazu auch noch magerer Schinken und manchmal Honig, der von einer Freundin aus Riegersburg kommt. Und nach dem Frühstück, was kommt dann? Meist ein langer Spaziergang, oft bis zu acht Kilometer lang. Oder Laufen. Im Winter lasse ich das Fahrrad zuhaus, im ersten Lockdown bin ich rund 4000 Kilometer geradelt. Radfahren liebe ich, Laufen aber auch. Hat Sie Ihre Freundin, die Sie gern „Amorchen“ nennen, zu mehr Sport animiert? (lacht) Meine Freundin Gertraud ist Tischtennismeisterin und arbeitet im Kulturbereich, sie ist für das Styriarte Orchester Recreation organisatorisch tätig. Ja, sie brachte mich zum Laufen, und jetzt laufe ich täglich rund sieben Kilometer. Im Tischtennis allerdings habe ich keine Chance. Laufen mit meiner Partnerin hilft uns beiden im Lockdown. Gibt sehr viel positive Energie. Begonnen hat alles in Venezuela? Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, wir waren acht Kinder, ich das jüngste. Meine Großeltern wohnten am Land in ganz einfachen Verhältnissen. Ich war oft dort, es gab keinen Strom und das Wasser musste weit von einem Brunnen geholt werden, die Häuser waren mit Stroh gedeckt. Aber ich war gerne bei Oma und Opa. Wir hatten viel Gemüse, Obst und Kräuter. Ich habe da nie einen Arzt gesehen, gegen alles gab es irgendein Kraut. Meine Kindheit war schön, die Großeltern vermittelten mir meine Liebe zur Natur. Und wie kam es zur Musik-Begeisterung? Meine Mama spielte mir, ich war vier, fast fünf, Musik vor. Sie saß unter einem Mangobaum und spielte wunderschön auf der „Cuatro“, das ist die viersaitige Volksgitarre Venezuelas. Ich lernte, wie man diese Gitarre spielt, machte mit meinen Geschwistern Musik, und als ich mit 13 meinen ersten Job hatte, kaufte ich mir eine Cuatro. Ich war dann in einer Musikschule und habe mit 16 Jahren bereits Cuatro unterrichtet. Und wie kamen Sie dann nach Graz? Mit 17 wollten mein Nachbar, Arnoldo Moreno, heute ein gefragter Gitarrist, und ich nach Europa auswandern, wir wollten Musik studieren. Meine Mutter ist fast vom Hocker gefallen. Erst wollte ich wegen Paco de Lucia nach Spanien. Es kam anders. In der Musikschule lernte ich eine Grazerin kennen, die uns helfen wollte, so studierte ich in Linz und Graz klassische Gitarre. Meine große Liebe: afro-kubanische Percussions. In Graz wurden Sie zum Percussion-Star. Bis dahin war noch ein langer Weg. Die erste Zeit überlebte ich als Straßenmusiker in der Herrengasse. Damit habe ich mein Studium finanziert. Ich lernte viele Musiker aus der ganzen Welt kennen und habe viele Freunde gefunden, etwa Markus Schirmer, mit dem ich oft zusammenspielte. Ich durfte mit großartigen Musikern performen, trat in der Berliner Philharmonie auf und hatte viele unvergessliche Erlebnisse. Noch Heimweh nach Venezuela? Ich war schon seit zehn Jahren nicht mehr in Venezuela. Immer, wenn ich eine venezolanische Mahlzeit koche – und ich koche sehr gut (lacht), bin daheim Haubenkoch –, verspüre ich Heimweh. Aber Graz ist mein Lebensmittelpunkt, hier habe ich meine Freundin, mein Sohn Ruben ist 30, und ich bin auch Opa, der Bongo-Opa, wie mein Enkelkind mich nennt. Und ich hoffe, dass es bald wieder losgeht. Beim Psalm Festival 2021 möchte ich mein Projekt „Salsa Symphonika“ präsentieren, sozusagen den „Buena Vista Social Graz Club“ (lacht wieder). VOJO RADKOVIC Ismael Barrios, am 3. Jänner 1964 in Venezuela geboren, kam 1982 mit 18 nach Österreich, studierte in Linz und Graz. Der Percussionist unterrichtet seit 1. Oktober 2020 an der Kunstuni Graz. Barrios spielte mit Markus Schirmer, Martin Grubinger, STS, EAV, Scurdia u. v. a. Barrios trat in den größten Konzerthäusern Europas und Südamerikas auf. Er ist in mehr als 100 CD-Produktionen verewigt.

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