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17. Jänner 2021

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- Straßen-, Gleis- und Leitungsarbeiten: Das sind die Baustellen des Jahres 2021 in Graz - Engpass durch Pensionierungen: Ärztemangel in Lend - Kommt Aus für Open-Airs am Grazer Messegelände? - Polizei erklärt ihr Vorgehen: Nach Demos weiter Kritik an Einsatzkräften - Drei Riesenbäume gefällt: Reste bleiben Wegweiser - Groß-Sanierung im Übelbacher Zentrum - No Time To Waste: Grazer gehen auf Müllsuche - Herr Ernst aus dem Landhauskeller: Der letzte Kultkellner der Stadt

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18 eco graz www.grazer.at 17. JÄNNER 2021 Fabian Kleindienst 18 fabian.kleindienst@grazer.at Jeder zweite Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt am Export.“ Manfred Kainz, Obmann des steirischen Außenhandels, fordert, zügig Handelsabkommen zu ratifizieren, um den Welthandel zu fördern. MATHIAS KNIEPEISS Insolvenzen nahmen bisher ab: AUSBLICK. Aufgrund der Hilfsmaßnahmen retteten sich bisher viele vor der Insolvenz. Das wird 2021 wohl nicht so bleiben, schon jetzt bemerkt die Grazer Schuldnerberatung mehr Bedarf. Von Fabian Kleindienst & Vojo Radkovic redaktion@grazer.at Nach einem Rückgang im Vorjahr geht der AKV heuer ab Mitte des Jahres von einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen aus. GETTY, Die Zahlen mögen manchen überraschen: Wie die Jahresbilanz des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) zeigt, gingen Riesiges AMS-Bauprojekt in Graz STARK. Seit November baut Kovac Immobilien einen neuen AMS-Standort in Graz. Auch in der Krise muss investiert werden. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at schlank wie möglich machen und Dinge, die nicht unbedingt sofort notwendig sind, verschieben. Umgekehrt kann man aber auch schauen, ob man geplante Investitionen vorziehen und Förderungen gezielt nutzen kann. Es muss ja irgendwie weitergehen,“ analysiert der Unternehmer. Immerhin ist es gelungen, ein Großprojekt – den Bau der neuen Geschäftsstelle des AMS Graz-West an der Kreuzung Zollgasse/Bahnhofgürtel – an Land zu ziehen. Große Investition „Es ist natürlich sehr schön, dass wir als Familienunternehmen diesen Auftrag der Republik erhalten haben“, zeigt sich Kovac im Gespräch erfreut über den Coup – und schon im November wurde mit dem Bau begonnen. Insgesamt werden dabei über 21 Millionen Euro investiert, entstehen sollen rund 7000 Quadratmeter Nutzfläche sowie Tiefgaragenplätze. Besonders im Fokus: eine nachhaltige Bauweise samt Errichtung einer Photovoltaik-Anlage am Dach, um den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Die anhaltenden Maßnahmen zur Verringerung der Corona-Infektionszahlen sorgen weiterhin für schlechte Konjunkturzahlen, wie die Wirtschaftskammer mit ihrem Konjunkturbarometer knapp vor Weihnachten zeigte. Als Betreiber des Einkaufszentrums Shopping Nord sowie der Seifenfabrik als Veranstaltungszentrum ist auch der Grazer Großunternehmer Christian Kovac betroffen: „In diesen Zeiten muss man sich natürlich so Christian Kovac So soll das neue Großprojekt des AMS-Standorts Graz-West nach Fertigstellung in etwa aussehen. KK, KIPPER

17. JÄNNER 2021 www.grazer.at graz eco 19 ➜ TEURER FOTO Eheringe +13,5 % Wer heiraten will, hat es im Vergleich zu 2019 nicht nur wegen des Lockdowns schwerer. Ringe wurden teurer. Flugtickets –23,8 % In Corona-Zeiten ist die Reisetätigkeit zwar eingeschränkt, wer aber fliegt, zahlt dafür weniger als vor einem Jahr. BILLIGER ➜ Starker Anstieg 2021 befürchtet Firmeninsolvenzen in der Steiermark im Vorjahr um 16,7 Prozent zurück, auch Privatkonkurse nahmen um 21,8 Prozent ab. Die Gründe sind dabei einfach erklärt: Gerade wegen der schweren Wirtschaftskrise im Zuge der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden staatlichen Hilfsangeboten und Stundungsvereinbarungen haben sich viele über das Jahr gerettet. Das wird aber wohl nicht so bleiben, wie der Grazer Geschäftsstellenleiter des AKV Franz Blantz, der seit Beginn des Jahres österreichweit die Geschäftsleitung erweitert, bestätigt: „Die Abnahme hat zu einem beträchtlichen Rückstau an Insolvenzen in der Steiermark geführt.“ Dennoch rechnet der Experte erst ab Mitte des Jahres mit einer Zunahme, dann aber umso stärker: „Nach aktuellem Stand enden mit 31. März die Stundungen bei der Gesundheitskasse und beim Finanzamt. Dann wird man sich großteils auf Ratenzahlungen einigen. Wenn dann bei einigen Unternehmen, die vielleicht schon vor der Corona-Krise zahlungsunfähig waren und sich über das Vorjahr gerettet haben, die ersten oder zweiten Ratenzahlungen nicht kommen, werden auch wieder Insolvenzanträge von der öffentlichen Hand kommen.“ Dass diese aktuell völlig entfallen, ist laut Blantz einer der Hauptgründe für die Abnahme. „Rechnet man die ersten drei Monate 2020 nicht mit, haben wir einen Rückgang von fast fünfzig Prozent – und das sind genau die 50 Prozent an Insolvenzen, die üblicherweise über Anträge der beiden Behörden eröffnet werden.“ Neues Gesetz Dennoch, einige Grazer Unternehmen und auch Private hat es im Vorjahr getroffen: Bei den Privatkonkursen entfielen von 794 steiermarkweiten 309 auf Graz und Graz- Umgebung, das sind 38,91 Prozent. Bei den Firmen traf es 77 Betriebe in Graz – prominent etwa die Bäckerei Hubert Auer, Herzog Kälte-Klima oder die Grazer Wirecard-Zweigstelle. Während bei Herzog diese Woche bekannt wurde, dass der Franz Blantz Sanierungsplan verschlechtert wird, macht Blantz Wirecard- Gläubigern Hoffnung: „Da kann es sein, dass man sogar zu einer 100-Prozent-Quote kommen wird.“ Was die zukünftige Entwicklung angeht, gibt es für den Experten noch zusätzliche Unbekannte durch ein neues Gesetzesvorhaben im Zuge einer Reform des Exekutionsrechts. Dieses soll für mehr Effizienz sorgen, Gläubiger sollen Konkursanträge gegen Privatpersonen und Unternehmen stellen können, in einem Gesamtvollstreckungsverfahren wird das Geld dann gleichmäßig aufgeteilt. „Das wird natürlich den Nachteil haben, dass relativ viele Personen in ein Insolvenzverfahren kommen werden, die das Verfahren nicht wollen und kaum mitwirken werden – im Unterschied zum jetzigen Privatkonkurs, wo fast 99 Prozent von den Schuldnern selbst beantragt werden.“ In jedem Fall ist davon auszugehen, dass dadurch vor allem Privatkonkursverfahren zunehmen werden. Die sind heuer ja etwas zurückgegangen, 2018 waren es aber über tausend. Viel mehr sei laut Blantz in der Schuldnerberatungsstelle beim aktuellen Personalstand wohl auch nicht durchführbar. Herausforderung Die Schuldnerberatung Steiermark mit ihrem Sitz in der Grazer Annenstraße stellt sich schon auf einen zu erwartenden Anstieg von Grazern ein, die ein Schuldenregulierungsverfahren, wie der Privatkonkurs formell heißt, durchlaufen möchten. Christof Lösch, Geschäftsführer der Schuldnerberatung; „Es ist zu erwarten, dass auch wir mit einer stark steigenden Zahl an Fällen zu tun haben werden. Corona-bedingt kann es sein, dass die Zahlen explosionsartig steigen. Wir nehmen diese Herausforderung aber an. Wir werden von der Landesregierung unterstützt, Landesrätin Doris Kampus setzt sich sehr für unsere Arbeit ein, und sollte es der Fall sein, dass die Zahlen jener, die ein Schuldenregulierungsverfahren wollen, extrem steigen, wird man auch auf politischer Ebene reagieren. Es ist eine Chimäre zu sagen, dass die meisten Privaten, die Schulden machen, das im Vorsatz tun, weil sie da durch einen Privatkonkurs wieder rauskommen. Die meisten Menschen, die Schulden machen, tun dies aus Überzeugung, sie wieder zurückzahlen zu können. In den USA heißt das Verfahren ,Fresh Start‘. Und das ist es: Jeder verdient eine zweite Chance. Und das ist unser Credo.“ Vom neuen Insolvenzrecht sei noch wenig bekannt, an der Feststellung der Zahlungsunfähigkeit und der gerichtlichen Beurteilung werde sich aber nichts ändern, so Lösch. Die Beratungen durch die Schuldnerberatung finden derzeit vor allem telefonisch und per E-Mail statt. Sollte der Lockdown verlängert werden oder ein Lockdown 4 folgen, wird die Zahl jener, die zahlungsunfähig werden, noch weiter ansteigen. Die Insolvenzen gingen zwar zurück, dennoch meldeten auch ein paar prominente Firmen wie Hubert Auer – hier wird der Betrieb nach Schließung einiger Filialen fortgesetzt – oder die Grazer Wirecard-Niederlassung im Vorjahr Insolvenz an. STREET VIEW, REUTERS/ANDREAS GEBERT

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