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17. Jänner 2021

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- Straßen-, Gleis- und Leitungsarbeiten: Das sind die Baustellen des Jahres 2021 in Graz - Engpass durch Pensionierungen: Ärztemangel in Lend - Kommt Aus für Open-Airs am Grazer Messegelände? - Polizei erklärt ihr Vorgehen: Nach Demos weiter Kritik an Einsatzkräften - Drei Riesenbäume gefällt: Reste bleiben Wegweiser - Groß-Sanierung im Übelbacher Zentrum - No Time To Waste: Grazer gehen auf Müllsuche - Herr Ernst aus dem Landhauskeller: Der letzte Kultkellner der Stadt

szene graz 14

szene graz 14 www.grazer.at 17. JÄNNER 2021 Konzerte sind erst dann wieder sinnvoll, wenn sich die Menschen sicher fühlen, wenn sie einander ins Gesicht schauen Verena Leitold können und gemeinsam Gänsehaut bekommen.“ verena.leitold@grazer.at Veranstalter Klaus Leutgeb zur Corona-Situation KK Herr Ernst, der letzte 14 SCHÖN. Seit 38 Jahren arbeitet Ernst Gschweitl im Landhauskeller. Und kann sich gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Statt in die Pension will er endlich zurück ins Lokal und die Stammgäste wiedersehen. Traumberuf Kellner: Daran hat sich für Ernst Gschweitl seit seiner Lehrzeit 1975 im Hotel Pierer nichts geändert. Und auch jetzt denkt er noch lange nicht ans Aufhören. JAUK Von Verena Leitold verena.leitold@grazer.at Einer, der sich in Graz mit am meisten auf das Ende des Lockdowns und die Wiedereröffnung der Gastronomie freut, ist Ernst Gschweitl – besser bekannt als Herr Ernst aus dem Landhauskeller. 38 Jahre lang ist er inzwischen in diesem Lokal tätig und hat es damit sogar länger ausgehalten als die Inhaber selbst. Am 3. November 1982 hat er unter Sigrid und Michael Ranzmaier angefangen, 1990 folgten Günther und Doris Huber, seit 2015 sind Judith und Gerald Schwarz seine Chefs. Eine so lange Pause wie durch die Corona-Pandemie hat es in all den Jahren nicht gegeben. Auch hat Ernst nie daran gedacht, etwas anderes zu machen. „Schon in der zweiten Klasse Hauptschule hab ich in einem Aufsatz geschrieben, dass ich Kellner werden will“, erinnert er sich. „Daran hat sich seither nichts geändert!“ Dabei hat der heutige Restaurantleiter aber eigentlich viele Jobs gleichzeitig. Er fungiert nicht nur als Gastgeber und serviert Speisen und Getränke, sondern ist auch Comedian und vor allem Seelsorger. „Vor allem bei den älteren Stammgästen – einige sind weit über 90 Jahre alt – melde ich mich auch jetzt, wenn wir nicht offen haben, und frage, wie es ihnen geht“, berichtet er. Der Kontakt zu den Gästen geht Gschweitl momentan am meisten ab. „Ich brauch einfach Action!“ Dabei hat er Glück und kann den Lockdown mit seiner Frau – die er übrigens im Kultlokal „Einsame Herzen“ am Hilmteich, wo beide kurz gearbeitet Bei der Neueröffnung des Landhauskellers 2015: Herr Ernst mit Judith und Gerald Schwarz (v. r.) KERNASENKO

17. JÄNNER 2021 www.grazer.at szene graz 15 Michael Grossauer Der Chef der El Gauchos in Wien und Baden feiert heute seinen 42. Geburtstag. GEBURTSTAGSKINDER DER WOCHE Happy Birthday! Michael Schunko Der Gastronom (Freiblick, Kunsthauscafé) und Gemeinderat wird heute 56 Jahre alt. MIKES, MOMA Kultkellner der Stadt haben, kennengelernt hat – in grüner Umgebung am Land verbringen. „Andere legen sich einen Hund zu, wir haben seit einem Dreivierteljahr Pferde – in Miniaturversion: Minishetlandponys vor allem für die Enkel.“ Last Man Standing Auch wenn Ernst seit gut einem Jahr in Altersteilzeit ist, an die Pension denkt er noch lange nicht. Schließlich hat er auch eine ganze Zunft zu vertreten. „Ich kenne inzwischen niemanden mehr, der länger als zehn Jahre in einem Betrieb geblieben ist“, gibt er zu. Nach dem Abschied vieler Szene-Größen wie Manfred Goger aus der Ernst Fuchs Bar oder Herbert Graf aus dem Operncafé ist er der letzte Kultkellner der Stadt. Die jüngeren bleiben meist nur wenige Jahre, wechseln öfter den Betrieb. Für Herrn Ernst nicht vorstellbar. „Das Schönste ist, wenn man Familien über mehrere Generationen kennt und Stammgäste von der Taufe bis zur Hochzeit begleitet!“ Legende unter Legenden Durch viele Wirtshaus-Abende begleitet hat das Gastro-Urgestein auch viele prominente Gäste. „Arnold Schwarzenegger und Ralf Möller waren oft bei mir. Bis zu Rudolf Kirchschläger zurück alle österreichischen Präsidenten, viele Ministerpräsidenten aus unterschiedlichen Ländern – Heinz Fischer hat sich oft mit dem kroatischen Ministerpräsidenten auf halbem Weg bei uns in Graz getroffen. Und natürlich kamen auch viele Fußballspieler von Real Madrid bis Schalke 04.“ Der Herr Ernst ist nämlich selbst ein großer Fußballfan. Auf die Frage hin, ob man den Verein überhaupt schreiben darf, oder ob er dann Stammgäste verliert, meint er: „Sicher schreiben wir das, dann haben die Leute wenigstens was zu lachen! Wir müssen nämlich erst wieder aufsteigen!“ Apropos lachen: Noch bevor das erste Enkerl auf der Welt war, hatte Gschweitl einen GAK- Strampler gekauft. Die Ironie: Dieses Enkerl spielt jetzt in der U12 bei Sturm. Zumindest ist noch Zeit, bis es bei einem Derby zum Interessenskonflikt kommt ...

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