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16. Juni 2019

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32 viva www.grazer.at

32 viva www.grazer.at 16. JUNI 2019 Stoff, aus dem Träume sind: IDYLLISCH. St. Gallen ist als Textilstadt weltweit für seine Spitzen bekannt. Amal Clooney trug sie bei ihrer Hochzeit, Dior, Chanel und Armani schwören darauf. Aber auch sonst ist das Schweizer Städtchen spitze. Von Verena Leitold verena.leitold@grazer.at Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam rund die Hälfte der weltweiten Stickerei aus St. Gallen. Mit 18 Prozent war die Spitze die wichtigste Exportware der Schweizer Wirtschaft. Und trotz billiger Produktionsstädten in Asien hat sich an der Bedeutung bis heute nichts geändert, wenn man auf wirkliche Qualität setzt. Amal Clooney hat in einem Kleid aus Spitze des St. Galler Textilunternehmens Forster Rohner Schauspielstar George geheiratet. Auch andere Prominente wie Madonna, die Fürstin von Monaco oder die ehemalige US-First-Lady Michelle Obama kleiden sich gerne mit den Stoffen. In den Haute-Couture- Shows von Dior, Chanel, Armani und anderen Luxus designern werden sie über die Laufstege der Modemetropolen getragen. Zahlreiche Häuser in St. Gallen – darunter viele entzückende Fachwerkhäuser mit typischen Erkern – zeugen von der Bedeutung der Textilbranche damals und heute. Dazu ist sogar ein eigener Themenweg entstanden, der die Besucher des 80.000-Einwohner-Städtchens an diesen textilen Schätzen vorbeiführt. Im eigenen Textilmuseum ist noch bis 19. Jänner 2020 die Ausstellung „Mode Circus Knie“ zu sehen, die anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Schweizer Nationalzirkus Knie eine Reise durch die Jahrzehnte der Zirkuskostüme unternimmt. Nicht entgehen lassen sollte man sich außerdem die kulturellen Schätze der Stiftsbibliothek, die 1983 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Bestand der heute noch aktiven Bibliothek beträgt rund 170.000 Bücher. Besondere Sehenswürdigkeiten sind der über zwei Meter hohe Globus aus dem 16. Jahrhundert und die ägyptische Mumie der Schepenese, die sich seit 1836 zusammen mit ihren Sarkophagen im Eigentum der Bibliothek befindet. Außerdem ist seit kurzem auch der berühmte St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Pergament ist die früheste Darstellung eines Klosterbezirks aus dem Mittelalter. In einem eigenen Ausstellungsraum kann der Klosterplan, gekonnt inszeniert, jeweils für zwanzig Sekunden begutachtet werden – zu viel Licht am Stück würde dem wertvollen historischen Zeugnis nämlich schaden. In der Stiftsbibliothek St. Gallen wird außerdem der sogenannte Abrogans aufbewahrt: ein Glossar aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, das als das älteste deutsche Buch überhaupt gilt. Modernes St. Gallen Trotzdem lebt die Stadt am Bodensee nicht in der Vergangenheit. Der Rote Platz von Künstlerin Pipilotti Rist, die auch das Loft im Wiener Sofitel gestaltet hat, wird als Stadtlounge und urbanes Wohnzimmer genutzt. Richtig urban ist etwa auch die „Lokremise“. In den ehemaligen Bahn- Hallen findet man neben einer Galerie, einem Kino und einem Theater auch ein cooles Lokal – in dem man einige der Tische auf den Schienen verschieben kann.

16. JUNI 2019 www.grazer.at viva 33 St. Gallen zeigt sich spitze KURZSCHUSS (2), SHOTMEDIA

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