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16. Februar 2021

- Grazerin rockt jetzt die Starmania-Bühne - Hilferuf der Gastronomen, Hoteliers, Sportler und Künstler, - Kabarett-Musiker Paul Pizzera im Interview - Grazer Original: Ghostwalker Josef Tschida - Bezirksvorsteherin fordert Neugestaltung von Gries

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6 graz www.grazer.at 16. FEBRUAR 2021 Interview mit Paul Pizzera Im Lockdown auch auf der faulen Haut liegen, aber nicht nur... ULRIKE RAUCH „Die kollektive Tristesse wird Bühnen-Geilheit nicht killen“ INTERVIEW. Der Grazer Rocksänger, Gitarrist und Kabarettist Paul Pizzera blickt trotz Absagefrust positiv in die Zukunft. Das dritte Album „Comedian Rhapsody“ ist fast fertig, der Terminkalender voll, was fehlt sind Liveshows. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at Wir reden am Faschingdienstag miteinander. Sind Sie in Faschingslaune? Paul Pizzera: Nicht wirklich. Ich habe den Faschingsdienstag immer gern gehabt. Ich verkleidete mich auch liebend gern und hatte mit meinen Kumpeln immer viel Spaß. Jetzt ist die Sache so: Am Aschermittwoch muss ich keinen Slalom mehr zwischen Erbrochenem, Glasscherben und Flaschen absolvieren. Das ist wenn man so will einer der wenigen positiven Kollateralschäden der Pandemie. Wie waren die Faschingsfeste in Ihrer Kindheit? Als was sind Sie da unterwegs gewesen? Pizzera: Ich habe mich gerne als Batman kostümiert. Manchmal auch als Ghost Buster oder als einer der Bobfahrer von Cool Runnings. Was mich als Kind schon gewundert hat war, dass einige als Chinesen zum Faschingsfest gingen. Geht man dann in China auch als Europäer? Maskiert sind wir alle jetzt eigentlich alle. Werden Sie auch mit der Maske von Fans erkannt? Pizzera: Meistens schon. Es ist schon eigenartig, dass man Menschen die man kennt, obwohl man nur ihre Augen sieht, erkennt. Sie sind in Hitzendorf aufgewachsen und dort in die Volksschule gegangen. Allerdings, kann man bei Hitzendorf, nahe an Graz, nicht mehr sagen Sie sind am Land aufgewachsen? Pizzera: Hitzendorf ist ein charmantes Örtchen. Wir haben direkt am Steinberg gewohnt und das liegt so zwischen Hitzendorf und Graz. Ich war natürlich auch als „Bua“ sehr oft in Graz. Wo Sie ja letzten Endes bis heute geblieben bist... Pizzera: Ich habe meine sogenannte wilde Jugendzeit in Graz verbracht, bin ins Gynasium Dreihackengasse im Bezirk Gries ge- gangen, habe Germanistik studiert und von Graz aus auch meine Karrerie gestartet. Graz ist mein Lebensmittelpunkt, ich liebe Graz über alles. Es ist die perfekte Mischung aus kleiner Großstadt und großer Kleinstadt. Ihren ersten größeren Auftritt hatten Sie ja bei Lets Spend The Night Together, dem Benefiz-Klassiker im Grazer Orpheum? Pizzera: Genau. Ich war am Abend vorher in Wien bei einer Firmengala. Das war ein fürchterliches Erlebnis und ich war ziemlich down. Dann Lets Spend. Mehr als 1000 Menschen, vor so vielen Leuten hatte ich noch nie gespielt. Das war prägend und gab mit sehr viel Aufschwung. Mit Otto Jaus, (links) hat Pizzera den idealen Partner gefunden. ULRIKE RAUCH Der Aufstieg danach war raketenartig. Defacto von Null auf Nummer 1. Ausverkaufte Hallen, Clubs und Konzertsäle pflastern Ihren Karriereweg. Sie waren in einer Art Rock‘n‘ Roll Train unterwegs, die jetzt von Corona abrupt gestoppt wurde. Pizzera: Es ist mühsam und zach. Aber die kollektive Tristesse wird die Bühnen-Geilheit nicht unterkriegen. Trotz Absagefrust denke ich und natürlich auch mein Freund und Partner Otto nur an eines: Endlich wieder auf die Bühne, einige Stunden schwitzen, viele Menschen hautnah unterhalten, das Adrenalin, das Backstage-Leben. Es ist höchste Zeit dieses Gefühl wieder erleben zu können. Appropos Absagefrust. Haben Sie schon nachgerechnet wie hoch der Schaden ist, den Pizzera und Jaus durch die Corona-Pandemie erlitten haben? Pizzera: Ich habe das noch nicht in Zahlen festgemacht. Denke aber es wird nicht so schlimm sein. Wir konnten alle Veranstaltunge, die abgesagt werden mussten, auf Ersatztermine verlegen. Leider müssen jetzt bereits Ersatztermine wiederum auf neue Ersatztermine verlegt werden. Weiter geht‘s auf der nächsten Seite!

16. FEBRUAR 2021 www.grazer.at graz 7 Live sind Paul Pizzera und Otto Jaus unschlagbar. Sie füllen die Grazer und Wiener Stadthalle genauso wie das Orpheum oder kleine Clubs. ULRIKE RAUCH Wer checkt die vielen Termine, das ist eine mühsame Aufgabe? Pizzera: Zum Glück macht das meine Wiener Agentur. Das Hinund Her-Verschieben der vielen vielen Konzerte ist ein Wahnsinn. Wir haben schon einige ausverkaufte 2020-Shows, etwa in der Wiener Stadthalle und in der Grazer Stadthalle auf 2022 verlegt. Schlimmer geht es da den Leuten, die rund um uns herum tätig sind. Die Backliner, die Tontechniker, die Lichttechniker, da stehen viel vor finanziellen Problemen. Hier muss die Regierung sich was ein- fallen lassen, denn diese Leute fallen derzeit durch den Rost, Corona, keiner kann das Wort mehr hören. Dennoch meine Frage: Werden Sie die Pandemie irgendwie in einem der nächsten- Songs verarbeiten? Pizzera: Nein, derzeit nicht. Die Menschen sind der Situation überdrüssig. Ich denke man kann vielleicht in ein paar Jahren, wenn das Thema endlich erledigt ist, auch als Kabarettist humoristisch auf diese Zeit zurückblicken. Obwohl es in diesen Tagen schon mühsam sein kann, den Humor verliert Pizzera nie: „Die Corona-Krise muss man wie ein Einkaufswagerl vor sich herschieben RAUCH Auch privat verstehen sich Otto Jaus (links) und Paul Pizzera bestens. Gearbeitet wird derzeit im Grazer Homestudio von Pizzera. ULRIKE RAUCH Sie sind 32, haben Germanistik studiert, gab es da je einen Plan B? Pizzera: Nein. Ich denke ich werde das was ich mache, schon noch eine zeitlang tun können. Sollte es einmal wirklich soweit sein, dass ich nicht mehr von der Kunst leben kann, ja dann trag ich halt wieder Leerflaschen zurück. Otto Jaus und Sie haben in Ihrem Studio in der Corona-Zeit immer wieder gearbeitet. Auf was dürfen die Fans sich da freuen? Pizzera: Wir haben die neue Single fertig. Sie heißt „Shotgun“ und wir arbeiten gerade noch an der Fertigstellung des Videos. Im Proberaum war natürlich absolute Virus-Sicherheit? Pizzera: Klar. Ich habe mich immer in der Opernapotheke testen lassen, Otto kam auch stets mit aktuellen Anti-Gen-Test. Das dritte Album von euch soll auch schon fertig werden, hört man? Pizzera: Man hört richtig. Das dritte Album ist bereits fertig und wir wissen nur noch nicht wann wir es veröffentlichen sollen. Am liebsten würden wir das neue Album in einer Live-Präsentation aus der Taufe heben. Mal sehen ob das möglich ist. Die Single kommt jetzt auf jeden Fall gleich raus, sie soll für unsere Fans sozusagen als Substitol für die Wartezeit auf Live- Shows wirken. Wie halten Sie sich in diesen manchmal auch sehr faden Tagen körperlich fit? Pizzera: Da gehe ich mit meinem Freund Thomas, der ja Ihr Sohn ist, boxen. Wir trainieren dreimal wöchentlich. Und es macht riesig Spaß und ich fühle mich danach Vielleicht kann man in ein paarJahren als Comedian auf Corona zurückblicken“ Paul Pizzera, Kabarettist, Musiker, Komponist. immer saugut. Ihr Sohn ist da ein wirklich hervorragender Coach. Sonst wird natürlich gut gegessen. Gutes Essen, es muss gar nicht teuer sein, kann auch über triste Tage hinwegtrösten, Zurück zum Album. Habt ihr da schon einen Titel? Pizzera: Noch nicht fix, Otto und ich dachten aber beide an so etwas wie „Comedian Rhapsody!“ Eine sehr gute Wahl... Pizzera: Wenn wir Ihren Segen haben, solls so sein! Pizzera in Zahlen ■ Geboren: 17. Juli in Deutschlandsberg ■ Schulzeit: Volkssschule in Hitzendorf, Mittelschule in Graz. ■ Studium: Germanstik 2007 an der Uni Graz. Abschluss mit Bachelor 2011. ■ Kabarettprogramme: „Zu wahr, um schön zu sein“ (2011), „Sex, Drugs and KleinKunst“ (2014), „Unerhört solide“ (2017), „Wer nicht fühlen will, muss hören“. (2019). Die beiden letzteren Programme schon mit Otto Jaus.

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