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14. Oktober 2018

- Winterspiele 2030 in Graz: Die olympische Flamme lodert wieder - Graz kämpft für Flüsterbims - Dreispuriger Ausbau der A9 rückt näher - Grazer Dom braucht Hilfe für Renovierung - Klimabilanz hat sich verbessert - 48 Prozent der Grazer Volksschüler auch nachmittags in der Schule - Graz soll seine Wildtiere besser schützen - Neue Vision für die Merangasse - EuroSkills und Aufsteirern: Handwerk trifft Tradition - Christbaum heuer nur auf Kurzbesuch - 8. „Grazer“ Wirtschafts-Stammtisch

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46 motor www.grazer.at 14. OKTOBER 2018 Runder Tisch: Wohin die Erich Klambauer, „Grazer“-Geschäftsführer Gerhard Goldbrich, Chefredakteur Tobit Schweighofer, Walter Graf, Erwin Schager und Rudolf Hofer diskutierten beim Runden Tisch im San Pietro angeregt über die Mobilität der Zukunft und gaben Einblicke in die Grazer Autowelt. LUEF (6) MOTORISIERT. Renommierte Grazer Autohändler diskutieren über E-Autos und die Autobranche von morgen. Von Tobit Schweighofer tobit.schweighofer@grazer.at Wie werden wir in Zukunft Autofahren? Wie werden unsere fahrbaren Untersätze angetrieben und wie wird die Arbeit eines Mechanikers aussehen? Wir haben die Grazer Autohändler Walter Graf (Ford Reisinger), Erwin Schager (Ford Jagersberger), Rudolf Hofer (Denzel) und Erich Klambauer (Porsche Liebenau) zum Runden Tisch gebeten, um die Zukunft der Grazer Mobilität zu klären und Antworten auf diese Fragen zu finden. In einem sind sich alle einig: auch wenn uns Benzin und Diesel mindestens die nächsten 15 Jahre noch sicher begleiten wird, das Elektroauto wird kommen. Unklar ist nur: in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt das E-Auto den Markt beherrschen wird. „E-Autos werden schon bald voll durchschlagen“, ist Schager überzeugt. „In zwei Jahren werden sich die Zuwächse verdoppeln. Man sieht das ja schon jetzt an den E-Bikes, acht von zehn verkauften Rädern sind da elektrisch betrieben. Es stellt sich nur die Frage, wie schnell die Fabrikanten E-Autos produzieren können, die gehen weg wie die warmen Semmeln.“ Das derzeitige Problem der geringen Reichweite wird laut Schager auch bald gelöst sein: „Ab kommendem Jahr werden die E-Autos mit einer Ladung weiter als 400 Kilometer kommen.“ E-Autos nur mit Stütze Schlagers Kollegen sehen diese Entwicklung allerdings weniger euphorisch. „E wird steigen, das ist keine Frage, aber sicher nicht so schnell“, erklärt Graf. „Alternative Autoantriebe müssen kommen“, glaubt auch Klambauer, der aber die Infrastruktur als Hauptproblem sieht. „Es gibt viel zu wenig Ladestationen, und jemand, der kein eigenes Haus besitzt, benötigt halt einmal eine öffentliche Ladestation.“ Mit entsprechendem politi- schen Willen sei allerdings vieles möglich, da sind sich alle einig. „In den Niederlanden oder in Schweden gibt es eine bis zu 40-prozentige Stütze, so etwas treibt den Verkauf natürlich an“, berichtet Hofer. Überhaupt muss man im Verkauf umdenken, da die Anforderungen an einen Verkäufer ganz andere sein werden. „Heute kommen die Kunden zu uns und wissen schon ganz genau, welches Modell sie in welcher Farbe haben wollen, weil sie sich vorher lange im Internet informiert haben“, erzählt Schager. „So viel kann ein Verkäufer gar nicht wissen. Deshalb geht es inzwischen viel mehr darum, ein gutes Verhältnis zum Kunden aufzubauen und ihn zu beraten.“ Und das ganz individuell, denn „im Denken gibt es meistens kein Besser oder Schlechter. Jeder hat sein spezielles Auto, das Auto, das zu ihm passt, und genau das will er“, erklärt Hofer. Auch das Anforderungsprofil an einen Mechaniker hat sich komplett gewandelt. „Das sind schon viel eher hochqualifizierte Elektroniker und dementsprechend schwer ist es auch, da gute Lehrlinge zu finden.“ Wohnungsautos Sehr spannend werden sich die künftigen Formen des Autoverkaufs entwickeln. „Wir arbeiten schon gemeinsam mit Immobilienfirmen an Modellen, bei denen man zusätzlich zu den Wohnungsmieten ein Auto für zum Beispiel 150 Tage im Jahr mieten kann“, berichtet Hofer. Diese „Wohnungsautos“ sind auch deshalb interessant, weil immer mehr aufs Auto verzichten werden. „Zumindest sieht man das an der jungen Generation“, erzählt Graf. „Ein Auto ist definitiv nicht mehr das Statussymbol, das es früher war. Das ist von Handys oder Reisen abgelöst worden.“ Auch herkömmliche Verkaufsformen befinden sich bereits im Wandel: „Früher hast du zum Beispiel auf einer Automesse 30 Autos verkauft. heute kann man froh sein, wenn überhaupt 30 Leute kommen“, meint Schager. Und auch wenn sich die Grazer Autoverkäufer sicher sind, dass es der Branche noch lange gut gehen will, ist auch klar, dass nur der gut leben wird, der Kreativität und Flexibilität beweist.

14. OKTOBER 2018 www.grazer.at motor 47 Autos der Zukunft fahren Erich Klambauer Porsche Liebenau Wir brauchen für die Zukunft gut geschultes Personal. Unsere Anforderungen an das technische Wissen sind sehr hoch, damit wir unsere Produkte an den Mann bringen.“ Erwin Schager Ford Jagersberger Ich glaube, dass in den nächsten fünf Jahren eine große Veränderung auf uns zukommt, wie sie das letzte Mal vor 50 Jahren passiert ist. Wir werden vor großen Herausforderungen stehen, aber wir werden sie meistern.“ Rudolf Hofer BMW Denzel Das Autohaus der Zukunft ist ein Faceto-Face-Geschäft. Trotz Internet und trotz Herstellern wird es immer wichtig sein, dass man eine Beziehung zum Kunden aufbaut. Das wird uns in Zukunft ein wenig vom Hersteller trennen und die Kunden näher an uns binden, davon bin ich persönlich überzeugt.“ Walter Graf Ford Reisinger Trotz vieler alternativer Antriebskonzepte werden uns Diesel- und Benzinmotoren noch die nächsten fünfzehn, zwanzig Jahre begleiten. Sie werden immer effizienter, werden weniger Schadstoffe ausstoßen. Es braucht also keiner Angst zu haben, wenn er einen modernen Diesel oder Benziner kauft, die bleiben uns noch lange erhalten.“

2021