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14. November 2021

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- Umfrage: Mehrheit der Grazer für Corona-Impfpflicht - Die Rot-Grün-Rote Koalition steht - Land erhöht Heizkostenzuschuss massiv - Eislaufen am Citypark-Dach - Junkerpräsentation im kleinen Rahmen

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2 die seite zwei www.grazer.at 14. NOVEMBER 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Lockdown darf kein Knockdown sein B ei den aktuellen Corona-Zahlen kann man natürlich nicht tatenlos zusehen. Vor allem nicht, wenn man Gesundheitsminister ist. Klar ist auch, dass man, egal was man tut, von vielen kritisiert werden wird. Aber als Politiker ist man gewählt, um das Richtige zu tun und im Idealfall populär zu machen. Egal wie viel Zorn einem entgegenweht. Lockdown für Ungeimpfte hört sich angesichts der hohen Inzidenzen zunächst fast unausweichlich an. Nur die Konsequenzen könnten noch viel schlimmer ausfallen. Im Pflegebereich etwa, wo bekanntlich dringend Personal gesucht wird. Sollten die Ungeimpften hier zuhause bleiben müssen, wären zahlreiche hilfsbedürftige Menschen plötzlich ohne Betreuung. Im Büro von Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß fürchtet man bereits, dass geimpfte Pfleger notdürftig für ihre Kollegen einspringen und letztendlich deren Suppe auslöffeln müssten, was zu enormen Spannungen führen würde. Aber auch in der Politik könnte es zu kuriosen Situationen kommen. Die neue FP-Chefin Claudia Schönbacher ist nicht geimpft und dürfte ihr Haus nicht verlassen. Ihre Angelobung müsste sie aber wohl nicht per Videokonferenz ablegen, denn zumindest für Politiker sieht der Gesetzgeber Ausnahmen vor. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Ein großer Frühstücker ist Lukas Hasler nicht; vor allem auf Tour ist ein geregelter Morgenablauf oftmals nicht möglich. PRIVAT ... Organist Lukas Hasler Der international bekannte Grazer Konzertorganist spricht über die Orgel, Freizeit als Profimusiker und das verbindende Element in der Musik. Wie früh spielt es bei Ihnen schon Musik? Ich starte morgens immer mit Musik und den Nachrichten in den Tag. Das kann mal um 6 Uhr oder um 9 Uhr sein. Ein festes Morgenritual habe ich, besonders wenn ich auf Tour bin, aber nicht. Ein Frühstück gibt es aber? Wenn es die Zeit erlaubt, bereite ich in der Früh meistens einen Porridge mit Früchten zu. Aber ein großer Frühstücker bin ich eigentlich nicht. Diese Woche hätten Sie, vor der coronabedingten kurzfristigen Absage, bei der Gedenkveranstaltung an die Novemberpogrome in Graz auftreten sollen. Ist Ihnen die Erinnerungskultur wichtig? Meiner Meinung nach ist Musik ein verbindendes Element der Menschheit und vermittelt uns das, was mit Worten nicht gesagt werden kann. Für mich ist das Gedenken daran essenziell, weil wir nur durch eine lebendige Erinnerungskultur sicherstellen können, dass es ein „Nie wieder“ gibt. Wenn ich dazu einen musikalischen Beitrag leisten kann, mache ich das selbstverständlich. Sie sind als Orgelspieler international bekannt, haben Konzerte auf der ganzen Welt. Wie ist es für Sie, wenn Sie zurück nach Graz kommen? Ich wohne jetzt seit über sieben Jahren in dieser wunderbaren Stadt und komme immer wieder gerne nach Graz zurück. Nicht nur, weil ich hier mein soziales Umfeld habe, es gibt ja auch viele sportliche und kulturelle Möglichkeiten. Geht sich freizeittechnisch, mit Tourneen und Auftritten, überhaupt noch was aus? Es ist immer eine Frage der Einteilung. Wenn man gut organisiert ist, bleibt auch noch genügend Zeit für Freunde und Hobbys. Also ein klares Ja. Wie kamen Sie eigentlich auf die Orgel? In meiner Kindheit zogen meine Eltern und ich in einen neuen Ort, wo ich die Orgel in der dortigen Kirche zum ersten Mal gehört habe. Da hat mich ihre Klangfülle sofort fasziniert. Ein paar Jahre später habe ich dann vom Klavier in der Jugendband auf die Orgelempore gewechselt. Wann war Ihnen klar, das professionell machen zu wollen? Das war über die Jahre ein sich entwickelnder Prozess. Mit 16 habe ich an die Kunstuniversität Graz gewechselt und ab dann war klar, dass ich von der Musik leben möchte. Wie haben Sie die, musikalisch doch sehr leise, Corona-Zeit bisher erlebt? Noch am Tag vor dem Lockdown habe ich ein Konzert in Deutschland gespielt und es war nicht sicher, ob ich es danach noch nach Graz zurück schaffen würde. Das hat geklappt, den ersten Lockdown habe ich dann in meiner Grazer Wohnung verbracht, wo ich glücklicherweise ein Übungsinstrument habe. So war es für mich doch eine „musikalische“ Zeit. Was steht in Zukunft an? Wegen der Pandemie musste meine „World Tour 2020“ abgesagt werden. Zwar kann man in viele Staaten wie zum Beispiel China oder Australien nach wie vor nicht einreisen, aber ab Dezember werde ich nun wieder monatlich für Konzerte in den USA sein. Langsam kehrt also wieder so etwas wie „Normalität“ ein. FABIAN KLEINDIENST Lukas Hasler, 1996 in Rottenmann geboren, ist ein international bekannter Konzertorganist, Komponist und Chorleiter. Mit 16 Jahren wurde er in die Orgel-Vorbereitungsklasse der Kunstuni Graz aufgenommen. 2013 wurde er mit dem Steirischen Landeskulturpreis der Kategorie „Hochbegabte Jungmusiker“ ausgezeichnet, mittlerweile spielt er in Hallen in den USA, Frankreich, Deutschland und vielen anderen Ländern. Er lebt in Graz und Straßburg.

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