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14. März 2021

- Bürgerbeteiligung: Augarten wird zum Familienpark - Montblanc kommt nach Graz - Ein Jahr Corona in Graz - Informations-Offensive von Stadt und Holding

22 graz www.grazer.at

22 graz www.grazer.at 14. MÄRZ 2021 S E R V I C E Leser Briefe redaktion@grazer.at U-Bahn schafft Grünraum Zum Bericht „38.615 Wohnungen in Graz stehen leer“: Die Tatsache des Leerstandes ist leider nicht neu, die Zahl freilich entlarvt all jene Politiker, die sich seit langem konsequent gegen deren Feststellung wehren. Wider besseres Wissen, denn schon 2002 sprach der damalige Stadtrat Josel von „rund 20.000 leerstehenden Wohnungen in Graz“. Gemeinderätin Bauer sei daher gedankt, endlich die Wahrheit auf den Tisch gelegt zu haben. Conclusio: Die Wohnungspolitik von Bürgermeister Nagl – „Ich freue mich, je mehr Baukräne ich in Graz sehe …“ – ist kläglich gescheitert! Dennoch wird weiter auf „Teufel komm raus“ zubetoniert – ohne Bedarf und ohne Rücksicht auf Grünraum-Verluste. Beispiel: In neun Wohnblöcken der neu errichteten ÖWG-Genossenschafts- Siedlung am Pfeifferhofweg in Andritz stehen seit der Eröffnung im Herbst 2020 zahlreiche der rund 126 Wohnungen unverändert leer. Egal, die Förderungen sind eh geflossen. Ein paar Meter weiter baute die GWS, Pardon: deren Sub-Gesellschaft GWS-exklusiv, weitere zwei Wohnblöcke. Stellt sich auch die Frage: Laut Genossenschafts-Gesetz dürfen diese keinen Gewinn machen. Dennoch erwirtschafteten manche ein „Körberlgeld“ (auch aus Förderungen?), gründen Sub- Firmen und bauen freifinanzierte Projekte. Die erst recht nicht für diejenigen leistbar sind, die sie bräuchten, bestenfalls für Anleger – siehe Leerstand, bei gleichzeitig abnehmendem Zuzugs-Bedarf. Also betonieren wir – dank dem seit 2018 alle Türen öffnenden Flächenwidmungsplan – weiter alles verfügbare Grün zu. So gesehen kommt die U-Bahn-Idee gerade recht: Hier kann alternativ und großflächig neuer Grünraum billigst geschaffen werden – mit grüner Malerfarbe in den Stationen und auf 25 km Streckenlänge … Erich Cagran, Graz Mehr Respekt gefragt Zum Leserbrief „Kein großer Wurf“ von Karl Reiter: Der Leserbrief spricht mir aus der Seele. Es ist geradezu schändlich, wie der Kfz-Verkehr in Graz zu Lasten der schwächeren Verkehrsteilnehmer bevorzugt wird. Gerade gestern war ich mit dem Kinderwagen in unserem Bezirk spazieren. Mangels vorhandener Gehsteige war ich am linken Straßenrand unterwegs. Ein mir entgegenkommendes Fahrzeug blieb gezwungenermaßen vor mir stehen, da sich auf der anderen Fahrbahnseite auch drei Autos näherten. Die Lenkerin wild gestikulierend, ihr Beifahrer kurbelt das Fenster runter und beginnt mich wüst zu beschimpfen, dass ich den Verkehr behindere und doch ausweichen solle. Wohin? Über einen Wasserlauf oder auf die steile Böschung? Und das mit Kinderwagen?. Wo kommen wir da hin, wenn man wegen 30 Sekunden Wartezeit die schwächeren Verkehrsteilnehmer so beschimpft? Ich bitte alle um mehr Respekt füreinander und hoffe, dass in Zukunft in Graz auch in den Randbezirken mehr für die Fußgänger und Radfahrer getan wird. Petra Abart, Graz * * * Zerstörerischer Plan Dass Covid-19 nicht zu unterschätzen ist und Vorsichts- und Hygienemaßnahmen getroffen werden müssen, um die unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, steht fest. Nicht einzusehen aber sind die von der Bundesregierung immer weiter verlängerten Lockdown-Maßnahmen, die nur mit Ungewissheit über Mutationen sowie mit den vielzitierten „Fallzahlen“ begründet werden. Denn diese Zahlen alleine sind nicht ausschlaggebend. In die Risikoabschätzung müssen genauso Zahlen von Krankenhaus- und Intensiv-Patienten sowie Todesfälle einbezogen werden. Ebenso gehören Psychologen, Soziologen, Pä dagogen und Wirtschaftswissenschafter in die Entscheidungsfindung eingebunden. Derzeit weiß man also sehr wenig über die Virus-Mutationen. Es gibt nur Vermutungen, dass die Varianten ansteckender sind, aber keinerlei Studien zu schwereren Krankheitsverläufen etc. Weil trotz der Immer wieder bringen Leser im Zuge der Diskussion zu den Mobilitätsplänen für Graz den O-Bus in Erinnerung. Graz hatte schon mal einen. KK gigantischen Zunahme an Tests (und dichtem Gedränge in Öffis) die Anzahl der Corona-Positiven stagniert und gleichzeitig die Hospitalisierungs-Zahlen sinken, ist davon auszugehen, dass die neuen Mutanten harmloser sind als „das Original“. Vor diesem Hintergrund erscheint es absurd, wenn Kanzler Kurz Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Sport für weitere sieben Wochen geschlossen hält. Noch dazu, wo Österreich ohnehin EU-weit bereits Schlusslicht in der wirtschaftlichen Bewältigung der Corona-Krise ist. Die Dauer dieses Lockdowns verursacht eine bedrückende soziale, psychische und gesellschaftliche Destabilisierung in unserem Land, ruiniert unzählige Betriebe und schaufelt den nächsten Generationen ein milliardenschweres Schuldengrab. Zusperren ist ein zerstörerischer Plan. Setzen wir lieber auf Eigenverantwortung und Vernunft und geben wir den Menschen in diesem Land die Chance, sich zu beweisen. Monika Greilberger, Graz * * * O-Bus, das ist die Lösung! Zum Kommentar von Tobit Schweighofer „Einen Gang höher schalten“. Nichts gegen S-Bahn und Tram-Ausbau, aber mit viel weniger Geld könnte man rascher mehr ökologischen Effekt erzielen, wenn man auf die ökologische Bestvariante setzen würde. Beim ÖV sind alle politischen Parteien mit Blindheit geschlagen – warum setzen sie nicht auf den O- Bus??? Im Betrieb ist der O-Bus genauso energieeffizient wie die Tram. Von der Investition und der Realisierungszeit ist der O-Bus um den Faktor 5–10 günstiger als die Tram. Wenn man im Bereich ÖV die CO2-Ziele erreichen will, kann die Antwort nur O-Bus lauten. Durch die hohen Investitionen in die Tram hat diese einen großen fixen ökologischen Fußabdruck – daher ist unter dem Strich der O-Bus mit Abstand die umweltfreundlichste Variante!! Manfred Uttenthaler, Graz * * * Leere Wohnungen Zum Bericht „38.615 Wohnungen in Graz stehen leer“: Das ist schon ein altes Thema und bislang nie gelöst. Wenn ich, was ich öfters mache, einen Spaziergang unternehme, sehe ich immer wieder große Neubauten, wo einst Wiesen und Äcker waren. Ich mag diese Neubauten nicht, hätte lieber die Wiesen wieder. Aber nun stehen sie mal da und warten auf neue Bewohner. Die lassen oft auf sich warten. Die meisten Wohnungen in solchen Neubauten sind sogenannte Anlegerwohnungen. Leute von überall her legen also ihr Geld in einer Wohnung in Graz an, damit sie mal Früchte trage. Wie kann man das stoppen? Maria Weigart, Graz

14. MÄRZ 2021 www.grazer.at graz 23 Zentrum für Essstörungen NEUER ZUGANG. Die Betreuungslücke für Menschen mit Essstörungen wird jetzt geschlossen. Das Land Steiermark und die Stadt Graz setzen dabei gemeinsam mit der Lebenshilfe auf einen neuen Zugang. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at Geschätzt 30.000 Menschen in der Steiermark leiden an Essstörungen. Laut Krankenhäusern steigt die Zahl durch den Lockdown stetig an. Derzeit besteht eine Lücke in der Begleitung von Menschen mit Essstörungen: Es gibt zwar ausgezeichnete professionelle Angebote – zum einen aber zu wenige, zum anderen sind die Betroffenen außerhalb des stationären Bereichs nicht ganzheitlich versorgt. Eine Essstörung macht oft einsam, eine berufliche Tätigkeit oder der Schulaufenthalt sind schwierig, private Therapien und Versorgungsleistungen für viele auch unerschwinglich. Unter dem Titel LeLi (Leben Lieben) wird im Juli auf den Reininghaus-Gründen ein neues Tageszentrum für Frauen und Männer, die an Anorexia Nervosa (Magersucht), Bulimia Nervosa (Bulimie), Binge-Eating-Disorder oder ähnlichen Erkrankungen leiden, eröffnet. In dem Zentrum geht es darum, den Alltag zu bewältigen, Therapiemöglichkeiten zu nutzen. Die Vorteile einer stationären Behandlung werden mit einer ambulanten Therapie kombiniert. Dieses Angebot wird von der öffentlichen Hand subventioniert. Gefördert wird es vom Gesundheitsfonds Land Steiermark und von der Stadt Graz, durchgeführt von den Lebenshilfen Soziale Dienste in Kooperation mit der Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin. Im LeLi wird es u. a. auch Workshops und Informationsveranstaltungen für Angehörige geben. Landesrätin Juliane Bogner- Strauß: „Das neue Tageszentrum ist gerade jetzt ein enorm wichtiges Zeichen, um auf das Problem aufmerksam zu machen und Stigmatisierungen entgegenzuwirken. Die Corona-Pandemie stellt die Steirerinnen und Steirer tagtäglich sowohl vor große körperliche als auch vor psychische Herausforderungen, und damit einhergehend leiden mehr Menschen an Essstörungen. Mit kompetenten Therapieformen und Entscheidungshilfen erfahren hier Betroffene und deren Angehörige professionelle Unterstützung sowie Begleitung in dieser schwierigen Lebensphase.“ Bürgermeister Siegfried Nagl: „Mit diesem Angebot wollen wir Menschen mit Essstörungen und deren Angehörige in ihrem schwierigen Alltag begleiten und Hilfestellung bieten. Einen wesentlichen Schwerpunkt des neuen Tageszentrums wird die Präventionsarbeit einnehmen. Nur durch ein sensibles Heranführen an dieses Thema können Essstörungen vermieden werden.“ Für Menschen, die unter Essstörungen leiden, gibt es ab Juli auf den Grazer Reininghaus-Gründen das erste Tageszentrum dieser Art in Graz. GETTY Juliane Bogner-Strauß: Unterstützung in schwieriger Lebenslage. KK Siegfried Nagl: Wesentlicher Teil ist die Präventionsarbeit. STADT GRAZ/FISCHER

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