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14. März 2021

- Bürgerbeteiligung: Augarten wird zum Familienpark - Montblanc kommt nach Graz - Ein Jahr Corona in Graz - Informations-Offensive von Stadt und Holding

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 14. MÄRZ 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Ein bisserl mehr Graz geht immer Z um Start unserer digitalen Tageszeitung, die man gratis per App lesen kann, haben wir unser ehrgeiziges Vorhaben unter das Motto „Mehr Graz geht nicht“ gestellt. Wir haben versprochen, unsere Leser täglich auf mindestens acht Seiten über ihre Stadt zu informieren. Jetzt, ein gutes Monat später, müssen wir zugeben: Wir haben uns grob verschätzt. Acht Seiten sind bei Weitem nicht genug, um tatsächlich seriös abzubilden, was hier alles passiert. In der täglichen jetzt noch detaillierteren Auseinandersetzung mit Graz wird uns immer klarer, wie lebendig und vielschichtig diese pulsierende Stadt ist. Neben aktuellen Berichten über die Diskussionen um eine U-Bahn, den Impfstart oder die Handel-Öffnung haben wir einem Grazer Gastronomen dabei geholfen, sein Café zu retten, aber auch exklusive Geschichten aufgedeckt, die österreichweit für Aufsehen sorgten. Wie etwa mit der Story um eine Zahnärztin, die zahlreiche gesunde Patienten operiert haben soll. Schon jetzt kann man sagen, dass wir mit dem täglichen E-Paper eine unheimlich spannende Reise angetreten sind. Gehen Sie den Weg mit uns und entdecken Sie mit uns die vielen spannenden Seiten unserer Stadt. Wir werden auf jeden Fall noch stärker weitermachen, denn ein bisserl mehr Graz geht dann doch immer. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Ausgiebig gefrühstückt wird meist in der Wohnung. In seinem Archiv reicht Kubinzky ein Espresso. Das gibt Kraft für seine Projekte, wie etwa seine letzten Ausstellungen „Dein Graz“ und „Immer schön“. LUEF ... Karl Albrecht Kubinzky Der versierte Grazer Stadthistoriker spricht über „Detektivarbeit“, sein riesiges Archiv, störende Ordnungsfanatiker und darüber, was ihn antreibt zu forschen. Was macht das Frühstück eines Historikers geschichtsträchtig? In meinem Fall wohl die historischen Keramikteller der Familie Kubinzky samt Wappen. Darauf kommt aber Klassisches: Lachs, Ei, Kipferl etc. Dazu gibt’s erst Espresso zum Wachwerden und dann Tee. Sie sind auch in Pension hochaktiv in Sachen Geschichtsforschung, wie sieht da ein Tag der Freizeit aus? Grundsätzlich befasse ich mich auch dann mit Geschichte, sie ist ja überall. Aber sonst – und wenn nicht gerade eine Pandemie das Programm einschränkt – entspanne ich sehr gern in meiner Wohnung am Semmering, im Hotel Panhans, spaziere auf den Schlossberg, ganz klassisch, sitze im Gastgasten des Landhauskellers und beobachte die Flaneure oder ich – und fragen Sie jetzt nicht: „In Ihrem Alter?“ – betreibe den Kampfsport Judo. Ich bin nach wie vor ein unangenehmer Gegner. Apropos Kampfsport: Auch mit Geschichtsfragen haben Sie ja manchmal zu kämpfen. Wie kommen Sie trotzdem immer auf die Lösung? Ich wälze Archive, durchforste alte Pläne oder suche in meinen umfassenden Sammlungen. Es ist ein wenig wie Detektivarbeit nach dem Motto „Finde den Täter“. Etwa wenn es um den Hintergrund eines bestimmten Hoflieferanten oder einen besonderen Grazer Bürger geht. Unter anderem nutze ich dabei das Programm der Genealogie. Mit dieser lassen sich Verwandtschafts- und Verschwägerungsstränge nachvollziehen. Ich wurde auch bei mir selbst fündig und weiß jetzt, dass ich über viele Ecken mit Bertha von Suttner verschwägert bin. Hat jemand mit unzähligen Gegenständen, Fotos, Dokumenten usw. ein historisches Lieblingsstück? Ich habe zwölf Bücher geschrieben, 130.000 Fotos, Bilder, Filme usw., da fiele die Wahl schwer. Mein Lieblingsstück ist immer jenes, an dem ich als nächstes arbeite, und das es wert ist, in mein Archiv aufgenommen zu werden. Arbeiten Sie dort eigentlich allein? Ja, unbedingt! Ein Kollege, der die Gegebenheiten nicht kennt, es ist ja recht chaotisch, würde mir die Arbeit erschweren, wenn er „Ordnung“ machen will. Mit Ordnen halte ich mich nicht auf, das stiehlt die Zeit, um nach neuen Erkenntnissen zu forschen. Meine Tochter wird die Sammlung eines Tages erben – es graut ihr bei dem Gedanken (lacht). Wäre Messie eine Beleidigung für Sie? Ich muss mit der Etikette leben, lasse mich aber nicht allein darauf reduzieren. Mich treibt der Gedanke an, dass alles Geschichte sein und werden kann. Das, was wir heute als normale Alltagsgegenstände nutzen, auch Corona-Masken, sind eines Tages so historisch wie alte Automaten oder so. Corona selbst wird auch dereinst Geschichte sein. Und wohl nicht die letzte Seuche, die uns heimsucht. Wir dachten auch bei der Spanischen Grippe, sie sei ein für alle Mal Geschichte, so was passiert uns nicht mehr. Nun, heute sind wir klüger ... Hat Corona Sie dabei etwas gelehrt? Ja, dass genau dieses Entdecken von Neuem etwas stets Wiederkehrendes ist. Das auch mir passiert, wenn ich im Jahre 1650 forsche, bis mich meine Gattin zum Essen ruft und ich ins Jahr 2021 zurückfalle. PHILIPP BRAUNEGGER Karl Albrecht Kubinzky (geb. am 28. Juli 1940) gilt als Parade-Historiker der Stadt Graz und ist Publizist sowie Geograph. Er lehrte von 1978 bis 2000 als Bundeslehrer im Hochschuldienst, an der TU und in Salzburg. Er ist u. a. Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark.

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