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13. September 2020

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- Zum ersten Mal seit zehn Jahren: Graz verliert Einwohner - Kaum noch Platz im Kindergarten - Wir haben einen Stadtbalkon - Grazer Radler bekommen jetzt neue ausklappbare Abstellbügel - Nach „Grazer“-Storys: Neue Bushaltestelle in Andritz - ClickIn eröffnet Parkzone - Zebrastreifen fehlt: Blinde werden in die Irre geführt - Knallig & elegant: Pink Elephant und Operncafé in neuem Design - Corona: Jeder dritte steckt sich in der Familie an

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2 die seite zwei www.grazer.at 13. SEPTEMBER 2020 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Planlos durch den Herbst W er gedacht hat, dass die neu geltenden Corona- Maßnahmen Klarheit bringen, hat falsch gedacht. Besonders betroffen sind – wieder einmal – die Veranstalter in den Bereichen Kultur und Sport. Die neue Besucher-Grenze liegt jetzt in Innenräumen bei 1500, im Freien bei 3000 Personen. Das aber nur bei zugewiesenen Sitzplätzen und unabhängig vom vorhandenen Platz, der eigentlich als Hauptkriterium gelten sollte. Die Folgen sind kurios: So ist es beispielsweise egal, ob im 50.000 Zuseher umfassenden Happelstadion, oder in Hartberg gekickt wird, wo es Platz für 5000 Menschen gibt. Um die innere Logik dieses Systems zu kapieren, muss man offenbar ein Regierungsmitglied sein, denn sonst ist das nicht zu verstehen. Das Schlimmste daran ist neben den teils massiven wirtschaftlichen Problemen für die Veranstalter und Vereine, dass man absolut keine Planungssicherheit hat. Sowohl in der Kultur als auch beim Sport wird monatelang vorausgearbeitet und Geld investiert. Da helfen nur klare, beständige Regeln. So könnte man eine Mindestanzahl an Besuchern garantieren, die sich an der Größe der Halle oder des Stadions orientiert und die fix bis zum Jahresende gilt. In anderen Ländern wird das so gehandhabt, auch wir sollten das schaffen. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT... ... Roland Kluttig Seit kurzem lebt der neue Chefdirigent Roland Kluttig in Graz. Der Kaiser-Josef- Platz ist bereits sein zweites Wohnzimmer, das Rossian eines seiner Lieblingslokale. SCHERIAU Der frischgebackene Chefdirigent der Grazer Oper plaudert über den Kaffee in seiner neuen Heimat, Perfektionismus und Sternzeichen. Wer spielt die erste Geige am Frühstückstisch? Ich bin kein großer Frühstücker. Unter der Woche reicht mir ein Glas warmes Wasser und ein doppelter Espresso. Also brauchen Sie Kaffee zum Wachwerden? Nein, nicht unbedingt, ich wechsle auch mit grünem Tee. Wirklich unabdingbar ist Espresso aber nach dem Mittagessen! In Graz kann man sehr gut Kaffee trinken, die Qualität ist höher als in Deutschland. Haben Sie sich schon eingelebt? Graz ist eine tolle Stadt, unglaublich lebenswert! Ich war ja schon für zwei Gastproduktionen hier. Jetzt erkunde ich alles mit dem Fahrrad. Der Kaiser-Josef-Platz ist mein absoluter Lieblingsplatz, das Rossian und die Genießerei sind schon meine Stammlokale geworden. Und man kann super einkaufen am Markt. Ich koche sehr gerne! Verbringen Sie so auch die Sonntage? Mit Kochen, Genießen und Stadt-Erkunden? Ich spaziere und wandere am Wochenende sehr gerne, verbringe den Tag mit der Familie oder mit Freunden – soweit es eben geht: Der Sonntag ist in meiner Branche ja oft ein Arbeitstag. Aber wenn wir können, erschließen wir auch die Umgebung. Wir waren schon in der Südsteiermark und im Schilcherland. Und im Herbst werden wir die Buschenschanken sicher noch ausgiebiger genießen! Wie haben Sie den Corona-Lockdown erlebt? Kurze Zeit hab ich den zwangsläufigen Stillstand als angenehm empfunden – raus aus dem Hamsterrad. Aber dann wollte ich wieder loslegen. Meine Abschiedskonzerte als Generalmusikdirektor in Coburg mussten abgeändert werden, und auch die Stücke in Graz wurden an die Situation angepasst. Was werden Sie als Erstes tun, wenn es heißt: „Das war’s: Corona ist vorbei“? Das wird wohl eher ein gleitender Prozess. Aber ich finde, auch jetzt sollte man sich das tägliche Leben nicht zu sehr vermiesen lassen. Auch Ihr Vater war Dirigent. War es immer klar, dass Sie in seine Fußstapfen treten? Es war mir schon in die Wiege gelegt, ich bin quasi im Opernhaus aufgewachsen. Aber es war lange nicht klar, ob ich Dirigent werde. Theater und Oper musste sein, aber ich hab mit der Schauspielerei geliebäugelt, mit Regie und Komposition. Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Wie können Sie entspannen? Bei einem guten Essen oder auch beim Kochen. Oder beim Wandern. Ich bin auch ein begeisterter Zeitungsleser und Radiohörer. Und ich versuche, regelmäßig Qigong zu machen. Gibt es dann etwas, das Sie aus der Ruhe bringt? Wann werden Sie wütend? Wenn mir etwas nicht gelingt oder ich einen Fehler mache. Ich bin ein bisschen ein Perfektionist! Was würden wir von Ihnen nicht erwarten? Ich bin Sternzeichen Löwe, geboren im chinesischen Jahr des Affen. Glauben Sie an Astrologie? Ich glaube nicht daran, aber ich finde es amüsant. Und ich finde mich in vielem wieder – besonders in der Beschreibung des Affen (lacht). VERENA LEITOLD Roland Kluttig wurde am 30. Juli 1968 im deutschen Radeberg geboren. Nachdem er Dirigieren und Klavier in Dresden studiert hatte, arbeitete er als Kapellmeister und Generalmusikdirektor an verschiedenen renommierten Häusern – zuletzt am Landestheater Coburg. Gestern gab er mit dem Eröffnungskonzert seinen Einstand als Chefdirigent in Graz.

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