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12. März 2021

- Mehr als 100.000 Corona-Tests in Apotheken - Neues Gemeindezentrum in Seiersberg-Pirka - Mündliche Matura wird freiwillig - Interview mit herbst-Intendantin Ekaterina Degot

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12. MÄRZ 2021 www.grazer.at graz 9 Interview mit Ekaterina Degot Manchmal tanze ich daheim MARIJA K:ANIZAJ OPTIMISTISCH. Die Intendantin des steirischen herbst, Ekaterina Degot, spricht in unserem Interview über Corona, Impfen, Vorbereitungen für den herbst 2021 und über ihr Gefühl zur Stadt Graz. Von Vojo Radkovic vojo.radkovic@grazer.at Frau Degot, wir haben jetzt mehr als ein Jahr Lockdown. Wie geht es Ihnen in dieser herausfordernden Zeit? Was machen Sie die ganze Zeit, wie kommen Sie als Mensch über den Lockdown? Sind Sie in einer Art Homeoffice? Ekaterina Degot: Von zuhause aus zu arbeiten ist eine alte Gewohnheit von mir. Aber nun schon ein ganzes Jahr lang komplett allein zu sein und nicht reisen zu können, das trifft einen hart. Um das auszuhalten, gehe ich nun viel öfter als früher in der Natur spazieren, koche viel, und manchmal hole ich meine schönsten Kleider raus, ziehe sie daheim an und tanze. Werden Sie sich impfen lassen? Degot: Das ist eine sehr ernste und persönliche Entscheidung, die jeder erwachsene Mensch für sich selbst treffen muss. Nichts im Leben ist risikofrei, Behandlung ebenso wie Krankheit. Sind Sie vorsichtiger geworden im Umgang mit den Menschen? Degot: Ich selbst halte nichts davon, in Angst zu leben. Aber ich bin natürlich respektvoll im Umgang mit Menschen, die jetzt vorsichtig sind. Die Kultur und die Kulturmacher leiden in der Pandemie- Sperre am meisten. Kunst ohne Publikum? Muss man Ihrer Meinung nach die Kultureinrichtungen so schnell wie möglich öffnen? Würden Sie Eintrittstests und Impfpässe akzeptieren? Degot: Ja, ich bin für die Öffnung der Kulturszene unter Beachtung aller medizinischen und pandemischen Richtlinien. Museen haben sich ja bereits als sehr sichere Orte herausgestellt und auch andere Kulturinstitutionen haben bereits letztes Jahr umfangreiche Sicherheitskonzepte ausgearbeitet. Ich denke, wir werden noch viele Jahre mit Covid in abgeschwächter Form leben müssen und jeder wird auf Dauer für sich selbst seine eigenen Risiken kalkulieren und Entscheidungen treffen müssen. Als Festivalintendantin bin ich sehr besorgt darüber, dass Kultureinrichtungen gezwungen sein könnten, Impfausweise oder Tests von Besuchern zu kontrollieren. Das ist in meinen Augen ein massiver Akt und gehört zu den Aufgaben des Staates, der solche Entscheidungen treffen und tragen muss. Kulturinstitutionen selbst sollten nie dazu gezwungen werden, Ausgrenzungen vorzunehmen, nicht mal aus medizinischen Gründen. Im Vorjahr mussten Sie den steirischen herbst geradezu neu erfinden, Sie machten das mit vielen kreativen Ideen. Wie wird das für den herbst 2021 sein? Geht „Paranoia“-TV in eine Art Fortsetzung? Degot: Eine ausführlichere Vorschau für 2021 geben wir wie in den Vorjahren im Sommer bekannt. Wer aber bereits Entzugserscheinungen hat: Der Katalog und der Reader zum letzten Festival werden im Mai erscheinen. Haben Sie viele Vorschläge für das Parallelprogrammangebot erhalten? Kann man da schon was sagen? Degot: Wir haben über 100 Einreichungen erhalten und sehen ein zunehmendes Interesse an Projekten, die sich mit den sozialen und politischen Zusammenhängen der Steiermark auseinandersetzen, und auch an künstlerischen Arbeiten, denen eine wirklich intensive Recherche vorausgeht. Auch wenn wir nicht alle Vorschläge ins Parallelprogramm des steirischen herbst 2021 aufnehmen können, begrüßen wir diesen Ansatz und freuen uns über dieses steigende Interesse in der Region.

2021