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11. Februar 2021

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- Expertengespräch: Das passierte im Februar 1934 in Graz - Ab morgen neue Covid-Tesdtstation am Flughafen Graz - Molekularbiologe klärt über Virus-Mutationen auf - Verkehrsstadträtin Elke Kahr im Interview

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2 graz www.grazer.at 11. FEBRUAR 2021 Expertengespräch: War Otto Bauer ein Illusionist, Otto Bauer (1881 – 1938) hat die österreichische Sozialdemokratie in der der an seiner Wirklichkeitsferne Ersten Republik geprägt. Er war Mitbegründer des Austromarxismus grandios gescheitert ist? und verstand sich als Demokrat ebenso wie als revolutionärer Das passierte im Oder doch ein Visionär, Wegbereiter des Sozialismus. Nach dem unglücklichen Aufstand der – als Humanist in seine Zeit gegen die austrofaschistische Diktatur schrieb im Exil die Broschüre gestellt – bemerkenswerte politische „Der Aufstand der österreichischen Arbeiter“. Sie sollte die Haltung und sozialökonomische der österreichischen Sozialdemokratie erklären und den Widerstand Lösungsansätze anbieten konnte? gegen das Regime befeuern. Der Verlag gibt diese Schrift unter Berücksichtigung des im Archiv der Sozialistischen Internationale in Amsterdam aufgefundenen Originalmanuskripts neu heraus. Die Februar 1934 Herausgeber kommentieren Otto Bauers Darstellung im Lichte der aktuellen historischen, juristischen und politikwissenschaftlichen Erkenntnisse und Debatten. Kommentiert und herausgegeben von Werner Anzenberger, Jurist und Historiker Anja Grabuschnig, Historikerin Hans-Peter Weingand, Historiker Werner Anzenberger ISBN 978-3-99046-516-5 (1934) Links Bilder von den Auswirkungen der Kämpfe in der damaligen Grazer Zeitung „Bilderwelt“ von 1934. Rechts Anja die Grabuschnig neu von Hans-Peter Weingand, Werner Anzenberger Hans-Peter Weingand und anderen herausgegebene historisch kommentierte Rechtfertigung von Otto Bauer: Zu sehen die Verhaftung eines Schutzbündlers in Eggenberg. HANS-PETER WEINGAND, KK ERINNERUNG. Jedes Jahr wird im Februar den verheerenden Kämpfen in Graz im Februar 1934 gedacht. Der Historiker Hans-Peter Weigand berichtet vom Ablauf und den Hintergründen. Von Fabian Kleindienst fabian.kleindienst@grazer.at Genau 87 Jahre ist es her, dass im tristen, kalten Februar an unterschiedlichsten Orten Österreichs bewaffnete Kämpfe gegen die damals noch relativ junge Diktatur ausbrachen. Zwischen 12. und 15. Februar kamen viele Menschen ums Leben – auch in Graz wurde gekämpft. In dieser Woche wird, vor allem von der Sozialdemokratie, den Ereignissen gedacht. Doch worum ging es dabei, was ist passiert? Der Grazer Historiker Hans-Peter Weingand gab gemeinsam mit anderen Forschern diese Woche eine neue Veröffentlichung zu diesem Thema heraus – die historisch kommentierte Rechtfertigung der Kämpfe durch den damaligen Chef der Sozialdemokratie, Otto Bauer. Als Experte hält er diese Woche viele Vorträge zu diesem Thema. www.oegbverlag.at men ist es anders. Im März 1933 traten bei einer Abstimmung die Parlamentspräsidenten zurück, als die Abgeordneten Tage später wieder zusammenkommen wollten, wurden sie daran gehindert. Für Weingand war das aber nicht die damals behauptete „Selbstausschaltung des Parlaments“. „Das Parlament hatte zwei Kammern, der Bundesrat war völlig intakt.“ Man wandte sich auch mit einem Beschluss an den Bundespräsidenten in dem man eine Reaktion auf das verfassungswidrige Vorgehen der Regierung um Engelbert Dollfuß forderte. „Es wurde versucht, alle Hans-Peter Weingand Schritte zu unternehmen, damit Österreich den Weg zurück zur parlamentarischen Demokratie findet“, so der Historiker. „Das ist das tragische am Februar 1934. Man befand sich in einer Demokratie und plötzlich hält sich niemand mehr an die Spielregeln.“ So wurde auch der Verfassungsgerichtshof nach Rücktritt seiner christlichsozialen Mitglieder lahmgelegt. Verzweiflung Die Folge waren die Diktatur, und die Kämpfe zwischen 12. und 15. Februar. Im Vorfeld wurde die Arbeiterkammer zugesperrt, Ge- Otto Bauer Der Aufstand der österreichischen Arbeiter Otto Bauer Der Aufstand der österreichischen Arbeiter Kommentiert und herausgegeben von Das Vorfeld Politisch gab es Anfang 1933 eine Pattsituation zwischen der christlichsozialen Regierung und der Sozialdemokratie. Beide Seiten verfügten über privat bewaffnete Vereine, die Heimwehr auf christlichsozialer, den Schutzbund auf sozialdemokratischer Seite. „Da gab es in den 20ern schon Bestrebungen, diese Vereine zu entwaffnen“, erzählt Weingand. Gekomwerkschaften verboten, die Medien zensiert. Auch die ökonomische Situation war angespannt. Wie heute war die Arbeitslosigkeit im Vorfeld dieses Februars ein großes Thema – die Dimensionen waren aber andere: „1933 gab es eine Arbeitslosenquote von 26 Prozent“, erklärt Weingand. Vielfach ging es nicht nur um den Job: „Die Menschen haben oft in Werksiedlungen gewohnt. Hat man seine Arbeit verloren, hat man oft auch die Wohnung verloren“. Die Verzeiflung stieg, die demokratischen Kontrollmechanismen versagten: „So kindisch es angesichts der damaligen Situation heute klingen mag, aber man hat sogar eine Unterschriftenaktion gegen die Vorgänge gestartet.“ Natürlich ohne Erfolg. Weingand: „Im Februar 1934 war dann der Moment da, wo das Ganze in die Luft geflogen ist. Es war aber kein großer organisierter Aufstand der Sozialdemokratie, sondern eigentlich nur der Verzweiflungsschlag von Teilen des Schutzbundes.“ Die Folge waren laut Weingand über 350 Tote in Österreich, die sich zu je einem Drittel in Aufständische, Exekutive und Zufallsopfer teilten. In Graz kam es auf Seite der Aufständischen allein zu sieben Toten. Gekämpft wurde in Eggenberg, nahe dem heutigen ÖGB-Sitz und „Demokratisch, solange wir können, Diktatur nur, wenn man uns zwingt und soweit man uns zwingt.“ (1927) „Auf die Dauer werden nicht 30 Prozent des Volkes über 70 Prozent, nicht das Dorf über die Großstadt, nicht der Klerikalismus über ein zu zwei Drittel nicht klerikales Volk die Diktatur ausüben können. Die Gelegenheiten, die wir werden ausnützen können, werden kommen. Es gilt, dafür zu sorgen, daß wir gerüstet seien, sie auszunützen.“ (1934) „Die Kämpfe begannen. Auf der einen Seite Proletarier, zumeist Arbeitslose, mit einem alten Gewehr aus der Kriegszeit in der Hand und wenigen Patronen in der Tasche. Auf der anderen Seite Militär und Polizei, mit allem modernen Kriegsgerät ausgerüstet: Panzerwagen, Kanonen und Haubitzen, Minenwerfern. Schon in den Abendstunden donnern die Geschütze.“ am Gelände der Waagner-Biro. Der Aufstand war aber, so Weingand, von Beginn an zum Scheitern verurteilt. „Das Entscheidende war: Streiks haben nicht mehr funktioniert. Die Menschen, die noch einen Job hatten, fürchteten um ihre Existenz. Es wurde nicht gestreikt – das war ein unglaubliches Signal.“ Es hat auch nicht funktioniert, strategische Pläne umzusetzen: „Beispielsweise hätte der Schutzbund in Gratkorn die Südbahn sperren sollen, die Eisenbahn von Graz nach Bruck. Das ist ihnen nicht gelungen“, erklärt Weingand. Auswirkungen Auswirkungen hatte der Aufstand, so Weingand aber dennoch nachhaltige – national wie international. Der Historiker veröffentlichte im Vorjahr erst ein Buch über die Perspektive der KPÖ. Diese wuchs nach den Februarkämpfen österreichweit stark an, auch weil sich viele enttäuschte Schutzbündler ihr anschlossen. So wurde sie laut Weingad zu einer wichtigen Kraft des Widerstands in den folgenden Jahren. Daneben nennt der Historiker die internationale Signalwirkung des Aufstands als wichtige Auswirkung: „Der Versuch, sich gegen die Diktatur zumindest zur Wehr zu setzen hat enorm für Aufregung gesorgt. Die Wirkung war im Ausland also letztendlich größer als in Österreich.“

11. FEBRUAR 2021 www.grazer.at graz 3 Teststraße am Flughafen NACHSCHUB. Aufgrund der strengen Reise-Bestimmungen eröffnet morgen, Freitag, ein sogenannter Point-Of-Care am Flughafen Graz, an dem Antigentests und PCR-Tests angeboten werden. Von Tobit Schweighofer tobit.schweighofer@grazer.at Auch wenn derzeit fast keine Flieger vom Flughafen Graz abheben – ein paar sind dann doch unterwegs. Allerdings unter strengsten Maßnahmen. Will man etwa nach Amsterdam fliegen, muss man neben einem negativen PCR-Test auch einen negativen Antigentest vorlegen. Letzterer darf allerdings nicht älter als nur vier Stunden sein. Zudem gilt für Reisende, die sich in Ländern aufgehalten haben, für die eine Reisewarnung aufgrund der Covid-19-Pandemie gilt, bei der Einreise nach Österreich die Pflicht zu einem negativen PCRoder Antigen-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist. Kann dieser Nachweis nicht erbracht werden, ist der Test binnen 24 Stunden nach der Einreise nachzuholen. Diese Auflagen stellen Passagiere vor große logistische Probleme. Damit sollte jetzt Schluss sein, denn ab morgen, Freitag, gibt es eine neue Teststraße am Flughafen, die „alle Stückerl“ spielt. Das Hygienicum Graz richtet einen Point-Of-Care mit einem Maßnahmenpaket ein, das allen Ansprüchen zur Sicherung besonders schützenswerter Einrichtungen wie eben dem Flughafen gerecht wird. Es werden sowohl Antigentests um 33 Euro als auch PCR-Tests um 69 Euro angeboten. Das Ergebnis eines PCR-Tests wird spätestens nach 24 Stunden verfügbar sein. Im Idealfall sogar noch am selben Tag bis 20 Uhr. Weitere Informationen gibt es auf der Seite test-strasse.at. Der Point-Of-Care wird Flugreisenden enorme Erleichterungen bringen. SCHERIAU 112: Tag des europäischen Notrufs VERLÄSSLICH. Ob Feuerwehr, Rettung oder Polizei: Unter der Nummer 112 sind die Grazer Einsatzorganisationen immer zur Stelle. Ein Blick hinter die Kulissen zum Tag des Notrufs. In der Not sind sie zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Grazer Bevölkerung da. Zum heutigen Tag des europäischen Notrufs soll die Bedeutung der 112 und der Organisationen dahinter in Erinnerung gerufen werden. In der neuen BIG – BürgerInneninformation Graz verraten uns Einsatzkräfte und Führungspersonen der Landespolizeidirektion, der Berufsfeuerwehr Graz und des Roten Kreuzes, wie sie die Herausforderungen in ihren Berufen meistern. Besonders wenn es um das Leben von Mensch und Tier geht, ist ein schnelles und professionelles Handeln gefordert. „Die gesamte Mannschaft geht noch konzentrierter als gewohnt vor, um mög- lichst rasch und effektiv zu handeln“, betont Oberbrandmeister Thomas Eberhard von der Berufsfeuerwehr Graz. Die unabdingbare Notwendigkeit der Einsatzorganisationen schlägt sich auch in den Zahlen nieder: 45.000 Anrufe pro Monat gehen in der Landesleitzentrale der Polizei ein, das Rote Kreuz absolvierte letztes Jahr insgesamt 115.000 Einsatzfahrten und die Grazer Berufsfeuerwehr bestritt 5.956 Einsätze, vom Großbrand über Bergungsmaßnahmen bis hin zum Hochwassereinsatz. Einen Einblick in den Berufsalltag der Einsatzkräfte und die Menschen hinter den Organisationen gibt es in der neuen Februar BIG unter graz.at/big. Die Berufsfeuerwehr Graz ist mit Mann und Maschine aus insgesamt drei Feuerwachen im Einsatz - auch bei den brandgefährlichsten Notfällen. BF GRAZ NACHRICHTEN AUS DEM RATHAUS ENTGELTLICHE KOOPERATION

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