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11. Februar 2018

- Graz will Drogendealer von Parks und Plätzen vertreiben und Geldstrafen kassieren - Digitale Zukunft: Graz testet mobile Feinstaub-Sensoren und selbstlernende Straßenlampen - Kampf gegen Altersdiskriminierung - Schulschwänzer sollen jetzt Strafe zahlen - Neue Carsharing-Standorte - Neue Geschäfte in Graz - 6. „Grazer“ Wirtschafts-Stammtisch

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8 graz www.grazer.at 11. FEBRUAR 2018 Diskriminiert: Senioren fühlen sich oft wegen ihres Alters ungerecht behandelt. THINKSTOCK Politik bläst zum Kampf gegen Altersdiskriminierung ABGELEHNT. Zu alt für einen Kredit oder eine Versicherung: Diskriminierung aufgrund des Alters nimmt seit Jahren zu. Stadt Graz und Land Steiermark sagen der Altersdiskriminierung jetzt den Kampf an. Von Daniel Windisch daniel.windisch@grazer.at Kein Kredit, keine Versicherung, keine Ratenzahlung – und das, weil man angeblich zu alt ist. Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark (ADS), an die sich schon viele von Altersdiskriminierung Betroffene um Hilfe gewandt haben, kennt zahlreiche solcher Fälle. Da ist etwa Frau G., der bei ihrem Pensionsantritt von ihrer Bank mitgeteilt wurde, dass ihr Überziehungsrahmen von 1500 Euro auf null abgesenkt werde – und das, obwohl G. als pensionierte Beamtin eine monatliche Rente in Höhe von 1688 Euro erhält. Laut ADS-Leiterin Daniela Grabovac ist das kein Einzelfall. Auch andere Branchen sind nicht gerade „altenfreundlich“. Grabovac berichtet vom Fall des 75-jährigen Herrn M., der in einem Elektromarkt eine angebotene Ratenzahlung in Anspruch nehmen wollte. Doch von der Verkäuferin bekam er zu hören, dass Pensionisten vom Ratenkauf ausgeschlossen seien – selbst wenn sie wie Herr M. eine Pension von 1700 Euro im Monat beziehen und die monatlichen Raten nur 29,90 Euro ausmachen. Nicht verboten Dabei muss man nicht einmal Pensionist sein, um aufgrund seines Alters Probleme zu bekommen. Grabovac weiß schon von 40-Jährigen (!) zu berichten, die von Privatversicherungen „rundweg abgelehnt werden“. Warum derlei Fälle möglich sind? Weil Altersdiskriminierung – anders als Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Religion oder der Herkunft – nicht gesetzlich verboten ist. Da die Fallzahlen seit Jahren stei- gen (siehe Fakten-Box rechts), haben sich das Land Steiermark und die Stadt Graz fürs heurige Jahr den Kampf gegen Altersdiskriminierung auf die Fahnen geschrieben. Im Gegensatz zu Wirtschaftsbereichen wie dem Tourismus, „die ältere Menschen als wichtige Zielgruppe erkannt haben, gibt es leider auch Branchen, wo das nicht der Fall ist“, sagt SP-Soziallandesrätin Doris Kampus. Für sie ist klar: „Das muss ein Ende haben.“ Gipfel auf der Murinsel Am 22. März wird es einen großen „Altersgipfel“ auf der Grazer Murinsel geben. Teilnehmen werden unter anderen Vertreter der Banken- und Versicherungsbranche, der Ärztekammer sowie des Landes. Auch VP-Sozialstadtrat Kurt Hohensinner und ADS-Leiterin Grabovac haben ihr Kommen zugesagt. Organisiert wird dieses „Murinsel-Gespräch“ vom Seniorensprecher der Grazer ÖVP, Ernest Schwindsackl. Ob im Straßenverkehr oder in anderen Bereichen – Altersdiskriminierung sei leider weitverbreitet, so Schwindsackl. Für Grabovac ist der Kampf gegen Altersdiskriminierung ein Anliegen, das jeden und jede betrifft: „Es ist deshalb so wichtig, weil wir alle einmal alt werden.“ Altersdiskriminierung ■■Die Fälle von Altersdiskriminierung, mit denen die Antidiskriminierungsstelle Steiermark befasst ist, haben sich seit dem Jahr 2012 beinahe vervierfacht. Waren es damals noch 15 Fälle, so musste sich die Antidiskriminierungsstelle im Jahr 2016 bereits mit 56 Fällen befassen.

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