7 TAGE SONNTAG

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11. August 2019

- Hochwasserschutz: So gehen 52 Grazer Bäche nicht mehr über - Resuitenrefektorium am Rosenhain: Jetzt muss Leben ins Geisterhaus kommen - 15 Securitys sorgen für Sicherheit am Hauptbahnhof - Klimaprotest auch in den Sommerferien - Grazer VIPs auf Urlaub

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2 die seite 2 www.grazer.at 11. AUGUST 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Die Würde des Menschen ist antastbar D er renommierte Grazer Asylanwalt Ronald Frühwirth hat aufgegeben und zieht sich ins Privatleben zurück. Eine richtig bittere Nachricht für viele Hilfesuchende, denen er nicht mehr helfen kann. Das System hat Frühwirth den Zahn gezogen, wie er angibt. Und tatsächlich scheint seine Geschichte beispielhaft dafür zu sein, wie Engagement und Hilfsbereitschaft und schlicht Menschlichkeit in Österreich manchmal nicht nur nicht belohnt, sondern sogar gestört, behindert und schließlich ausgetrieben werden. „Zu viele Gespräche haben mit Blicken voller Verzweiflung geendet. Zu viele meiner Mandantinnen und Mandanten wurden in Elend, Lebensgefahr und Not abgeschoben“, erklärt Frühwirth. „In zu vielen Gesprächen musste ich diesen Unwillen eines Rechtssystems, Rechte anzuerkennen, Menschen vermitteln, deren Existenz damit ins Wanken geriet. Dabei geriet nun meine Verbundenheit mit diesem Rechtssystem ins Wanken. Als Rechtsanwalt bin ich Teil davon. Das möchte ich nicht mehr sein.“ Ein Hilferuf eines Verzweifelten, der hoffentlich von den maßgeblichen Stellen gehört werden wird. Frühwirth ist seiner Auffassung nach am System zerbrochen, es wird höchste Zeit, dieses System genau unter die Lupe zu nehmen. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... ... Waltraud Hutter Solange es geht, genießt GenussHauptstadt-Chefin Waltraud Hutter ihr Frühstück in ihrem Garten. Vor wenigen Jahren ist die Grazerin nach St. Oswald gezogen. Kulinarisch zieht es sie aber nach wie vor fast täglich nach Graz. KK Die GenussHauptstadt-Chefin kocht selbst gerne – alles außer Käse. Sie liebt den Winter, Italien und ihren Garten. Und: „Geht nicht“ gibt’s nicht. Wie wird das Frühstück ein wahrer Genuss? Ich habe eigentlich überhaupt keine Frühstückskultur. Am Sonntag zelebriere ich es aber ein bisschen mehr. Solange es geht, draußen in meinem Garten in St. Oswald bei Plankenwarth. Es gibt dann Kipferl, Butter, Marmelade und Honig, den mein 92-jähriger Vater selbst macht. Dazu Kaffee und drei verschiedene Zeitungen, für die ich mir lange Zeit nehme. Sind Sie ein Frühaufsteher? Ich bin vom Langschläfer zum absoluten Frühaufsteher mutiert. Jetzt könnte ich nicht mehr in den Tag hineinschlafen. Aber ich bin sowieso ein Mensch, der ständig in Bewegung ist – ich bin immer unrund, sehe immer Arbeit. Und wenn man mit einem Eck fertig ist, kann man gleich wieder beim nächsten anfangen. Im Sommer wird viel im Garten gebuddelt. Auch am Sonntag? Am Sonntag kommen oft meine Tochter und die zwei Enkel oder mein Vater zum Essen. Also kochen Sie selbst auch gerne? Kochen bringt mich absolut runter. Wenn ich aufgeregt bin, stell ich mich an den Herd. Und dort kehre ich immer mehr zu einfachen Gerichten zurück. Als Ausgleich zur Spitzengastronomie, die Sie beruflich oft bekommen? Mich kann man mit einer Wurstsemmel sehr glücklich machen, aber ich bewundere, was unsere Spitzenköche leisten! Die Einfachheit, das Zurück zum puren Geschmack ist auch ein Trend in der gehobenen Küche. Es geht wieder mehr um die Produkte. Gibt es etwas, das Sie nicht essen? Käse! Schon der Geruch tut mir in der Nase weh! In einem Risotto ist er okay, aber dann salze und pfeffere ich so viel, bis ich ihn nicht mehr schmecke. Waren Sie heuer schon auf Urlaub? Ehrlich gesagt war ich seit zehn Jahren nicht mehr auf Urlaub. Ich arbeite ja alleine an der GenussHauptstadt, da muss ich auch gewährleisten, dass alles passt. Aber ich liebe meinen Job so sehr, dass mir das nichts ausmacht. Ich sehe es als absolutes Glück, dass ich Projekte wie die Lange Tafel oder das Trüffelfestial umsetzen darf! Was ich aber schon immer wieder mache, ist ein Wochenendausflug nach Aussee, Venedig oder Triest. Ich bin ein großer Italienfan! Zieht Sie auch das Wetter in den Süden? Eigentlich bin ich ein Nebelkind: Im November geboren, Schütze. Ich liebe den Winter und den Schnee! Was macht Sie wütend? Vorurteile. Und wenn jemand sagt: „Das geht nicht.“ Mir macht es Spaß, wenn etwas nicht einfach ist – Herausforderungen hab ich immer gerne angenommen. Welche Musik hören Sie? Das kommt bei mir auf die Stimmung an. Aber ich brauche ständig eine Geräuschkulisse – irgendetwas läuft fast immer. Ich mag alles außer Schlager: Klassik, Paolo Conte, aber auch echte steirische Volksmusik oder Barockmusik. Mit welcher Persönlichkeit, lebend oder tot, würden Sie gerne einmal essen gehen? Hm. John F. Kennedy würde mich interessieren. Er war eine faszinierende Persönlichkeit. Ich kann mich noch an seinen Wahlkampf erinnern. Und als er ermordet wurde, war ich gerade im Theater und hab „Julius Cäsar“ gesehen. Irgendwie passend. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Dass alle brav aufessen und wir am 24. August bei der Langen Tafel am Hauptplatz schönes Wetter haben. Ich fahre kurz davor auch jedes Jahr nach Mariazell. VERENA LEITOLD Waltraud Hutter wurde am 28. 11. 1952 in Graz geboren. Nach der Hotelfachschule führte sie die Stiftstaverne in Rein, das Grazer Operncafé und mehrere Hotels. Seit 2008 ist sie das Herzstück ihrer GenussHauptstadt Graz. Mit dem Food Festival nächste Woche und der 10. Langen Tafel am 24. August ist für sie jetzt Hochsaison.

2021