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10. Oktober 2021

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- Rückzieher der KPÖ: Holding wird nicht „verstadtlicht“ - Graz in Top30 der intelligentesten Städte der Welt - Mühlgang-Ufer ist einsturzgefährdet - Kuriose Absage an Bio-Hundesackerl - Geheime Schule in Graz entdeckt

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2 die seite zwei www.grazer.at 10. OKTOBER 2021 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at Und täglich grüßt das Eichhörnchen J etzt ist es schon wieder passiert: Die KPÖ hat abermals ein Wahlkampf-Versprechen zurückgenommen. Diesmal dreht es sich um die Rückeingliederung der Holding, einem ganz zentralen Thema im kommunistischen Wahlkampf. „Man hat uns erklärt, dass das die Stadt mit zwei bis drei Millionen Euro im Jahr belasten würde“, erklärte der KP-Finanzexperte und designierte mutmaßliche Finanzstadtrat Manfred Eber. Eine Erkenntnis, die alles andere als exklusiv ist: Alle anderen im Gemeinderat vetretenen Parteien haben genau das schon vor langer Zeit selbst herausgefunden. Das kommunistische Wappentier – das Eichhörnchen – würde sich wohl im Grab umdrehen. Immerhin: Die KP besteht nicht aus Prinzip auf ihrer Meinung, sondern demonstriert eine freimütige Fehlerkultur. Diese mag zwar erfrischend sein, Sicherheit vermittelt sie aber nicht: Mit welchen Überraschungen und thematischen Schwenks müssen wir in Zukunft rechnen? Das ist kaum abzuschätzen. Vielleicht distanziert man sich ja doch noch glaubhaft von Tito, dem Maduro-Regime und weißrussischen Besuchen? Oder bekennt sich doch noch zur EU und den europäischen Werten? Man darf gespannt sein, möglich ist derzeit offenbar vieles. Tobit Schweighofer, Chefredakteur SONNTAGSFRÜHSTÜCK MIT ... Die preisgekrönte Grazer Autorin Nava Ebrahimi ist zwar keine große Frühstückerin, im „Grazer“- Sonntagsfrühstück aber durchaus zum Plaudern aufgelegt. PSEINER ... Autorin Nava Ebrahimi Die Bachmann-Preisträgerin spricht in unserem Sonntagsfrühstück über Freizeit in der Kunst, Herkunft als Inspiration und das Schöne an Graz. Nach Ihrem Gewinn des Bachmann-Preises machte ein Foto die Runde, auf dem man Sie sah, voller Freude über den Preis, umgeben von Kinder spielzeug. Ein Bild, das viel über die Lebens umstände, gerade von Frauen, im vergangenen Jahr aussagt. Wie haben Sie die Zeit erlebt? Der erste Lockdown war schon extrem hart. Kurz davor ist mein zweiter Roman („Das Paradies meines Nachbarn“, Anm.) erschienen, mein Terminkalender wäre also eigentlich voll gewesen. Stattdessen saß ich dann zu Hause – mein älterer Sohn war da auch noch nicht so selbstständig wie jetzt. Irgendwann bin ich dann aber stoischer geworden. Blieb da überhaupt Zeit fürs Schreiben? Nein. Ich hab die ein oder andere Online-Lesung gemacht – dann eben den Bachmann-Text geschrieben und kürzlich das Buch „Einander“ gemeinsam mit einer Freundin herausgebracht –, aber das ist Mini-Prosa mit ganz kurzen Texten, da musste ich mich nicht lange konzentrieren. Auch wichtig: Blieb Zeit fürs Frühstück? Ja, wobei ich morgens meistens noch keinen großen Hunger habe – gefrühstückt wird also etwas später. Der Schulanfang liegt hinter uns, die Lockdowns auch. Bleibt nun mehr Raum für Freizeit? Na ja, wenn man etwas Künstlerisches macht, ist das immer so eine Sache mit der Freizeit, das lässt sich nicht so trennen. Wenn ich nach einer Lesung mit anderen Autorinnen etwas trinken gehe, gehört das irgendwie dazu, ist aber auch nicht eindeutig Freizeit. Dadurch, dass ich gerade ein Drehbuch-Seminar mache, ist Serien-Schauen momentan auch beruflich (lacht). Ich bin jedenfalls froh, wenn ich jeden Tag 20 Minuten Yoga schaffe. Zurück zu Ihren Werken: Sie setzen sich in Ihrer Literatur stark mit dem Thema Herkunft auseinander. Sind Ihre iranischen Wurzeln eine große Inspirationsquelle? Das ist keine bewusste Entscheidung. Da muss etwas in einem brennen, randalieren oder wüten. Und das sind meistens die Brüche im Leben, die oft schon in der Kindheit ihren Anfang nahmen, und bei mir ist das sicher in gewisser Weise das Fremdsein – also ja, insofern ist das eine große Inspiration. Sie haben mal gesagt, dass Sie, seit Sie in Österreich sind, erst wirklich zur Deutschen wurden, aufgrund Ihres Akzents. (lacht) Ja, das steht schon im Vordergrund. Im Iran geboren, aufgewachsen in Deutschland, nun leben Sie als gefeierte Autorin in Graz mit seiner feinen, aber kleinen Szene. Wieso? Mein Mann ist Grazer. Wir haben uns in der Nähe von Berlin kennengelernt, er hat dort promoviert, wollte dann aus beruflichen Gründen wieder nach Graz – und ich hab gesagt, ich komme mit (lacht). Und es ist eigentlich eine gute Stadt, um zu schreiben. Mir wäre die Szene in Wien oder Berlin auf die Dauer glaube ich auch zu viel. Was gefällt Ihnen besonders an Graz? Ich mag die Menschen, sie sind weniger gestresst als beispielsweise in deutschen Städten. Mir gefallen auch die Märkte wie am Lend oder am Kaiser-Josef- Platz – diese Atmosphäre mag ich sehr gern. Auch insgesamt ist es noch relativ grün in Graz, ich finde, es ist eine sehr lebenswerte Stadt. FABIAN KLEINDIENST Nava Ebrahimi, 1978 in Teheran geboren, wuchs in Deutschland auf und arbeitete als Journalistin zum Beispiel für die Financial Times. Seit 2012 lebt sie mit ihrer Familie in Graz. Für ihren ersten Roman „Sechzehn Wörter“ gewann sie 2017 den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises, für den Text „Der Cousin“ erhielt sie kürzlich den Bachmann-Preis. Sie hielt die Festrede zur Wiedereröffnung des Burgtheaters.

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