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10. November 2019

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- An jedem dritten Unfall in Graz ist ein Radfahrer beteiligt - 60 Millionen Euro für Kinderbetreuung - Neues Studentenheim in spätbarocker Villa - Jesuiten-Refektorium: Noch geht es beim Geisterhaus ums Geld - Millionstes Buch in der Grazer Stadtbibliothek ausgeliehen - KAGes: 168 Anästhesisten im Einsatz - Neue Thai- & Beer-Bar bei der FH Joanneum - Junkerpräsentation 2019

2 die seite zwei

2 die seite zwei www.grazer.at 10. NOVEMBER 2019 E D I T O R I A L von Tobit Schweighofer ✏ tobit.schweighofer@grazer.at In der Zukunft liegt die Kraft F rüher war alles, wenn schon nicht besser, dann zumindest anders. Und wie die Zukunft aussehen wird, verschließt sich vor dem Hintergrund von Cybertechnologie, Biomechanik und ständig wachsenden Computerintelligenzen ohnehin völlig unserer Vorstellungskraft. Das betrifft auch unser Wahlverhalten. Im 20. Jahrhundert gab jede Ideologie, ob liberal, kommunistisch oder sogar faschistisch, den Menschen das Gefühl, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Heute haben viele gewöhnliche Menschen das Gefühl, keinen Einfluss auf die Zukunft zu haben. Und genau das scheinen die Wahlkampfstrategen unserer Landtagsspitzenkandidaten herausgefunden zu haben und versuchen, so etwas wie ein Mitbestimmungsrecht der Bürger auf die Zukunft zu vermitteln. Sowohl SP-Chef Michael Schickhofer („Jetzt Zukunft wählen“) als auch FP-Spitzenkandidat Mario Kunasek („Zukunft gestalten!“) und die Grüne Sandra Krautwaschl („Machen wir Zukunft“) machen das mit ihren Slogans deutlich. Lediglich Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer („Unserer“) setzt hier auf Beständigkeit. Um Inhalte geht es im Wahlkampf schon lange nicht mehr. Man darf aber trotzdem gespannt sein, welchem Gefühl die Steirerinnen und Steirer am Wahlsonntag folgen werden. Tobit Schweighofer, Chefredakteur Keine Kügelchen mehr im Bart, dafür Milchschaum- Spuren auf Nase und Lippen. Roland Düringer beim Sonntagsfrühstück. SCHERIAU SONNTAGS- FRÜHSTÜCK MIT ... ... Roland Düringer Mit Rucksack am Rücken, Zugticket in der Hand, so geht Roland Düringer auf Tour. Der Umwelt zuliebe. Mehr davon im Frühstück. Sie sind kein typischer Frühstücker, oder? Nein. Für mich gibt es daher auch kein Sonntagsfrühstück. Bei mir ist jeder Tag gleich, ob Wochentag oder Sonntag. Ein Kaffee, besser noch ein Tee oder ein Wasser, das reicht. Eigentlich sind Sie ja Schauspieler ... Der Begriff Kabarettist kam durch einen Zufall. Mein Ursprung liegt im Ensemble Schlabarett. Wir waren da eine Theatergruppe, die das Stück „Atompilz von links“ auf eine Bühne bringen wollte. Das konnten wir aber auf Kabarettbühnen, und so kam es zum Kabarettisten Düringer. Nehmen wir die TV-Serie „Kaisermühlen Blues“, war ich Schauspieler. Mein neues Programm „Africa Twinis“ ist ebenso Theater, oder eigentlich ist es mehr ein Hörspiel mit Licht. Africa Twin, legendäre Honda-Marke. Da freuten sich viele schon auf eine Wiederauferstehung der Benzinbrüder? In „African Twinis“, das ich gerade zweimal im Theatercafé gespielt habe, geht es nicht so sehr um Motorräder, sondern um Träume und Sehnsüchte, die Menschen haben, und es geht auch ums Scheitern. Vermissen Sie die Zeiten, wo Sie mit der Benzin brüder-Show die Wiener Stadthalle füllten? Als die Menschen in der Halle, die ich ja indirekt und direkt angegriffen und kritisiert habe, sich auf die Schenkel klopften und meinen Angriff beklatschten, da bekam ich das Gefühl, etwas falsch zu machen, und ich machte einen radikalen Schlussstrich. Dann Ihr Ausflug in die Realpolitik. Das ist dumm gelaufen. Ich wollte erst mein Programm „Der Kanzler“ spielen und danach mit der Kandidatur hinausgehen. Es kam anders. Die Wahl wurde vorverlegt und somit gab es de facto einen Eingriff der Politik in meine Polit-Premiere. Im „Kanzler“ spiele ich ja einen christlich-sozialen Politiker kurz vor dem Rücktritt. Kabarettstart war 2017, die Wahl aber hätte eigentlich erst 2018 stattfinden sollen. Ein anderes Thema. Greta Thunberg und Fridays for Future sind nicht Ihr Ding? Das ist für mich alles reines Marketing, das die Agenda der Industrie unterstützt. Man soll grüne Produkte kaufen. Man denkt, wenn man C0 2 einspart, ist alles gut. Dabei ist der Materialismus das größere Problem, das Streben nach mehr. Das System ist falsch, wie die Nullzinspolitik, das System ist zu bekämpfen. Sie sind nach wie vor Motorradfahrer, reisen aber zu Ihren Auftritten mit der Bahn? Mit der Bahn kommt man überall hin. Auf Tour habe ich alles im Rucksack. Kleines Mikro-Board, Mac- Book, Autogrammkarten, Zahnbürste, Seife. Passt alles in die vielen Seitentaschen. Das hilft, den C0 2 -Ausstoß einzudämmen? Die Lösung ist FDH (friss die Hälfte) von allem: Hälfte Essen, Hälfte Komfort, Hälfte Autofahren usw. Sie haben tolle Filme gemacht, gibt’s da Neues? Ich werde selbst keinen Film mehr produzieren. Kein Drehbuch schreiben, kein Bitten um Förderungen. Wer mich, so wie in „Cops“, im Kino oder TV, als Schauspieler will, möge kommen. VOJO RADKOVIC Roland Düringer, am 31. 10. 1963 in Wien geboren, ist Schauspieler und Bühnen-Kabarettist. 25 Programme, 25 Film- und TV-Rollen, zuletzt „Cops“ (2018), pflastern seinen Karriereweg. Als Polit-Aktivist gründete er 2016 die Partei „Meine Stimme G!LT“. Düringer ist verheiratet und hat eine 18-jährige Tochter, die jetzt Matura macht.

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